Silvesterknaller

Einsatzkräfte vieler Städte bitten nach Hochwasser um Rücksicht und Verzicht auf Böller zu Silvester – was sagt die Feuerwehr in Hildesheim?

Hildesheim - Die letzten Tage waren fordernd für Feuerwehr, Rettungsdienste und Helferinnen und Helfer – und nach der Flut steht mit Silvester wohl die nächsten Großeinsätze bevor. Um Respekt und Ruhe bitten daher die Wehren einiger Städte. Und um den Verzicht aufs große Geknalle.

Sie sind laut, machen Müll und verursachen Unfälle und Einsätze von Feuerwehr und Rettungskräften: Feuerwerk und Böller. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Das Hochwasser der vergangenen Tage hat die Einsatzkräfte in und um Hildesheim stark gefordert: Dämme sichern bis in die Nacht, Sandsäcke füllen, Kontrolldienste, reguläre Dienste, und das alles an Weihnachten. Zudem ist die Sorge vor neuen Wasserhochständen vielerorts noch präsent. Und vor der Tür steht Silvester, ebenfalls eines der großen Ereignisse in den Kalendern von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und, wenn nötig, Technischem Hilfswerk (THW).

Deshalb bitten Einsatzkräfte einiger Städte ihre Bürger, zu Silvester aus Rücksicht auf das Böllern komplett zu verzichten. Aus Wolfenbüttel heißt es: „Üblicherweise werden zum Neujahrsfest viele Feuerwerke gezündet, die Feuerwehr muss deshalb etliche Male ausrücken“. Deshalb bitte man darum, „dass es zur Neujahrsnacht still bleibt“. So erspare man den Kräften Einsätze.

„Natürlich hoffen wir auf friedliches Silvester“

Auch die Feuerwehren des Landkreises Schaumburg bitten darum, in diesem Jahr auf das Abbrennen von Feuerwerk zu verzichten. Unzählige ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer von Feuerwehr und Rettungsdiensten seien noch mit Folgen des Hochwassers ausgelastet.

„Was den Rückblick auf die letzten Tage angeht, muss man sicher zwischen der Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen Wehren unterscheiden“, sagt dazu Florian Kröhl, Sprecher der Hildesheimer Berufsfeuerwehr. Während die Hauptamtlichen schlicht ihren Job gemacht hätten, seien es vor allem die Ehrenamtlichen, die neben Feier- oder Arbeitstagen eine enorme Leistung abgeliefert hätten, um den Hochwasserschutz zu gewährleisten. „Natürlich hoffen wir auf ein friedliches Silvester“, sagt er. Aber Aufrufen wie aus Wolfenbüttel und Schaumburg und der Bitte um einen kompletten Böller-Verzicht wolle man sich nicht anschließen.

Im Landkreis war es noch kritischer als in der Stadt

Hildesheims Stadtbrandmeister Jürgen Stoffer, der für die Ortsfeuerwehren und freiwilligen Kräfte spricht, kann deren Leistung nur loben und wertschätzen, wie er sagt. „Wir sind viel in Vorleistung gegangen, um das Hochwasser aufzuhalten“, sagt er, „haben Dämme gesichert, kontrolliert und Sandsäcke gefüllt, damit es zu Überschwemmungen gar nicht kommt“. Dennoch mache sich die Erschöpfung bei vielen bemerkbar. „Insbesondere bei denen im Landkreis, wo die Lage teils weit kritischer war als im Stadtgebiet.“

Insofern käme ihnen ein friedliches Silvester sehr entgegen, meint Stoffer. „Unsere Einsatzpläne sehen vor, dass überall Kräfte in Bereitschaft sind. Die feiern in den Feuerwehrhäusern Silvester, mit Spielen und ohne Alkohol, und sicher ist niemand böse, wenn es ruhig bleibt.“ Um einen kompletten Verzicht auf Böller würde er nicht bitten wollen, „aber wenn niemand Knaller in Papierkörbe schmeißt oder Unfälle verursacht, wäre das schon gut“.

Es gehört dazu, Egoismus mal hinten anzustellen

Auch Hildesheims Bischof Heiner Wilmer äußert sich zur Lage: „Ich kann Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister gut verstehen, die dazu aufrufen, an Silvester auf Böller und Feuerwerk zu verzichten.“ Insbesondere wenn es darum gehe, die Zahl der Einsätze zu reduzieren. „Rücksichtnahme und Solidarität sind angesichts des Hochwassers von enormer Bedeutung.“

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens sagte, in ihren Gesprächen mit Einsatzkräften vor Ort sei stets „die Sorge vor einer schweren Einsatzlage an Silvester in Kombination mit der Bewältigung der akuten Hochwasser-Lage“ laut geworden. „Ich finde es sehr bedauerlich, dass man es so klar sagen muss: Zum gesellschaftlichen Zusammenhalt gehört es auch, sich in Notsituationen zusammenzureißen und seinen Egoismus hintenan zu stellen.“

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