Hildesheim - Derzeit ist in Hildesheim die Zukunft des Schulessens ein großes Thema – beziehungsweise die Frage, wer dieses Essen demnächst zubereiten und liefern wird.
Dabei fiel mir wieder ein, was man mir vorsetzte, als ich sieben, acht Jahre alt war und in der Schülergaststätte zu Mittag essen musste. Ja: musste! Damit fing der Schlamassel schon an. Unter der Aufsicht diverser Erzieherinnen schlichen wir zur Essensausgabe und flüsterten uns zu: „Hoffentlich gibt’s nicht wieder Tote Oma!“ Und dann gab es – von irgendeinem Großküchen-VEB zusammengerührt – entweder Tote Oma. Oder Eintopf, was nicht besser war.
Du wusstest nie: Ist das Kartoffel oder ein Stück Fett
Die blassgekochten Kartoffelstückchen waren das einzig Genießbare in der Suppe, mussten aber vor dem Essen genau untersucht werden: Oft waren es nämlich gar keine Kartoffelstückchen, sondern widerliche Fettwürfel. Gott, war das ekelhaft, ich erinnere mich noch genau, wie abscheulich wir es fanden, an so ein großes Stück Fett zu geraten. Unsere Teller mussten wir den Erzieherinnen vorzeigen, bevor wir sie endlich wegbringen durften. Sie entschieden, ob wir genug gegessen hatten. Deshalb hatten wir uns Tricks überlegt: 1. Die Suppe über den ganzen Teller verteilen, auch über den Rand. So sieht es vielleicht so aus, als wäre aus der Mitte schon was weggegessen worden. 2. Wird man zum Weiteressen verdonnert, den Teller unverändert wieder vorzeigen. Und wieder. Irgendwann werden die Erzieherinnen mürbe und lassen einen den Fraß zurückgeben.
So schlimm wird es in Hildesheim sicher nicht werden, egal wie es hier weitergeht. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Besser, man kennt den, der hinterm Herd steht. Bei anonymen Produktionsstätten, gar VEBs, weiß man nie. Und: Wer Tote Oma anbietet, ist raus. Disqualifiziert. Sofort.
