Warnung aus dem Rat

Eintracht-Halle: Politik warnt vor Mehrkosten für andere Vereine

Hildesheim - Der geplante Hallen-Bau von Eintracht Hildesheim bereitet Ratsmitgliedern Sorge: Sie warnen vor finanziellen Folgen für die Stadt und andere Vereine – Eintracht solle diese auffangen.

Eintracht nutzt unter anderem diese Sporthalle in Ochtersum – wobei dieses Foto bei einem Volleyballturnier von Grundschulen entstanden ist, mit dem der Klub nichts zu tun hatte. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Im Rat gibt es die Sorge, der geplante Hallenbau von Eintracht Hildesheim könnte unangenehme finanzielle Folgen für die Stadt oder andere Vereine haben. Durch das Vorhaben zahle Eintracht weniger Gebühren für die Nutzung kommunaler Sporthallen, betont Michael Kriegel, der finanzpolitische Sprecher FDP. Er schlägt vor, dass Eintracht den Verlust durch entsprechend höhere Erbpachtzinsen ausgleichen sollte, die der Verein an das Rathaus für das Baugrundstück überweisen muss – damit nicht die Stadt und andere Vereine die Zeche zahlen müssten.

Die Stadt hat die Hallengebühren 2019 eingeführt. Zuvor hatten die 70 Hildesheimer Sportvereine im Zuge des Entschuldungskurses der Kommune einen Solidaritäts-Beitrag bezahlt. Im ersten Jahr nach der Umstellung beliefen sich die Einnahmen wie von der Verwaltung erhofft auf 185 000 Euro.

Eintracht zahlt etwa ein Drittel der gesamten Hallengebühren

Nach Informationen der HAZ dürfte etwa ein Drittel des Betrags von Eintracht entrichtet worden sein. Vorstand Clemens Löcke wollte sich dazu gegenüber der HAZ auf Anfrage nicht äußern; er bestätigte lediglich die Annahme, dass es sich um mehrere Zehntausend Euro im Jahr handele. Der Verein nutze derzeit knapp 20 externe Hallen, darunter auch etliche der Stadt. Diese wollte sich aus Gründen des Datenschutzs nicht zum Eintracht-Anteil äußern. Der Klub hat 6500 Mitglieder, das ist etwa ein Drittel der insgesamt 20 000 Menschen, die in Hildesheim in Sportvereinen sind.

Unabhängig von der genauen Höhe des Eintrachts-Anteils an den Gebühren: Für FDP-Politiker Kriegel ist klar, dass der Hallenbau „neben den moralischen Aspekten gegenüber den Invaders eine große finanzielle Auswirkung“ habe. Dass sich das Projekt für Eintracht rechne und damit für die Vereinsfinanzen gut sei, sei nur eine Seite der Medaille, sagt Kriegel. Für die Stadt und die anderen Sportvereine sehe die Sache aber ganz anders aus.

So hätten sich die Klubs, der Rat und die Verwaltung 2018 nach teilweise zähen Verhandlungen auf die Gebühren geeinigt. Wenn jetzt Eintracht eine eigene Halle nutze und damit aus diesem Verbund ausschere, mindere dies entweder die Einnahmen der Stadt oder führe zu erheblichen Mehrkosten für die anderen Vereine, warnt Kriegel.

Doch der hat eine Idee, wie sich beides verhindern ließe. Um das ehemalige Heimspiel-Feld der Footballer bebauen zu können, müsse Eintracht mindestens über ein Erbaurecht für das Gelände verfügen – darauf hatten auch der Verein und die Stadt bereits hingewiesen. Diese sollte genau an dem Punkt ansetzen, findet Kriegel: Der Erbbauzins müsse so hoch ausfallen, dass er die Verluste der Stadt beziehungsweise die Mehrkosten der anderen Hallennutzer ausgleicht. „Es kann nicht sein, dass Eintracht günstig ein Gelände von der Stadt erhält und die dann draufzahlt.“ Die Entscheidung über den Erbbauvertrag trifft der Rat, zeitlich ist das frühestens im Mai möglich. Eintracht hofft, dass der Halleninvestor im Juni mit dem Bau loslegt.

SPD und Kreissportbund finden es zu früh für FDP-Vorschlag

Dem finanzpolitischen Sprecher der SPD, Stephan Lenz, geht der FDP-Vorschlag zum jetzigen Zeitpunkt zu weit. Er hatte bereits direkt nach dem Bekanntwerden der Pläne auf die möglichen Folgen für die Hallengebühren hingewiesen. „Wir müssen das Thema im Auge behalten.“ Doch zunächst gelte es, die weiteren Entwicklung abzuwarten.

Auch Dennis Münter, CDU-Ratsherr und Geschäftsführer des Kreissportbundes, hält die Debatte für verfrüht. Erst müsse klar sein, was der Bau für die Einnahmen bedeute, dies stehe wegen der Corona-Folgen erst 2022 fest. Wie Löcke glaubt Münter zudem, dass andere Vereine viele der Eintracht-Hallenzeiten übernehmen. Der Bedarf sei da.

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