Gelber Stern

Arbeiten in Hildesheims ältestem Haus: Wann darf man wieder rein?

Hildesheim - Das einstige Waffenschmiedehaus ist das älteste erhaltene Fachwerkhaus in Hildesheim. Das Gebäude beherbergt ein deutschlandweit einzigartiges Museum, das derzeit aber geschlossen ist. Wie es drinnen aussieht – und wann das Haus wieder für Besucher und Besucherinnen öffnet.

Claus-Michael Lommer und Andreas Quaschigroch wollen die Sammlerstücke des Museums in Hildesheims ältestem Fachwerkhaus sichten und neu ordnen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Hinter den verschlossenen Türen des Neisser Heimatmuseums tut sich etwas: Der Verein Neisser Kultur- und Heimatbund als Träger des Museums hat sich vorgenommen, mit wissenschaftlicher Begleitung Sammlung und Präsentation zukunftsfähig zu machen und die Räume zu renovieren – nach und nach.

Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es schon keine regelmäßigen Öffnungszeiten mehr im Gelben Stern 21. Ein Zettel am Fenster weist zurzeit darauf hin, wegen Renovierungsarbeiten sei das Museum nicht zu besichtigen. Das soll aber nicht so bleiben, betonen der Bundesvorsitzende des Neisser Heimatbundes, Andreas Quaschigroch, und Vorstandsmitglied Claus-Michael Lommer. Sie rechnen damit, dass schon bald wieder Besuche im Museum möglich sein werden, zu festen Terminen an ein bis zwei Tagen im Monat und außerdem für Gruppen nach Anmeldung.

Viel Material

Denn es sind oft Reisegruppen oder Familien, die sich für die Erinnerungsstücke, die historischen Karten und Bilder interessieren und sich eine Besichtigung wünschen. Zusätzlich hat der Bundesvorstand für die Zukunft eine weitere Zielgruppe im Blick: diejenigen, die über die Geschichte von Stadt und Kreis Neisse forschen wollen. Es gebe bei jüngeren Menschen aus dem heutigen Nysa ein wachsendes Interesse an der Vergangenheit der Stadt, die im letzten Jahr ihr 800-jähriges Bestehen gefeiert hat, berichten Quaschigroch und Lommer.

Das Zimmer des Landkreises Neisse

Das Museum verfügt dafür über reichlich Material: Abbildungen aus mehreren Jahrhunderten, Fotoalben und Tagebücher, Unterlagen, Pläne und Broschüren drängen sich an den Wänden, in den Schränken und Regalen. Dazu sind Alltagsgegenstände zu besichtigen und Erzeugnisse schlesischen Kunsthandwerks. Besonders anschaulich ist eine Bauernstube im ersten Stock. Hier stehen typisch in kräftigem Blau bemalte Möbel und in einem Schrank sind heimische Trachten und Hauben zu bewundern.

Um das gesammelte Wissen zugänglich zu machen, soll der Museumsbestand inventarisiert und digitalisiert werden. Ein erster Schritt ist gemacht: im Haus gibt es jetzt WLAN, um die weitere Arbeit überhaupt zu ermöglichen. Außerdem hat sich der Vorstand im vergangenen Jahr mehrmals zum Aufräumen im Museum getroffen. Der Heimatbund erhält stetig Kisten voller Gegenstände, meist aus Nachlässen, berichtet Claus-Michael Lommer.

Das Treppenhaus

In den Pandemie-Jahren habe sich vieles aufgestaut, was durchgesehen werden musste, denn längst nicht alles eignet sich zum Aufbewahren im Museum. Aufräumen, sortieren und ordnen stehen also erst einmal an und dann auch die Entwicklung eines neuen Museumskonzeptes. „Denn sowohl die Zielgruppe als auch der Anspruch an einen Museumsbesuch haben sich seit der Einrichtung des Museums im Jahr 1974 stark gewandelt“, erläutert Regina Höfelmeier, stellvertretende Vorsitzende des Kultur- und Heimatbundes.

Projektbeginn 2025

Der Museumsverband Niedersachsen begleite bei diesen Vorhaben und berate bei der Formulierung eines Förderantrags an das Land Niedersachsen. Für die Umsetzung des Projektes beabsichtigt der Verband, einen Geschichts- oder Kulturwissenschaftler oder -wissenschaftlerin zu beschäftigen. Bei der Suche nach einer solchen Unterstützung helfe der Museumsverband sowie die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. Es gebe auch die Idee, Arbeitsplätze einzurichten, damit Interessierte vor Ort die Schriftstücke einsehen können. Die Museumsträger seien noch „im Prozess der Ideenfindung“, so Höfelmeier. Den eigentlichen Projektbeginn erwartet sie für 2025.

Das Eichendorffzimmer

Zur Neuaufstellung gehört auch die Renovierung der Räume, aber einer nach dem anderen, damit das Museum trotzdem die meiste Zeit zugänglich bleibt, erläutert der Vorstand. Dafür hat der Verband seine Mitglieder zu Spenden aufgerufen. Die laufenden Kosten für das Museum – das Haus ist von der Stadt gemietet – werden über Mitgliederbeiträge finanziert. Das Mitgliederverzeichnis zähle zurzeit noch 1900 Personen, erklären Quaschigroch und Lommer. Doch sie schätzen, nach Durchforsten der Namen würden nur etwa 1000 übrig bleiben, viele seien vermutlich verstorben. Doch obwohl der Verein schrumpft, werde er nicht verschwinden: Es gebe auch bei den jüngeren Generationen Interesse an der Heimat ihrer Vorfahren.

Neisser Kultur- und Heimatbund entstand 1948

Der Neisser Kultur- und Heimatbund entstand 1948 aus dem Wunsch derer, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer oberschlesischen Heimat vertrieben worden waren, ihre Kultur und Erinnerungen zu wahren. Durch die Pflege der Kontakte untereinander und das Fortführen heimatlicher Traditionen in den Familien sei auch bei der Generation der Kinder ein Gefühl der Verbundenheit entstanden, erzählen Quaschigroch und Lommer.

Die Stadt Hildesheim und der damalige Landkreis Hildesheim-Marienburg übernahmen 1952 eine Patenschaft für Stadt und Kreis Nysa, da die Hildesheimer Region für viele Neisser neue Heimat geworden war. Seit 1974 gibt es in Hildesheim das Neisser Heimatmuseum – nach Auskunft des Vorstands das einzige in Deutschland. Es befindet sich im 1548 erbauten, und mit farbig gefassten Schnitzereien dekorierten sogenannten Waffenschmiedehaus – nach Angaben von Hildesheim Marketing das älteste noch erhaltene Fachwerkhaus der Stadt. Jedes zweite Jahr findet das Bundestreffen des Neisser Kultur- und Heimatbundes in Hildesheim statt; auch dieses Jahr vom 17. bis 19. Mai. Mehr Informationen gibt es hier online.

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