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Für Nostalgie-Fans: Eisenbahnfahren wie früher durchs Nettetal

Bornum - Eine Fahrt mit der Diesellok ist ein wunderbar nostalgisches Vergnügen – und der Verein, der dahintersteht, kann noch Zuwachs gebrauchen. (mit Video)

Die zweiachsigen, aus Stahl gebauten Waggons sind nicht gedämmt und rattern und dröhnen nur so über die Gleise. Foto: Waldemar Lorenz

Bornum - Noch ein kurzer Blick aus dem Seitenfenster, schon geht’s los. Mit einem Knopfdruck lässt Lokführer Oliver Lampe so etwas wie eine Hupe, im Fachjargon Pfeife genannt, ertönen, und pünktlich auf die Minute setzt sich der Zug in Bewegung. Zur Herbstfahrt mit der Nettetalbahn hatte die Dampfzug-Betriebs-Gemeinschaft e.V. am Sonntag eingeladen.

Gezogen wird der Zug von einer Diesel-Lokomotive, MAK 650 C, Baujahr 1966, mit einer Leistung von 650 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Dazu gehören drei Waggons verschiedener Wagenklassen, ein Gepäckwagen und ein Thekenwagen. Die Waggons wurden zwischen 1928 und 1930 gebaut.

Aus 108 Kilometern sind inzwischen 16 geworden

Ausgangspunkt für die Fahrt mit dem historischen Reichsbahnzug ist das Gelände der (HAW-Linings GmbH) in Bornum am Harz. Von hieraus fährt der Zug die ehemalige Braunschweiger Landeseisenbahn bis nach Derneburg. Die Strecke führte einst auf 108 Kilometern Länge vom Braunschweiger Nordbahnhof über Derneburg nach Seesen. Der 16 Kilometer lange Abschnitt zwischen Bornum und Derneburg ist noch erhalten und wird als Anschlussbahn mit regelmäßigem Güterzugverkehr durch die Harzer-Apparate-Werke genutzt.

„Dieee Fahrkarten bidde“, Schaffner Jannik Werscheck kontrolliert, ob auch alle Fahrgäste einen Fahrschein gelöst haben. Haben sie. Und genießen nicht nur die Kombination aus nostalgischer Eisenbahnromantik und Herbstlandschaft - die Bäume am Streckenrand erstrahlen in Gelb-, Orange- und Rottönen – sondern können sich im Speisewagen mit Kaffee und Kuchen oder Bockwurst versorgen.

Die Lok fährt rückwärts die Strecke zurück

Werscheks Stimme ist allerdings kaum zu verstehen. Die zweiachsigen, aus Stahl gebauten Waggons sind nicht gedämmt und rattern und dröhnen nur so über die Gleise. Deshalb werden sie auch „Donnerbüchsen“ genannt. In Derneburg angekommen, muss für die Rückfahrt rangiert werden. Die Strecke ist eingleisig, die Lok fährt rückwärts zurück Richtung Bornum.

Unter den 80 bis 100 Fahrgästen, darunter etliche Familien mit Kindern, befindet sich kein „Blinder Passagier“. Schaffner Werscheck hat alles im Griff. Er ist Projektmanager bei der Deutschen Bahn und beantwortet mit Zugführer Uwe Schulz auch Fragen der Fahrgäste: Ja, man kann mitmachen bei der Nettetalbahn. Der Verein hat 20 Mitglieder, von denen aber nur zehn aktiv sind. Die Betätigungsfelder reichen vom Schaffner, Zugführer, Rangierer bis zum Lokführer. Mitbringen muss man Zeit und Interesse an Eisenbahnen. Infos zur Vereinsmitgliedschaft gibt es unter www.dampfzug-betriebs-gemeinschaft.de.

Von Waldemar Lorenz

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