Hildesheim - Jetzt ist aber auch mal gut mit Wahlen, oder, liebe Leserinnen undtr Leser? War ja alles superspannend, aber nun haben wir wirklich genug Kreuze gemacht und Entscheidungen getroffen, jetzt sind Bürgermeister, Räte und Landrat vollzählig. Der Fisch ist gegessen, der Drops gelutscht, der Zug abgefahren. Wir haben es geschafft!
Von wegen. Falls Sie glauben, Sie könnten auch nur eine Minute verschnaufen, was Entscheidungen betrifft, muss ich Ihnen leider sagen: Damit geht es munter weiter. Sie treffen, bewusst oder nicht, pro Tag satte 35.000 Entscheidungen. Im Grunde machen Sie die ganze Zeit nichts anderes, als zwischen Option A und B oder A, B und C zu wählen, oder, noch schlimmer: zwischen A, B, C und D.
Kleid oder Jeans, Bus oder Rad, Schirm oder kein Schirm?
Sie wählen den Radiosender, die Marmeladenfarbe, die Menge der Zahnpasta, die Sie verwenden, die Temperatur des Wassers unter der Dusche. Den Zeitpunkt Ihres ersten Kaffees, mit Milch, Zucker oder schwarz, die Farbe Ihres Pullovers. Sie entscheiden, ob Sie sicherheitshalber einen Schirm mitnehmen oder dem Wetterfrosch vertrauen, ob Sie die Tür hinter sich abschließen, und wenn ja, ob ein- oder zweimal, ob Sie den Bus oder das Rad nehmen, den Weg durch den Park oder den an der Hauptstraße entlang. Puh. Da ist man doch schon platt, bevor man überhaupt zur Arbeit kommt – und da geht es mit den Entscheidungen erst richtig los.
Deshalb mag ich es, in Schablonen zu denken, in Mustern und Wiederholungen. Kaffee schwarz, Haferflocken, Jeans. Immer, jeden Tag. Zack, drei Entscheidungen gespart. Schon sind es nur noch 34.997. Bloß gut, dass ich nicht jede davon auf einem Stimmzettel ankreuzen muss.
