Hildesheim - In ganz Deutschland nehmen die Kinos am Donnerstag den Betrieb wieder auf. Auch der Thega Filmpalast zieht mit. Auf der Homepage heißt es selbstbewusst: „An dieser Stelle danken wir jedem niedlichen Heimkino für die Überbrückung und Filmversorgung in den letzten Monaten, nun aber übernehmen wir wieder!“
Anders als bei der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im vorigen Jahr gibt es sofort Programm in allen Sälen des Thega: Action mit „Godzilla vs. Kong“, Humor mit Otto Waalkes in „Catweazle“, Zeichentrick mit „Peter Hase 2“, Grusel bei „A Quiet Place 2“ oder „Conjuring 3“ – um nur einige zu nennen.
„Kino wird es immer geben“
„Ich mache über 50 Jahre Kino. Mit so etwas hätte ich im Leben nicht gerechnet“, sagt Thega-Seniorchef Karl-Heinz Brinkmann zur Coronakrise. Acht Monate lang war das Hildesheimer Kino dicht, im Frühjahr 2020 auch schon fast vier Monate. Macht ein Jahr ohne Kino.
Brinkmann blickt jedoch zuversichtlich in die Zukunft: „Wir waren schon zweimal totgesagt – Kino wird es immer geben.“ Er fügt hinzu: „Das waren harte Zeiten, aber wir haben alles gut geschafft.“
Die Überbrückungshilfen des Bundes hätten sehr geholfen, sagt Juniorchef Roland Brinkmann: „Das hat schon einige schlaflose Nächte verhindert, die wir sonst gehabt hätten.“ Auf der anderen Seite wisse man nicht, was unter dem Strich herauskommen wird, da die Fördergelder auf Schätzungen beruhten. Die realen Zahlen müssen nachgereicht werden. „Das wird alles noch eine Riesenrechnerei“, so Roland Brinkmann.
Zusätzlich habe man Kfw-Kredite aufnehmen müssen, erklärt Karl-Heinz Brinkmann. Und: „Eigentlich wollten wir in diesem Jahr renovieren.“ Die dafür vorhandenen Rücklagen habe man gebraucht, um durch die Pandemie zu kommen. Das Vorhaben sei nun auf 2022 verschoben. Immerhin habe das Thega niemandem kündigen müssen.
Betreiber ringen mit Filmverleihen
In der Zwischenzeit ist hinter den Kulissen viel verhandelt worden. Das Ringen der Kinobetreiber mit den Verleihen, welche Filme in dieser Woche anlaufen sollen, habe bis zum letztmöglichen Moment gedauert, berichtet Roland Brinkmann: „Wir wussten zum Teil am Freitag noch nicht, was wir am Donnerstag einsetzen werden.“ Das sei schade, weil es den Vorverkauf sehr verzögerte.
Stolz ist die Kinobranche aber, dass sie die Verleiher überzeugen konnte, potenzielle Kassenmagneten wie den neuen Bond-Film zurückzuhalten, statt sie vorzeitig an Streamingdienste zu verkaufen. So wird der längst fertige Bond erst im Herbst auf die Leinwand kommen.
Konkurrenz durch Streaming-Dienste
Die Konkurrenz der Streaming-Dienste sieht Karl-Heinz Brinkmann als Gefahr für die Kinokultur. Das Problem: Früher hatten die Kinos ein halbes Jahr Vorlauf, bevor die Zweitverwertung der Filme durch Streamings und DVDs begann. Dieses Gentleman-Agreement werde nun immer mehr aufgeweicht – bis hin zu so genannten Day-by-Day-Premieren: Kino- und Streamingstart fallen auf denselben Tag. „Darüber kann man reden“, sagt Karl-Heinz Brinkmann, „aber dann darf man nicht diese hohen Verleihgebühren verlangen.“
Ganz entspannt sind die beiden Thega-Chefs hingegen mit der Tatsache, dass der Neustart ausgerechnet in die Zeit der Fußball-EM fällt. „Die paar Tage, bis wir Europameister werden, machen den Kohl auch nicht fett“, sagt Roland Brinkmann mit einem Lächeln.
HAZ-Filmfestival im Sommer
Für den Sommer hat er zudem eine gute Nachricht: Das HAZ-Filmfestival wird es auf jeden Fall geben. Nur steht noch nicht fest, wann es losgehen soll. Brinkmann: „Das Festival hat eine treue Fangemeinde.“
Ganz ohne Auflagen funktioniert der Neustart natürlich noch nicht. Auf den Gängen ist Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben, der aber am Platz abgenommen werden kann. Auch sind die üblichen 1,5 Meter Sicherheitsabstand einzuhalten. Ein negativer Testnachweis ist nicht erforderlich, aber es müssen die Kontaktdaten hinterlegt werden. Karten können online oder bargeldlos im Kino erworben werden.

