Hildesheim - Die Redaktion stellt mit einer Interview-Reihe die Direktkandidaten für den Bundestag im Wahlkreis Hildesheim vor. Der jüngste Kandidat ist Tim Heckeroth – mit gerade einmal 21 Jahren will er in den Bundestag einziehen. Im Interview verrät er, was ihn von FDP-Chef Christian Lindner unterscheidet – und wieso er konsequentere Abschiebungen fordert.
Kaum haben Sie sich für die Bundeskandidatur beworben, geht die Ampel baden. Was war da los?
Das habe ich mir auch gedacht: Muss das jetzt sein? Gerade an dem Tag, an dem feststand, dass Trump die Präsidentschaft gewonnen hat. Aber es war abzusehen. Für mich kam das sehr ungelegen. Nichtsdestotrotz hat meine Partei mir das Vertrauen gegeben, hier zu kandidieren. Der Verantwortung bin ich mir bewusst.
Sie haben gesagt, von Parteichef Christian Lindner unterscheiden Sie sich vor allem bezüglich der Inhalte. Inwiefern?
Für mich ist ein zentraler Punkt das Thema Bildung. Christian Lindner war Finanzminister, ist stark in den Wirtschaftsthemen verankert und verkörpert natürlich auch das Aufstiegsversprechen. Aber über den Liberalismus als solchen, der ja maßgeblich für die FDP unser Handeln entscheidet, kommt mir da ein bisschen zu wenig.
Sind Sie nicht auch in den Wirtschaftsthemen? Immerhin studieren Sie Wirtschaftswissenschaften.
Natürlich. Meine drei Hauptthemen sind Wirtschaft, Verteidigungspolitik und Bildungspolitik. Gerade da sehe ich sehr viel Ausbaubedarf.
Was war Ihr Abi-Schnitt?
(lacht) Muss ich diese Frage beantworten? Besser nicht.
Mit 21 Jahren gehören Sie zur Generation Z, der man nachsagt, arbeitsscheu zu sein. Wie kamen Sie auf die Idee, sich politisch zu engagieren?
Dem würde ich entschieden widersprechen – ich halte die Behauptung, dass die Generation Z arbeitsscheu sei, für unbegründet. Vielmehr haben wir ein anderes Verständnis von Arbeit. Ich sehe viele junge Menschen, die mit großem Tatendrang und Engagement anpacken möchten. Was meine Generation besonders auszeichnet, ist der Wunsch nach mehr Flexibilität in der Arbeitswelt – überall dort, wo es möglich und sinnvoll ist.
Und wieso jetzt die Bundestagskandidatur?
Bei dieser Bundestagswahl stehen wir vor einer Richtungsentscheidung in allen Fragen – sei es die Verteidigung unserer westlichen Demokratien oder das Thema der Rente, das endlich angegangen werden muss. Meine Generation muss die Folgen davon tragen, und das am längsten. Das hat mich dazu motiviert.
Die FDP-Kandidatin für die Landtagswahl 2022, Zara Tas, war auch sehr jung, hat am Ende aber nur 3,14 Prozent der Stimmen bekommen. Wieso sollte es für Sie besser laufen?
Zara war in einem Wahlkampf, wo es bei der Ampel gerade anfing zu kippen. Da haben alle Parteien nicht so gut abgeschnitten, wie eigentlich erhofft. Ich versuche, mit den Leuten in Kontakt zu treten. Machen wir uns nichts vor: Ich bin sehr jung, ich brauche einfach die Perspektiven von anderen Leuten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir hier am Ende ein Ergebnis haben werden, bei dem wir sagen können: In Hildesheim haben wir es geschafft.
Laut dem Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) würde das FDP-Programm ein 116 Milliarden Euro Loch in den Haushalt reißen. Ihre Partei fordert die Einhaltung der Schuldenbremse, aber auch Steuersenkungen. Wie soll das funktionieren?
Wir haben die letzten Jahre über immer Rekordeinnahmen gehabt. Wir können Schulden aufnehmen, die Schuldenbremse erlaubt das ja auch. Wir haben einen gewissen Spielraum. Darüber hinaus Schulden aufzunehmen ist schwierig, aber auch das geht. Das hat das Sondervermögen für die Bundeswehr gezeigt. Der Staat ist handlungsfähig. Wir müssen nur priorisieren: Wofür geben wir das Geld aus?
Nach der Tat von Solingen haben Sie konsequente Abschiebungen gefordert das klingt eher nach AfD als nach FDP, oder?
Nein. Das Problem ist doch, dass wir seit Jahren darüber reden und die Menschen zumindest das Gefühl haben, es passiert nichts. Es braucht konsequente Abschiebungen. Wie viele Taten müssen noch passieren, bis wir es schaffen, diese Abschiebedebatte unter Kontrolle zu kriegen? Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Großteil der Menschen, die hier herkommen, gute Leute sind, die ein neues Leben starten wollen. Aber wer das Leben unserer Mitbürger gefährdet, hat hier seinen Aufenthalt verwirkt. Wenn das nach AfD klingt, dann nur, weil wir diese Debatte viel zu lange den Rechten überlassen haben.
Der Fünf-Punkte-Plan von CDU/CSU war ja nur ein Appell, der trotzdem für viel Wirbel gesorgt hat, weil neben der FDP auch die AfD dem Antrag zugestimmt hat. Wären Sie der FDP-Linie gefolgt?
Inhaltlich begrüße ich dieses Programm, weil wir vor großen Herausforderungen stehen, die gelöst werden müssen. Ich hätte gerne in einem demokratischen Konsens zugestimmt, doch sollten wir diese Entscheidung nicht von einer Partei abhängig machen – man darf sich nicht von der AfD erpressen lassen. Die FDP hat im Parlament alles in ihrer Macht Stehende unternommen, um einen Konsens unter den demokratischen Parteien zu erzielen. Dennoch haben sich SPD und Grüne diesem verweigert. Das Verhalten von SPD und Grünen zeigt aus meiner Sicht, dass sie nicht bereit sind, diese Probleme ernsthaft anzugehen.
Zur Person
Tim Heckeroth, 21, ledig, ist vor sechs Jahren der FDP beigetreten. Seit drei Jahren ist Heckeroth Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen in Hildesheim. Er leitete knapp zwei Jahre den Landesarbeitskreis Bildung bei den Jungen Liberalen Niedersachsen und ist derzeit Mitglied im Landesfachausschuss Wirtschaft der FDP Niedersachsen. Vor einigen Monaten hat er die Pressearbeit des FDP Kreisverbandes Hildesheim übernommen. Er lebt in Hildesheim und studiert Wirtschaftswissenschaften. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Geschichte und Fußball, zudem liest er viel. Er steht auf Listenplatz 28.
