Hannover/Hildesheim - Es hatte sich angedeutet: Frank Rinck, der als eher schwach wahrgenommene Landesvorsitzende der Niedersachsen-AfD, wird bei deren Parteitag am 20. und 21. April in Unterlüß bei Celle voraussichtlich nicht erneut antreten. Als Nachfolger bringt sich Ansgar Schledde in Position. Die Umstände deuten darauf hin, dass Rinck sich nicht ganz freiwillig zurückzieht.
Rinck kommt aus Uelzen, er war bei der Bundestagswahl 2021 als Direktkandidat im Wahlkreis Hildesheim angetreten und hatte über die Landesliste den Einzug ins Parlament geschafft. Seit 2022 ist er Landesvorsitzender der AfD. Doch seine Tage in dem Amt sind offenkundig gezählt – wobei der 37-Jährige von der Verkündung seines Rückzugs durch einen Anruf der Redaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung erfahren hat.
Am Mittwoch verkündete ein Sprecher der AfD über die Nachrichtenagentur dpa, dass Rinck nicht erneut kandidieren werde. Die Nachfolge werde der bisherige Stellvertreter von Rinck, der Landtagsabgeordnete Ansgar Schledde, antreten, sagte der Sprecher der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Und der „Braunschweiger Zeitung“ sagte Schledde: „Ich trete als Landesvorsitzender an.“
Vom Stellvertreter überrumpelt?
Der amtierende Landesvorsitzende Rinck wurde damit von seiner Partei und von Schledde überrumpelt. „Das ist von mir nicht autorisiert“, sagte Rinck der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Meine Entscheidung, zu kandidieren oder nicht zu kandidieren, werde ich auf dem Parteitag bekannt geben, nicht vorher.“
Rinck hatte als Landesvorsitzender den glücklosen Jens Kestner ersetzt, dem es nicht gelungen war, die verschiedenen Strömungen in einer zerstrittenen AfD zu versöhnen. Unter Rinck kehrte Ruhe in der Partei ein. Dennoch wurde der Bundestagsabgeordnete öffentlich kaum wahrgenommen und galt als eher schwach – während Schledde als wahrer Strippenzieher innerhalb der Niedersachsen-AfD gilt.
Rinck hatte mehrfach angekündigt, im Landkreis Hildesheim ein Büro als Anlaufstelle für Bürger aufzumachen; ein solches gibt es allerdings bis heute nicht. Vor knapp zwei Jahren hatte die Staatsanwaltschaft Lüneburg beim Amtsgericht Uelzen einen Strafbefehl über 8100 Euro wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis gegen den AfD-Vertreter erwirkt. Rinck war zuvor, obwohl er bereits 2016 seinen Führerschein verloren hatte, im September 2021 in der Nähe seines Wohnorts zu schnell unterwegs und wurde geblitzt, rund 15 Monate davor hatte er einen Wildunfall mit einem Auto.
Von Karl Doeleke
