Heinde - Der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim, besser bekannt als ZAH, wird 30 Jahre alt. Noch bevor es den ZAH gab, war Henning Wunnenberg schon Müllwerker. Am 16. September 1991 trat er beim Landkreis Hildesheim seine Stelle an. 33 Jahre ist der gelernte KfZ-Mechaniker seinem Beruf schon treu. Dabei hat er so manche Änderung mit gemacht.
Immer zum Job gestanden
„Ich habe schon immer zu meinem Job gestanden“, sagt Wunnenberg. In seinem Arbeitsvertrag steht, dass er Müllwerker ist. In den neuen Verträgen werde das Wort „Beschäftigter“ benutzt, sagt Stefan Grampe aus der ZAH- Geschäftsführung. Das bedeutet, dass der Mitarbeiter vielseitig eingesetzt werden kann. Denn immerhin gibt es verschiedene Arbeitsbereiche beim ZAH, nicht alle 200 Mitarbeitenden sind auf den Entsorgungsfahrzeugen unterwegs – so wie es Wunnenberg seit Jahrzehnten ist.
Viele Veränderungen
Zuvor war auch er Springer mit verschiedenen Einsatzgebieten, reinigte etwa Containerstandplätze. Seit 2005 ist er für den Sperrmüll zuständig. Doch seither hat sich einiges verändert. „Die Sicherheit zum Beispiel“, sagt Wunnenberg. Die ZAHler müssen sich weiterbilden, lernen, wie sie sich zum Beispiel beim Laden verhalten müssen, um sich und andere nicht zu gefährden. Alle fünf Jahre wird zudem geprüft, ob die Fahrer sich sieben Stunden im Jahr fortgebildet haben. Geschieht das nicht, dürfen sie die Laster nicht mehr steuern, bekommen sie keine Verlängerung für den Führerschein BCE. „Das war früher Klasse zwei“, sagt Wunnenberg. Auch das hat sich geändert.
Als der Deponieberg noch wuchs
Aus drei Führerscheinklassen wurden 16, auch die Anzahl der Müllbehälter pro Haushalt hat sich entwickelt. Als der heute 61-Jährige im Beruf startete, gab es eine Mülltonne für den gesamten Abfall. Mit der Mülltrennung kamen die Grüne und die Blaue Tonne dazu, der Gelbe Sack folgte und wurde nun von der Gelben Tonne abgelöst. Auch beim Sperrmüll wird getrennt. „Alles, was einen Stecker hat, ist kein Sperrmüll“, sagt Wunnenberg. Möbel, Holz, Teppiche – alles, was verbrannt werden kann, ist Sperrmüll. Bis 2005 ist der auf dem Deponiegelände gelagert worden. Wunnenberg schaut zu dem Hügel, auf dem lange Reihen von PV-Anlagen stehen. „Den gab es damals noch nicht, der ist gewachsen“, sagt er. Wunnenberg hat erheblich dazu beigetragen. Die schweren Müllwagen steuerte er auf die Halde, die Reifen verdichteten den Müll. „Aber oft ist man da stecken geblieben oder ein Reifen platzte, weil man über was Scharfkantiges gefahren ist“, erinnert er sich. Grampe schaut in dieselbe Richtung. „Auch gesundheitlich ist der Job jetzt ungefährlicher“, sagt er und meint damit die Emissionen, die vom Müll ausgingen. Heute wird der Sperrmüll in einer Anlage bei Hameln verbrannt.
16 Tonnen wiegt der Mercedes-Laster, wenn er voll beladen ist. Darin landen auch mal Möbeln, an denen eigentlich gar nichts dran ist, die noch intakt sind. Früher, sagt Wunnenberg, haben die Leute so etwas nicht so schnell weggeworfen. Wenn er morgens um 6 Uhr seine Tour startet, fährt hinter ihm Norman John mit einem weiteren Fahrzeug. John lädt Waschmaschinen, Kühlschränke und alles, was einen Stecker hat, auf. Oft muss das Duo gar nicht alles schleppen, was auf der Sperrmüllkarte angegeben wurde. Manche Leute haben für die guten Teile noch Verwendung und nehmen sie mit. Häufig aber, liegt vor den Häusern viel mehr, als auf der Karte steht. Drei Kubikmeter Sperrmüll pro Haushalt nehmen die Müllwerker mit. Stellen vor einem Mietshaus andere Bewohner noch ihre ausgedienten Möbel dazu, bleibt auch schon mal etwas stehen, denn die Tour ist exakt geplant.
Manche Autofahrer sind wütend
„Die meisten sind froh, dass wir da sind“, sagt Wunnenberg und viele sagen uns das auch. Manchmal aber treffen die ZAHler auf wütende Menschen, die sauer sind, weil die Müllwagen die Straße blockieren. „Aber wir müssen ja irgendwo stehen und den Schrank oder so zu Wagen schleppen“, sagt er.
Am Ende des Arbeitstages, wenn Wunnenberg den Müll abgeladen und den orangenen Wagen geparkt hat, geht er ins Büro und stellt die Tourenliste für den folgenden Tag zusammen. Um 6 Uhr geht es dann wieder los. Voraussichtlich bis 2028 wird Wunnenberg dabei sein. Dann will der Graster, der sich viele Jahre lang in seinem Heimatort kommunalpolitisch engagiert hat, in den Ruhestand gehen.
Sorgen um den Nachwuchs macht sich Grampe nicht. „Wir stellen über Zeitarbeitsfirmen Mitarbeiter ein. Wenn die Spaß an ihrer Arbeit und die Qualifikation zum Fahren haben, werden sie übernommen“, sagt Grampe. Mehr als 90 Prozent der Einstellungen laufen mittlerweile so.
Eine Fahrt mit Herrn Wunnenberg
Am Tag der offenen Tür, am kommenden Sonnabend, fährt Wunnenberg von morgens um 8 Uhr an Grünschnitt. Ab Mittag wird er dann ausnahmsweise mal Fahrgäste durch die Gegend chauffieren. Denn Kinder haben am Festtag die Gelegenheit, mit den großen orangenen Lastern mitzufahren.
Fest am Wochenende
Das Fest zum 30-jährigen Bestehen des ZAH beginnt am Sonnabend, 12. Oktober, um 10 Uhr auf dem Betriebshof in Groß Düngen. Es gibt ein buntes Familienprogramm. Ab 18 Uhr ist Chillen nach der Arbeit angesagt. Die Regionalbahn RB79 hält direkt vor der Tür. Besucher sollten die Sperrung der B243 zwischen Egenstedt und Groß Düngen und die Umleitungsempfehlungen beachten.

