Kreis Hildesheim/Braunschweig - Sollte es im östlichen Landkreis Hildesheim in den nächsten Jahren zur Gewinnung von Erdwärme aus großer Tiefe mithilfe der sogenannten Tiefengeothermie kommen, soll sie dazu benutzt werden, Häuser, Wohnungen und Betriebsgebäude in Braunschweig zu beheizen. Das hat der Braunschweiger Energieversorger BS Energy jetzt auf Nachfrage der Redaktion erklärt.
Es geht um die Stadt
Wie berichtet, hatte BS Energy vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geowissenschaften (LBEG) eine sogenannte Aufsuchungserlaubnis für Tiefengeothermie für ein Gebiet erhalten. Sie umfasst unter anderem Bereiche der Gemeinden Söhlde, Schellerten und Holle sowie der Samtgemeinde Baddeckenstedt. Tiefengeothermie bedeutet, dass Wärmequellen mehr als 400 Meter tief im Boden gesucht und angezapft werden. Die Technologie gilt als wichtiger Baustein für die Energiewende, da Erdwärme beim Heizen eine von mehreren Alternativen zu Erdöl und Erdgas ist.
Während klassische Erdwärmepumpen, die in deutlich geringerer Tiefe ihre Wärmeenergie gewinnen, in der Regel für Gebäude in direkter Nähe genutzt werden, plant BS Energy nicht, eventuell aus der Tiefe der Hildesheimer Börde gewonnene Wärme auch vor Ort zur Verfügung zu stellen. „Der Fokus bei der Untersuchung von Geothermie-Potenzialen in den Erlaubnisfeldern liegt auf einer grundlastfähigen Wärmeversorgung der Stadt Braunschweig“, erklärte eine Sprecherin des Energieversorgers auf Anfrage.
Entfernung als Problem?
Die Nutzung von Erdwärme stelle für BS Energy „eine wichtige Möglichkeit dar, die Wärmeversorgung in Braunschweig zu dekarbonisieren“, sagte sie weiter. Erdwärme sei „eine konstant verfügbare Energiequelle, die nicht wie Solarenergie und Windkraft vom Wetter und der Jahreszeit abhängig ist“.
Unklar ist allerdings, ob es sich im Fall der Fälle lohnen würde, Erdwärme – etwa in Form heißen Wassers – über viele Kilometer zum Beispiel aus dem Raum Söhlde nach Braunschweig zu transportieren: „Es ist zu beachten, dass Transportleitungen über größere Entfernungen aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nur begrenzt realisierbar sind“, räumt das Unternehmen selbst ein. Die konkreten Möglichkeiten hingen sehr stark vom jeweiligen Standort und den örtlichen Gegebenheiten ab.
BS Energy hat sich das Exklusivrecht an Untersuchungen zu Tiefengeothermie-Potenzialen bis Ende 2028 gesichert. Bohrungen oder andere physische Maßnahmen sind in der Genehmigung aber nicht enthalten.
