Live-Film

Erotik-Thriller kommt auf die Bühne: So eine Oper hat man in Hildesheim noch nie gesehen

Hildesheim - Jack Nicholson und Jessica Lange elektrisierten 1981 das Kino-Publikum mit dem Thriller „Wenn der Postmann zweimal klingelt“. Nun kommt die Story als Oper ins tfn – mit einer Optik, die ihresgleichen sucht.

Frank und Cora (Felix Mischitz und Gastsängerin Jaclyn Bermudez) gehen für ihre Leidenschaft über Leichen – ab 4. Mai im Hildesheimer Theater. Foto: Julia Moras

Hildesheim - „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, ein Kino-Erfolg der frühen 80er, kommt als Oper ins Theater für Niedersachsen. Die Premiere ist erst am 4. Mai, doch eins kann man ohne Übertreibung schon jetzt sagen: So eine Oper hat das Publikum in Hildesheim noch nie gesehen.

Das liegt weniger an der Musik, die Stephen Paulus 1982 geschrieben hat. „Sehr filmisch, sehr atmosphärisch und immer emotional geladen“, so beschreibt sie Sergei Kiselev, der musikalische Leiter. Eher traditionell sei die Komposition und für die Entstehungszeit sehr tonal. „Es erinnert an Strauss, Puccini und Britten“, fügt Oliver Graf hinzu. Der tfn-Intendant ist diesmal direkt involviert und führt selbst Regie.

Das Neue am „Postmann“ sind also nicht die Klänge – sondern die Bilder. Ursprünglich war der Plan, die Oper an einem ungewöhnlichen Ort zu spielen. Einer Autowerkstatt, um genau zu sein, denn die Geschichte spielt in einer Tankstelle, zu der ein kleines Restaurant gehört. Leider fehlten schließlich Personal und Geld, um die Idee umzusetzen. Doch Plan B, der nun im tfn zu sehen sein wird, ist fast ebenso ungewöhnlich.

Nur auf eine ganz andere Weise: Die sieben Darstellerinnen und Darsteller werden nicht vor einer typischen Theaterkulisse agieren, sondern vor einem so genannten Green Screen. Das ist eine grüne Fläche, die sich fast über die gesamte Breite der Bühne zieht. Während das Ensemble davor spielt und singt, wird es von zwei Kameras gefilmt.

Düstere Welt wie im Comic

Was dann mit den Aufnahmen passiert, liegt in den Händen von jemandem, der normalerweise nicht an einer Opernproduktion beteiligt ist. Marc Jungreithmeier ist ein Szenograf: Er fügt die Live-Bilder in eine digitale Szenerie ein, die er am Computer entworfen hat. Über den Köpfen der Darstellenden befindet sich eine Leinwand, die die gesamte obere Hälfte des Bühnenrechtecks ausfüllt. Und dort sieht das Publikum die Sängerinnen und Sänger ein zweites Mal, in einem Film.

Die Szenerie, in die sie Marc Jungreithmeier hinein verpflanzt, ist eine düstere comichafte Welt, in der es permanent regnet. „Die Menschen leben in einer schmutzigen und verbrauchten Zukunft“, so Jungreithmeier. Den Kontrast dazu bilden die farbenfrohen Kostüme, die Patrizia Bitterich entworfen hat. Sie sehen nicht nach Science Fiction und Cyberpunk aus, sondern lehnen sich an die Kleidung der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts an – der Zeit also, in der die Vorlage entstanden ist, eine Novelle von James M. Cain.

Bekannter als Cains Buch wird den meisten wohl der Erotik-Thriller von 1981 sein, in dem Jack Nicholson und Jessica Lange die Hauptrollen spielten. Besonders die berühmte Küchenszene, in der das Knistern zwischen beiden zum lodernden Feuer wird, bewegte damals die Gemüter. In der Opernfassung spielen Felix Mischitz und Gastsängerin Jaclyn Bermudez die Hauptrollen. Es wird durchaus Anspielungen auf den Film geben, sagt Oliver Graf, aber keinesfalls werde man das Kino imitieren.

Die große Herausforderung ist die Genauigkeit in den Aktionen der Darstellenden: Wenn sie nur einen Zentimeter zu weit zur Seite gehen, verschwinden sie oben aus der Computerwelt. Der zweite Knackpunkt ist das Timing: Nur wenn es perfekt ist, werden reales Spiel, Musik und Computer-Animation wirklich eine Einheit. Wenn es gelingt, sieht es aus wie gezeichnet. „Keiner von uns hat das je gemacht“, sagt Oliver Graf. Nach den Proben ist er schon begeistert: „Es verschmilzt grandios.“

Hier gibt es Karten

Die Premiere ist am Samstag, 4. Mai, um 19 Uhr im tfn. Eine weitere Vorstellung gibt es am 9. Mai zur selben Zeit. Für beide Termine bekommt man Karten im Servicecenter an der Gartenstraße, per Telefon unter 1693/1693 und online.

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