Bauplätze und Agri-PV

Ersetzen Wohnhäuser und ein neuartiger Solarpark ein großes Gartenbau-Feld im Kreis Hildesheim?

Ruthe - Die Leibniz-Universität Hannover betreibt ein Versuchsfeld für Pflanzenbau bei Ruthe. Das Areal könnte sich bald massiv verändern – dort könnten Dutzende Wohnhäuser sowie Anlagen zur Photovoltaik-Forschung entstehen.

Blick auf die große Versuchsfläche der Leibniz-Universität bei Ruthe. Dahinter ist das Lehr- und Forschungsgut zu erkennen, noch weiter dahinter das Ruther Unterdorf und am rechten Bildrand die Siedlung Hopfenberg. Foto: Till Röß Drones

Ruthe - In Ruthe könnte es in den nächsten Jahren zu gravierenden Veränderungen im sogenannten Oberdorf westlich der Leine kommen. Auf dem Gelände der Obstbau-Forschungsstation der Leibniz-Universität Hannover entstehen möglicherweise ein Wohngebiet, ein klassischer Solarpark und zudem das erste Feld mit sogenannter Agri-Photovoltaik im Kreis Hildesheim. Darüber wird demnächst erstmals öffentlich im Ortsrat diskutiert.

Wunsch von Ortsrat und Stadtverwaltung

Die Naturwissenschaftliche Fakultät der Hochschule unterhält in Ruthe seit vielen Jahren eine Forschungsstation mit mehreren Abteilungen. Auf dem etwa 40 Hektar großen Areal, das an der Straße zwischen Ruthe und Schliekum gegenüber des Hopfenbergs sowie des Lehr- und Forschungsgutes liegt, forschen und lehren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Bereichen Obstbau, Gemüseanbau sowie Gehölzvermehrung und nehmen genetische Untersuchungen an Rosen vor.

Doch nun will die Universität ihr Gelände offenbar „weiterentwickeln“, wie es offiziell heißt. Doch dahinter verbergen sich Überlegungen für massive Veränderungen. So sind ist in den ersten Plänen ein drei Hektar umfassender Streifen an der Nordseite der Straße zwischen Ruthe und Schliekum für ein neues Wohngebiet vorgesehen. „Das ist der Wunsch von Ortsrat und Verwaltung“, bestätigt Sarstedts Bauamtsleiter Rembert Andermann, schränkt aber zugleich ein: „Bisher ist das ein Gedankenmodell, dass zwar flächenhaft skizziert ist, aber so einige rechtliche Hürden bis zur Verwirklichung zu überwinden hat.“ Die Präsentation im Ortsrat sei nur ein „erster Schritt“. Je nach Grundstücksgröße könnten dort 30 bis 40 Baugrundstücke entstehen – für das kleinere Ruthe eine erhebliche Veränderung.

Agri-PV in verschiedenen Ausführungen möglich

Mehr als die Hälfte der bisherigen Versuchsfläche ist allerdings für einen klassischen Freiflächen-Photovoltaikpark vorgesehen. In langen Reihen sollen die Module dort aufgestellt werden. Insgesamt fünf Hektar sind indes für verschiedene Modelle sogenannter Agri-PV-Anlagen vorgesehen. Dabei handelt es sich um ein Konzept, dass Stromgewinnung durch Photovoltaik-Module und landwirtschaftliche oder gartenbauliche Nutzung von Flächen parallel ermöglicht.

Drei verschiedene Modelle sind in den ersten Plänen der Leibniz Universität angeführt. Eins mit senkrecht aufgestellten Photovoltaik-Modulen, die zwischen Pflanzenreihen aufragen, bewegliche Module zwischen Pflanzenreihen, die automatisch im optimalen Winkel zum jeweiligen Stand der Sonne ausgerichtet werden, und auf einer erhöhten Unterkonstruktion angebrachte geneigte Module, unter denen zum Beispiel Himbeersträucher wachsen könnten.

Am Mittwoch öffentlich

Naheliegend wäre, dass die Hochschule in Ruthe alle drei Modelle nutzen und ihre Auswirkungen auf das Wachstum der jeweils in dem Bereich angebauten Pflanzen testen will. Tatsächlich spricht sie selbst von einem „Forschungsvorhaben“. Agri-PV-Anlagen gibt es in Deutschland zwar schon – aber eben auch noch viel Forschungsbedarf dazu, wie sie sich unter welchen Bedingungen auf welche Pflanzenarten auswirken.

Die Leibniz Universität wollte sich dazu auf HAZ-Anfrage noch nicht detailliert äußern. Es handle sich zwar um eine „sehr attraktive Idee“. Aber: „Die eigentliche Planung steht noch aus und ist von sehr vielen noch nicht geklärten Vorgaben und Rahmenbedingungen abhängig“, sagte eine Sprecherin. Das Projekt stecke noch „in den Kinderschuhen“.

Das Thema steht auf der Tagesordnung der nächsten öffentlichen Sitzung des Ortsrates Ruthe am Mittwoch, 27. November, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus.

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