Hildesheim - Die Stadt plant, nordöstlich des Berliner Kreisels, dort, wo derzeit noch die Kleingärtner der Anlage St. Andreas Kirchenland ihre Flächen bestellen, ein Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) zu bauen. Ein gewaltiges Millionenprojekt – mit direkten Auswirkungen auch für die Anwohner im Ortsteil Stadtfeld. Um mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen, hat nun Stadträtin Andrea Döring zu einer Online-Konferenz eingeladen.
Zeitweilig waren mehr als 130 Teilnehmer zugeschaltet. Und viele von ihnen haben sich auch während der rund zweistündigen Veranstaltung bereits im sogenannten Chat-Modus mit ihren Fragen beteiligt. Schnell wurde klar, dass grundsätzlich von vielen kritisiert wird, dass die Stadt überhaupt diesen Bereich für ihr Vorhaben ausgewählt hat.
Sorge vor der Lärmbelastung
Hauptargument dabei war vor allem die Sorge vor einer zu hohen Lärmbelästigung durch die Einsätze, die tags und nachts von Sirenenlärm begleitet werden. Viele Anlieger fragen sich aber auch angesichts der Verkehrssituation auf der Bundesstraße mit häufigen Staus – vor allem, wenn der Verkehr nach einem Unfall auf der Autobahn umgeleitet wird - ob die Einsätze der Feuerwehr dadurch gefährdet würden.
Und schließlich bewegte viele die Frage, wie die Stadt denn den Verlust an Grünflächen kompensieren wolle. Schließlich falle eine ganze Kleingartenanlage dem Vorhaben zum Opfer.
Verlust an Grünflächen
Fast schon aus dem Blick fiel dabei der Aspekt, dass dem Stadtteil weitere Bauvorhaben bevor stehen: Nördlich des GAZ-Geländes soll noch ein zusätzliches Wohn- und Gewerbegebiet entstehen. Außerdem wird die angrenzende Werner-von-Siemens-Berufsschule weiter ausgebaut. Was insgesamt den kompletten Ortsteil verändern dürfte.
Allerdings zum Positiven, wie Döring gleich zu Beginn ihrer Einleitung sagte. Denn mit dem Gebäudekomplex für die Feuerwehr und Rettungskräfte könne auch das Sozialleben im Stadtfeld neuen Schwung bekommen, da auch die Ausbildung und Jugendarbeit der Feuerwehr ein neues Zentrum bekomme.
Warum keine alternativen Flächen?
Doch verhallte ihr Wunsch schnell angesichts der Grundsatzfrage, warum die Stadt nicht andere Flächen nutzen würde, wie zum Beispiel weiter nördlich entlang der B6. Doch die Entscheidung sei nun gefallen, sagte Döring: „Wir haben alternative Flächen begutachtet.“ Doch keine sei eben besser geeignet, als die nun ausgewählt.
Für die bereits geklärt sei, dass die bestehende Kleingartenanlage noch September geschlossen wird. „Wir sind den Pächtern dort sehr dankbar, dass wir auf deren Verständnis gestoßen sind“, sagte Döring. Welche Gründe am Ende ausschlaggebend waren, konnte sie jedoch nicht zur Zufriedenheit der Fragesteller sagen.
Hausaufgaben für die Stadtverwaltung
So fasste Moderatorin Kirsten Klehn vom Planungsbüro Plan zwei aus Hannover am Ende diesen Punkt als eine der noch fälligen Hausaufgaben für die Stadt zusammen: Im Rahmen einer Folgeveranstaltung solle deutlich gemacht werden, wie die Optionen für andere Flächen bewertet worden sind.
Heiko Pfänder, Bereichsleiter Gefahrenabwehr bei der Berufsfeuerwehr der Stadt, stellte daraufhin die ersten Ideen für das GAZ vor. Danach würde in Richtung Berliner Straße die Ausfahrt für die Einsatzfahrzeuge in beide Richtungen erfolgen – ähnlich wie derzeit mit der Warnampel am Kennedydamm bei der bestehenden Feuerwache. Dort stünden dann auch die Garagen für die betriebsfertigen Wagen.
Wie dort gebaut werden soll
Nach dem Einsatz kehren die Fahrzeuge über die bestehende Einmündung in die Straße Sauteichsfeld ein, fahren dann an einem Gebäuderiegel entlang, in dem die Werkstätten und Rüststationen sind. Gleichzeitig dienten die Baukörper als eine Art Lärmschutzwand, führte Pfänder aus.
„Es handelt sich hierbei um eine Machbarkeitsstudie“, sagte er. Die Anordnung der Gebäude sei aber nur vorläufig und könne wieder geändert werden. Es gebe außerdem neben den Räumen für zusätzliche Aufgaben – wie der Einsatzleitstelle, Platz für die Ortsfeuerwehr Stadtmitte 2 oder Ausbildungsräumen – auf dem Gelände noch Platz für künftige Erweiterungen. Schließlich sei der Standort für die nächsten Jahrzehnte geplant.
Die durchschnittliche Zahl der Einsätze, die am derzeitigen Standort der Berufsfeuerwehr am Kennedydamm wöchentlich auflaufen, liege derzeit bei 35 Einsätzen der Feuerwehr plus 70 Rettungswagenfahrten, teilt die Stadt Hildesheim auf Anfrage der HAZ mit.
460 freiwillige Helfer
Allein rund 460 freiwillige Feuerwehrleute würden an diesem Ort künftig durch Schulungen auf dem neuesten Stand gehalten werden. Und die Gebäude müssten den baulichen Anforderungen der modernen Zeit entsprechen: „Eigentlich müssten wir nach den heute geltenden Standards als Feuerwehr unsere eigene Feuerwache stilllegen.“
Noch in diesem Herbst werden die Unterlagen öffentlich ausgelegt, dann beginnt auch die Frist, in der Bedenken und Anregungen vorgetragen werden. Döring plant, auch dazu noch einmal eine Bürgerversammlung und dazu vorab die entsprechenden Pläne und Zeichnungen öffentlich zu machen. Dabei würden auch die weiteren Hinweise zu den Grünflächen und zur Verkehrsführung im geplanten Wohn- und Gewerbegebiet berücksichtigt.
Startschuss Anfang 2022
Wann am Ende gebaut wird, und was das kosten wird, konnte Döring noch nicht sagen. Sie geht davon aus, dass der Rat Anfang 2022 den Startschuss für das Bauvorhaben geben wird. Bis dahin müsse noch viel geklärt werden.
Auch die Frage, wie viel Lärm voraussichtlich durch das neue GAZ auf die Anlieger zukommen könne und wie man mit möglichen Staurisiken auf der Berliner Straße umgehen wolle. Und zu dem Zeitpunkt könnten auch erste Zahlen genannt werden: Wie teuer das Vorhaben werden soll, und mit wie viel Einnahmen die Stadt für das Gelände mit der alten Feuerwache bei einem etwaigen Verkauf rechnet.


