Musik

Erster Alfelder Plattenabend: Besondere Erinnerungen an Songs, Künstler und Konzerte

Alfeld - Nach den Popup-Stores hat Karsten Klingenberg jetzt den ersten Alfelder Plattenabend initiiert. Mit Erfolg. Etliche Musikfans kamen mit ihren Lieblingsplatten unterm Arm, schwelgten in Erinnerungen an Songs, Künstler und ein ganz besonderes Konzert.

Die Besucher beim ersten Alfelder Plattenabend führen angeregte Gespräche über Rock, Pop, Jazz und Langspielplatten. Foto: Thomas Jahns

Alfeld - Als Karsten Klingenberg (60) vom Verein Kulturvermittlung Weserbergland am Freitagabend die Tür zum Ladenlokal an der Leinstraße 36 öffnet, steht ihm ein breites Lächeln im Gesicht. Innerhalb weniger Minuten ist das eigentlich leerstehende Ladengeschäft bereits gut gefüllt. Mehr als 60 Besucher treffen sich an diesem Abend in den ehemaligen Geschäftsräumen zum „Plattenabend – Vinyl & Stories“, hören Musik, führen beim Bierchen „Vinylgespräche“ und kaufen LPs.

„Ich bin sehr positiv überrascht von der Resonanz“, sagt Klingenberg. Einige Besucher kennt er bereits von Besuchen in seinem Schallplatten-Pop-up-Store in Alfeld. So Werner Steinwand (77), Markus Keck (48) und Ingolf Herrmann (72) aus Föhrste. Sie bilden zusammen mit einem vierten Fan bei Facebook den „Musikschuppen 2.0“. Die Musikfans treffen sich in unregelmäßigen Abständen meistens einmal im Quartal. Dann stellt einer der vier den anderen besondere Platten vor.

Von Blues bis Rock

Musikfans sind alle drei schon seit der Jugend. Ihre Stilrichtung bezeichnen die drei unisono als „quer Beet“. Die Spanne reicht von Pop über Rock bis Jazz. Während Steinwand eher Blues-Rock oder Jazz-Rock (Passport mit Klaus Doldinger) hört, ist es bei Keck Hardrock oder Heavy Metal. Alle drei besitzen größere Musiksammlungen mit mindestens mehreren Hundert Schallplatten oder CDs. „Ich habe schon als Teenager CDs gesammelt“, erzählt Markus Keck. Heute besitze er eine größere Anzahl Medien, Schallplatten sammele er aber erst seit wenigen Jahren.

Rund 1000 Musikmedien hat Ingolf Herrmann im Regal stehen. Neben Langspielplatten und CDs kommen etwa 100 bespielte Tonbandspulen und 500 Audiokassetten dazu. Darauf hat er unter anderem die Rockpalast-Sendungen im Fernsehen aufgenommen. Eine ganz besondere Erinnerung hat der 72-Jährige an den 13. Juli 1985. Damals gab es das Live-Aid-Konzert. „Da haben wir bei uns zu Hause gegrillt. Und ich musste regelmäßig weg, um Tonbänder zu wechseln, weil ich das gesamte Konzert aufgenommen habe“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Musiksendungen wurden damals auch per Mikrofon und Kassettenrekorder aufgenommen. Besonders schön sei es dann immer gewesen, wenn plötzlich Mutter oder Vater mitten in die Aufnahme platzten, um den Sohnemann zum Abendessen zu rufen.

Auch Klassik ist dabei

Ganz andere Langspielplatten hat Günter Brauer aus Freden am Freitag dabei. Zu seinem Repertoire zählen unter anderem Schallplatten seiner Eltern von Künstlern, die heute niemand mehr kennt, wie etwa „Nina & Frederik“. Aber auch klassische Musik „Rubino und sein Orchester“ aus den 1950er-Jahren zählt dazu. Dabei handelt es sich um eine EP-Platte. Das ist eine Schallplatte im EP-Format (Extended Play). Die Plattengröße liegt zwischen Single und Langspielplatte und beträgt zehn Zoll.

Was hat die Musikfans an den LPs begeistert? „Viele Platten haben ganz tolle Cover“, sagt Werner Steinwand. Als Beispiel nennt er das Album „A Thick as a Brick“ von Jethro Tull. „Das war gefaltet wie eine Zeitung“, erinnert er sich.

Dutzende Geschäfte in Alfeld

Gekauft wurden die schwarzen Scheiben einst zumeist in Elektrogeschäften in Alfeld. Davon gab es zu den Glanzzeiten ein knappes halbes Dutzend in der Leinestadt. „Toll war, dass es dort spezielle Plätze gab, die mit Kopfhörern ausgestattet waren. Da konnte man in die Platten reinhören, bevor man sie gekauft hat“, schwelgt er in Nostalgie. Die allermeisten dieser Läden seien aber schon seit Jahrzehnten verschwunden.

Doch nicht nur Musikhören und Vinylgespräche waren am Freitagabend angesagt: Auch mehrere Kästen voller LPs warteten auf neue Besitzer. Der Erlös davon fließt an den Verein.

Klingenberg selbst ist bereits in frühester Jugend mit Musik in Kontakt gekommen. Erst waren es Bands wie Smokie, Sweet und AC/DC, dann Musiker der Neuen Deutschen Welle (NDW), danach Pop- und Rockbands aus England (U2) und schließlich Blues-Rock und American Rock.

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