Nordstemmen/Pattensen - Die Marienburg bleibt Schauplatz turbulenter Auseinandersetzungen: Nachdem Welfenspross Ernst August Erbprinz von Hannover sich gerade ein juristisches Tauziehen mit seinem Vater um das Schloss bei Pattensen geliefert hat, eskaliert nun offenbar ein Streit zwischen dem Land Niedersachsen und dem Pächter der Burg, Nicolaus von Schöning. Es geht um Macht, Museumskonzepte – und um Geld.
Zwischen Landesmuseum und Pächter sei „trotz intensiver Gespräche kein Einvernehmen“ darüber erzielt worden, wie die Einnahmen aus dem Museumsbetrieb auf dem Schloss aufzuteilen seien, heißt es in einem Schreiben der Landesregierung. Auf ein gemeinsames Museumskonzept habe man sich nicht einigen können.
Wie aus dem Schreiben hervorgeht, hat das Landesmuseum jetzt den Leihvertrag mit Nicolaus von Schönings GmbH über rund 140 Gemälde gekündigt. Dabei handelt es sich unter anderem um die historischen Herrscherporträts im Rittersaal. „Eine unmittelbare Auswirkung auf den Museumsbetrieb hat dieser Schritt bisher nicht“, versichert das zuständige Kulturministerium auf Anfrage dieser Zeitung.
Streit um das Konzept für die Burg
Die Kunstwerke, die Eigentum des Landes sind, befinden sich seit Langem auf der Burg. Nach der bisherigen Vereinbarung sollten sie dort auch dauerhaft ihren Platz haben.
Hintergrund: Der langjährige Schloss-Eigentümer Ernst August von Hannover junior hat die im Unterhalt kostspielige Marienburg in eine Stiftung überführt und selbst den Vorsitz im fünfköpfigen Stiftungsrat übernommen. Die anderen Posten fielen faktisch an die Familie des Pächters Nicolaus von Schöning und an die Region Hannover. Das Land ist mit zwei Sitzen vertreten, die öffentliche Hand hat also die Mehrheit.
Im Stiftungsrat gibt es indes grundverschiedene Vorstellungen darüber, wie man mit Schloss und Inventar umgehen soll. Während das zuständige niedersächsische Kulturministerium vor allem museale und konservatorische Interessen im Blick hat, setzt Pächter von Schöning auf populäre Veranstaltungen, um Geld in die Kassen zu bringen. Ein Spagat zwischen seriöser Langeweile und Disneyland-Kommerz. Die Verträge sind hinsichtlich der Zuständigkeiten für den Museumsbetrieb offenbar eher schwammig formuliert.
Land fürchtet Kosten
Der Landesrechnungshof hat unterdessen moniert, dass die geplante Großsanierung des Schlosses für insgesamt 27 Millionen Euro das Land teuer zu stehen komme. Die Welfen als frühere Eigentümer mehr hätten beisteuern müssen. Das Land fürchtet nun, dass die Burg auch dauerhaft zum Zuschussbetrieb werden könnte – und pocht auf eine Beteiligung aus den Einnahmen.
Der Stiftungsrat, heißt es jetzt im Schreiben der Landesregierung, habe im Februar einen Beschluss gefasst: Demnach liege „die Zuständigkeit für den museumsfachlichen Betrieb des Schlosses sowie dessen Weiterentwicklung beim Landesmuseum“.
Im Gespräch mit dem Pächter solle nun geklärt werden, wie Einnahmen aus dem Eintritt künftig ans Landesmuseum fließen sollen: „Bevorzugt wird nach wie vor eine einvernehmliche Lösung“, beteuert das Kulturministerium. Dabei müsse dem Museum „ein angemessener Anteil aus den Einnahmen des Museumsbetriebs zukommen“.
Was bedeutet das für die Besucher?
Was das für Besucher bedeutet, steht vorläufig in den Sternen: Wer kassiert künftig am Schlosstor den Eintritt? Werden die landeseigenen Kunstwerke auch nach Kündigung des Leihvertrages dauerhaft dort bleiben? Wenn das Land fürchtet, dass die Burg zur Kostenfalle wird – warum will es dann überhaupt selbst in den Museumsbetrieb einsteigen? Und: Bleibt Nicolaus von Schöning angesichts der angespannten Atmosphäre weiterhin Pächter?
„Wir haben viel Geld investiert und bewiesen, dass wir die Marienburg erfolgreich betreiben können“, sagt von Schöning. Trotz der Corona-Krise habe das Land in den vergangenen Jahren nicht einen Cent in den Betrieb des Schlosses investieren müssen, die Arbeitsplätze dort seien erhalten geblieben. Im Ringen um den künftigen Kurs auf der Marienburg ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Von Simon Benne


