Hildesheim - Die Pegel der Innerste sinken in Hildesheim, alle Prognosen deuten derzeit darauf hin, dass das auch so weitergeht. Allerdings kommt diese Entwicklung für einige besonders überschwemmungsgefährdete Areale zu spät, hier hat die Flut bereits Keller und Gebäudeteile unter Wasser gesetzt.
Wie schon 2017 ist ein Wohnkomplex an der Dammstraße betroffen. Die mehrstöckigen Bauten zwischen Schützenwiese und Bischofsmühle grenzen unmittelbar an den Eselsgraben, der hier mit der Innerste zusammenfließt. Und in den letzten Tagen zu einem ernstzunehmenden Strom geworden ist. „Wir haben die Tiefgaragen noch rechtzeitig gesperrt“, sagt der zuständige Hausmeister, „da steht jetzt das Wasser drin.“
Die Trockenlegung wird noch Monate dauern
Und tatsächlich: Im Innern steigt der Pegel auch am Mittwoch noch weiter, ein Rauschen ist in dem riesigen Raum zu hören, in dem es kein Licht mehr gibt. Und nicht nur das erschwere die Arbeiten hier, so der Hausmeister, auch die von angespültem Schlamm und Pflanzen verstopften Filteranlagen funktionierten nicht. Die Arbeiten bis zur Trockenlegung, fürchtet er, könnten nun noch Tage dauern.
Heikel: Erst Mitte Dezember war bekannt geworden, dass die Böschung am Eselsgraben in ihrer Standfestigkeit laut Gutachten eines Wasserwirtschaftsingenieurs stark hochwassergefährdet ist. Der Experte war vom Eigentümer der benachbarten Gärtnerei-Immobilie herangezogen worden, weil die Böschung nach dem Hochwasser 2017 an mehreren Stellen Risse aufwies und teils abgesackt war. Das Ufer gehört der Stadt, doch auch die Stadtentwässerung (SEHi) sitzt mit im Boot. Denn in der Böschung liegt ein ehemaliger Kanal des Unternehmens. Er war ebenfalls beim Hochwasser 2017 gebrochen, der Schaden führte zum Bau des neuen Kanals in der Dammstraße und zur Entdeckung der historischen Brücke dort. SEHi und Stadt wollten sich des Problems annehmen, voraussichtlich in sechs Monaten sollten Pläne vorliegen.
Geplante Sicherung hätte Überlauf nicht verhindert
Nun aber war das nächste Hochwasser schneller. Hätten die derzeitigen Gebäudeschäden in der Dammstraße durch früheres Eingreifen also verhindert werden können? Nein, teilt SEHi-Chef Erwin Voß aktuell auf HAZ-Anfrage mit: Das Haus sei „von der benannten Thematik nicht betroffen“. Ein mögliches Eindringen von Wasser wäre auch durch Maßnahmen zur Sicherung der Böschung nicht verhindert worden und werde „auch zukünftig dadurch nicht verhindert“.
In der nahe gelegenen Bleicherstraße hingegen atmen die Anwohner auf. Sie hatten bereits erneute Überschwemmungen in ihren Häusern befürchtet, erzählt eine Frau auf der Straße, so wie 2017, als ufernahe Häuser geflutet wurden. „Aber diesmal ist alles trocken geblieben, die Dämme und Schotten haben gehalten“, sagt die Frau. Am Böschungsfuß am Innerste-Radweg wurde eine Stützwand aus Spundbohlen errichtet, die etwa einen Meter in die Höhe ragen, sowie eine dahinter liegende Hochwasserschutzwand. Eine Konstruktion, die sich nun offenbar bewährt hat.
Die Musiker behalten trockene Füße
Bewährt haben sich ebenso die Hochwasser-Schutzmaßnahmen an der Bischofsmühle, dem Jazzkeller, der nach seiner Überflutung 2017 kernsaniert werden musste. In der Folge wurden die Fenster zur Innerste hin komplett zugemauert, das Eindringen von Wasser kann am zum Fluss liegenden Eingang zudem durch Schotten verhindert werden. Und genau die hat man nun dort auch eingesetzt. Ergebnis: Konzertveranstalter und Musiker behalten dort trockene Füße.

