Hildesheim - Die Gastronomen sind im Lockdown auf den Außer-Haus-Verkauf ihrer Speisen angewiesen. Und viele Gäste unterstützen sie, indem sie dort Essen bestellen – vielleicht sogar öfter, als sie in Vor-Corona-Zeiten zu Gast im Restaurant gewesen sind.
Doch mit dem Essen kommt der Müll. Der Salat in einer runden Plastikschale, das asiatische Gemüse in Styropor, die Pizza in einem großen Karton und Sushi in der Kunststoff-Box. Was drin ist, ist lecker, das Drumherum für die Umwelt gefährlich. „Das eigentliche Problem ist, dass viele dieser Einweg-Verpackungen gar nicht recycelbar sind“, sagt Matthias Köhler, Vorsitzender der Hildesheimer Kreisgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND).
Nur ein Viertel des Plastikmülls wird recycelt
Die Lieferboxen abspülen und im gelben Sack wieder abgeben, damit sie wiederverwertet werden können, wäre ein Kompromiss – aber so einfach sei das nicht, meint Köhler. „Es wird nur etwa ein Viertel dessen, was an Kunststoffen in gelben Säcken gesammelt wird, recycelt. Drei Viertel werden verbrannt, weil sie aus Verbundstoffen bestehen, die man nicht in ihre verwertbaren Bestandteile trennen kann.“
Schon vor der Corona-Pandemie fielen in Deutschland laut Angaben der Deutschen Umwelthilfe jährlich 155 000 Tonnen Abfall durch Essensverpackungen to go an – stündlich 400 000 Menü-Schalen. Nicht ganz so viele, aber 120 bis 150 pro Woche, gibt Georgios Papakonstantinoy an die Gäste seines griechischen Restaurants Dionysos heraus. Schalen aus Styropor, wie er zugibt. „Die sind praktisch“, sagt er, „halten das Essen warm und sind günstig.“
Eigene Behälter mitbringen –und 50 Cent sparen
In kompostierbarer Verpackung bekommt man in Hildesheim das Essen etwa bei Pan`s Kitchen in der Fußgängerzone. Und viele Restaurants sind auch bereit, ihr Essen in Mehrwegbehälter zu füllen, die der Kunde mitbringt – die meisten allerdings erst auf Nachfrage. Auch im Dionysos ist das möglich. Bestellt eine ganze Familie das gleiche Essen, gibt ihnen Papakonstantinoy sogar vertrauensvoll seine Gastro-Wärmebehälter mit nach Hause.
Hotelleiterin Claudia Ernst bietet in Giesen traditionelles Essen wie Schnitzel und Grünkohl aus der Küche des Hotels Ernst zum Mitnehmen an. Sie informiert ihre Gäste darüber, dass sie schon bei der Bestellung am Telefon angeben können, das Essen in eigenen Behältnissen mitnehmen zu wollen. Die zahlen pro Gericht 50 Cent weniger - ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.
Mehrwegverpackungen zur Pflicht machen
Um den Außer-Haus-Müll zu reduzieren, hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze nun den Vorschlag unterbreitet, für die Gastronomen das Anbieten von Mehrwegverpackungen zur Pflicht zu machen. Die soll ab 2023 gelten und würde also aller Voraussicht nach nur die Restaurantbetriebe treffen, die ständig und unabhängig vom Lockdown Essen to go anbieten.
Für Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA, kommt die Idee zur falschen Zeit. Das „verpflichtende Vorhalten von Mehrwegbehältnissen inklusive Rücknahme, Logistik, Pfand und Reinigung“ sei für viele Unternehmen nicht umsetzbar, sagte Hartges der Deutschen Presseagentur. „Einer Branche, die mit dem Rücken zur Wand steht, mit so einem Vorstoß zu begegnen, ist eine Zumutung.“
Köhler sieht eher eine Zumutung in dem, was durch den Außer-Haus-Verkauf an zusätzlichem Müll produziert wird. „Der entsteht ja paradoxerweise gerade dadurch, dass die Leute die Wirte und Gastronomen unterstützen wollen.“
