Bei Hempens unterm Sofa

Etwas frische Farbe für den Keller, der Unterschied ist enorm – oder doch nicht?

Hildesheim - Der Lackrest von der Kellertreppe landet auf den unglaublich hässlichen Fliesen im Waschkeller. Die Frau des Hauses ist deswegen ganz aus selbigem. Und der Mann?

Andrea Hempen hat die hässlichen Fliesen in ihrem Waschkeller angestrichen. Sie glaubte, der Unterschied sei enorm. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Ich war im Flow. Ich hatte die Kellertreppe mit einem Speziallack hellgrau gestrichen. Sah und sieht super aus. Und da war noch Lack in der Dose, der bestimmt eintrocknen würde, wenn ich ihn nicht gleich noch verarbeiten würde. Was nun?

Popelgrün und Kackbraun

Als wir 2009 unser altes Haus kauften, haben wir es von Grund auf saniert. Also nicht ganz vom Grund, eher so vom Erdgeschoss aus. Im Keller haben wir auch was gemacht, alte Verkleidungen abgerissen und einen seltsamen Schacht, wir nannten ihn den Blaumilchkanal, zugeschüttet. Seitdem ist der Keller eben Keller. Wird ab und zu sauber gemacht, ist aber kein Schätzchen. Obwohl in einem Raum unsere schicke Waschmaschine steht und ich ihn deswegen sehr oft betrete. Die Vorbewohner hatten sich an der Stelle ein Bad eingerichtet. Popelgrüne Objekte, also Klo, Waschbecken, Dusche, die wir ebenfalls entfernt haben. Was blieb, waren die Fliesen am Boden und an den Wänden. Für die Wände hatten sich die Vorbesitzer einen Traum aus Beige mit einem Hauch Kackbraun und floralem Muster entschieden. So hässlich, dass es kaum in Worte zu fassen ist.

Was könnte noch lackiert werden?

Nun stehe ich da also mit der Lackdose in der Hand im Keller und schaue mich um, was ich anmalen könnte. „Ha!“, die Fliesen in der – ich nenne den Raum meine Waschküche. Hinter der Tür wische ich ein paar Fliesen ab und rolle eine Schicht fröhliches Steingrau darauf. „Wahnsinn!“, denke ich, und der erste Anstrich deckt sogar! Ich bin aus dem Häuschen und streiche die Wandfliesen komplett. Es sieht wunderbar aus.

Mein Mann kommt des Weges, weil ich eine Frage bezüglich eines alten Lüftungsschachts habe. Er schaut sich den Schacht in der Waschküche an und sagt: „Den lass mal so.“ Ich erwidere: „Na, was sagste?!“ Er schaut mich an und wiederholt: „Den lass mal so.“ Ich weiß Bescheid, der macht Spaß, will mich ärgern. Ich lache und sage mit ausladender Handbewegung: „Sieht das nicht mega aus?“ Da merke ich: Hier ist gar keine Frotzelei im Gange. Ihm ist meine famose Malerei gar nicht aufgefallen. Sagen Sie es ihm bitte nicht weiter, am Wochenende lackiere ich mal sein Auto um …

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