Hildesheim - Ich kann ja nicht umhin. Dafür bin ich einfach zu neugierig, und so ganz kalt lässt mich das Ganze ja denn doch nicht. Also werde ich morgen früh schauen, wer den europäischen Songcontest gewonnen hat. Dann werde ich mir wahrscheinlich das Lied aufrufen, es halb hören und wieder einmal denken: Ich bin zu alt für diesen Scheiß.
Kein Auftritt ohne Windmaschine
Als ich noch nicht zu alt dafür war, habe ich den Sängerwettstreit gerne gesehen. Hach, herrlich konnte man über die Windmaschinen lächeln, die bei jedem Song mit weiblicher Beteilung eingesetzt wurden. Die Kostüme bewundern oder voraussagen, wann ein langer Rock abgerissen und ein Minikleid zum Vorschein kommen würde. Es gab ausgefallene Kostüme, ausgefallene Bands. Erinnern Sie sich noch an Knorkator? Die schafften es nur in die Deutsche Vorrunde mit dem Stück „Ick wer zun Schwein“ (übersetzt: Ich verwandele mich in ein Schwein). Die Heavy-Metall-Band brachte das öffentlich rechtliche Fernsehpublikum und die Presse zum Staunen: So etwas gibt es? Die kommen aus Berlin? Und die Bildzeitung titelte am nächsten Werktag: „Wer ließ diese Irren ins Fernsehen?“
Ach, das ist schön!
Diese Frage stellt heute niemand mehr. Denn der ESC ist vielmehr zur Bühne für besonders schräge Vögel geworden. Wirklich schade ist nur, dass kaum ein Lied dabei ist, bei dem man sagen möchte: Ach, das ist schön, das würde ich gerne noch mal hören. Meist bin ich jedenfalls froh, wenn ich einmal hören hinter mir habe.
Wer kann „The Code“ summen?
Ich finde das schade, auch für die Bands, die da bei ESC antreten, denn die will doch außer deren Freunden und einigermaßen rüstigen Familienmitgliedern keiner noch mal hören. Oder kennen Sie jemanden, der „The Code“ vom letztjährigen Gewinner Nemo als Handyklingelton heruntergeladen hat? Ich nicht. Auch das Werk „Tattoo“ der Vorjahressiegerin Loreen könnte doch heute keiner mehr vorsummen. Vielleicht sollte es Knorkator noch mal versuchen. Mal mit einem serösen Titel. Ähm, so etwas wie: Ick werd zun Siega.
