Schneller Zugang zu Toiletten

Besonderer Schlüssel hilft Menschen mit Handicap bei der Suche nach einem öffentlichen WC - in Hildesheim und ganz Europa

Hildesheim - Manchmal muss die Suche nach einem öffentlichen WC schnell gehen – ohne Kosten, um die Tür zu öffnen. Gerade für Schwerbehinderte ist das wichtig. Der sogenannte Euroschlüssel hilft.

Auf den Schildern von öffentlichen Toiletten wie hier am Platz der Lilie steht der Hinweis auf den sogenannten Euroschlüssel (hier cbf-Schlüssel). Besitzer und Besitzerinnen des Euro-Schlüssels können hier schnell und kostenlos zur Toilette gehen. Das ist wichtig, wie die CED-Vereinsvorsitzenden erklärt. Foto: Sabrina Kleinertz

Hildesheim - Die Suche nach einer schnell zugänglichen und öffentlichen Toilette in einer fremden Stadt sorgt bei vielen Menschen für Stress und Unmut. Für Menschen, die ein Handicap – etwa einen Rollstuhl, eine chronische Magen-Darm-Erkrankung oder ein Stoma als künstlichen Ausgang – haben, ist das nicht anders. Doch auch in vertrauter Umgebung ist es für Betroffene von großem Wert, eine nahe gelegene Toilette zu erreichen. Dabei helfen eine App und ein besonderer Schlüssel.

Schlüssel funktioniert auch im Ausland

Der sogenannte Euroschlüssel ist Teil eines europaweit einheitlichen Schließsystems. Mit ihm können sich Berechtigte Zugang zu öffentlichen WCs verschaffen. „Das ist ganz wichtig. Denn wenn das Bedürfnis da ist, dann können Betroffenen nicht noch eine halbe Stunde nach einer Toilette suchen“, erklärt Bettina Brennecke. Sie ist Vorsitzende des CED-Hildesheim, der auch eine Selbsthilfegruppe für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa anbietet. CED ist die Abkürzung für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Der Euroschlüssel, der seit 1986 schnellen und kostenfreien Zugang zu behindertengerechten Einrichtungen ermöglicht, funktioniert im In- und Ausland. „Auch bei vielen Sehenswürdigkeiten hat das gut geklappt“, berichtet Brennecke von Reisen.

Sauberkeit sei ein großes Problem

Der Club Behinderter und ihrer Freunde aus Darmstadt (CBF) gibt zum Schlüssel auf Wunsch auch ein Toiletten-Verzeichnis aus. Laut Vereins-Homepage sind mehr als 17.000 Anlaufpunkte deutschlandweit darin verzeichnet. „Ich kenne viele, die Ausflüge nach den Toiletten planen“, berichtet Brennecke.

Einen Schlüssel bekommt man aber nicht einfach gegen Gebühr. Berechtigt sind nur Menschen mit einem Schwerbehinderten-Ausweis oder einem ärztlichen Nachweis. Brennecke zufolge ist aber nicht die Verfügbarkeit an behindertengerechten Toiletten das Problem. „Sauberkeit ist ein großes Thema“, sagt sie. Es gäbe immer wieder Nutzer und Nutzerinnen, die die Räume und Anlagen „nicht so pfleglich behandeln“.

Missverständnisse erschweren den Alltag

Darüber hinaus wünscht sich die Vereinsvorsitzende mehr gesellschaftliches Verständnis für Menschen mit Darm-Erkrankungen. „Viele denken, dass man die WCs nur nutzen darf, wenn man mit Krücken oder eine Rollstuhl unterwegs ist.“ Laut Brennecke könnte das Rollstuhl-Piktogramm an entsprechenden Räumlichkeiten ein Grund dafür sein. „Es kommt vor, dass Erkrankte sich erklären müssen“, so Brennecke. Die Aufklärung fehle.

Zufrieden ist die Vereinsvorsitzenden hingegen mit den verfügbaren Apps, die auf entsprechende Toiletten hinweisen. Auch Ulrike Dammann bewertet die Situation an verfügbaren Toiletten als gut. Die Inklusionsbeauftragte meint: „Wir haben schon einige.“ Natürlich gäbe es aber auch immer wieder Leute, die sich noch mehr öffentlich zugängliche WCs für Menschen mit Handicap wünschen.

Kommunen dürfen Schlüssel nicht mehr ausgeben

Der Versuch, den Euro-Schlüssel auch als Kommune ausgeben zu dürfen, scheiterte nach langen Bemühungen. Einzig das stimmt Dammann etwas traurig. „Wir haben versucht, alles anzuleiern, und dann hat die Ausgabe-Zentrale in Darmstadt leider alles komplett eingestellt.“ Seitdem kann man den Schlüssel nur noch ausschließlich über den Verein in Darmstadt bekommen.

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