Verkehr

Fahrradstraßen für Delligsen? Vorschlag wird jetzt an die Politik herangetragen

Delligsen - Ein von einem externen Büro erstelltes Konzept zum Nahverkehr wird jetzt im Gemeinderat vorgestellt. Und aus diesem Gremium gibt es bereits Kritik an dem Papier.

Ein Vorschlag ist es, entlang der Maschstraße in Delligsen eine Fahrradstraße einzurichten. Foto: Ulrich Meinhard

Delligsen - Der Flecken Delligsen verfügt jetzt über ein Konzept mehr. Neben dem im vergangenen Jahr erstellten Straßenkataster liegt nun ein ausgearbeitetes Papier zur Nahmobilität vor, erstellt von einem externen Büro aus Kassel. Das 130-seitige Konzept zielt im Wesentlichen auf den Ist-Stand beim Fußgänger- und Radverkehr ab und macht Vorschläge zur verbesserten Sicherheit. Angeregt wird zum Beispiel das Anlegen von Fahrradstraßen. Das Konzept ist bislang im Bau- und Planungsausschuss vorgestellt worden. Es gab einige Nachfragen und auch kritische Töne.

Eine Fahrradstraße könnte etwa auf der Masch- und Rosmarienstraße (zwischen Carlstraße und Dr.-Jasper-Straße) in Delligsen eingerichtet werden sowie in der Schulstraße zwischen Neue Straße und Kaierder Straße und zwischen Kaierder Straße und Rhönbergstraße.

Fahrradstraßen in Alfeld sorgten anfangs für großen Unmut

Die Stadt Alfeld hatte vor zweieinhalb Jahren mit dem Anlegen von Fahrradstraßen begonnen. Anfangs gab es viel Kritik. Was auch daran lag, dass eine solche Verkehrsregelung unbekannt war. Sogar die Polizei musste sich erst einmal kundig machen, welche Regeln überhaupt gelten auf Fahrradstraßen.

Der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) für den Bereich Alfeld, Klaus Regenhardt, begrüßt prinzipiell das Anlegen von Fahrradstraßen. Im Falle Alfeld sei es aber nicht optimal gelaufen. Dort seien sie „hingezimmert“ worden, frei nach dem Motto „wird schon irgendwie funktionieren“. Wichtig ist seiner Anischt nach, dass die Bevölkerung bei solch einer Verkehrsänderung frühzeitig informiert und „mitgenommen wird“. Von der Redaktion um eine Einschätzung für Delligsen gebeten, sagte Regenhardt zu, sich die Gegebenheiten vor Ort ansehen zu wollen.

Mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder schaffen

In dem Delligser Konzept wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Fahrradstraßen die „Sichtbarkeit und Sicherheit“ des Radverkehrs und das Sicherheitsgefühl von Radfahrern erhöhen. Weitere Maßnahmen, um das Radfahren sicherer zu machen, seien die Markierung mit Piktogrammen auf Straßen sowie das Anlegen von Verkehrsinseln an Stellen, wo Radfahrer und Fußgänger eine viel befahrene Straße überqueren. Vorgeschlagen werden zudem Abstellmöglichkeiten für Räder vor Supermärkten, dem Festsaal in Delligsen, vor den beiden Freibädern und vor den Schulen. Das Aufstellen von Lademöglichkeiten für E-Bikes sollte geprüft werden.

Es finden sich auch einige Vorschläge für bauliche Maßnahmen in dem Papier, um den Schulweg für Kinder sicherer zu machen. Als zu schmal werden etwa die Gehwege in der Rotestraße/Im Krümpel und der Hofestiege beschrieben.

Wegweiser im Flecken Delligsen sind uneinheitlich

Bemängelt wird, dass es im Flecken keine „einheitliche Wegweisung“ für den Radverkehr gibt. Einige vorhandene Schilder würden nicht den üblichen Vorgaben entsprechen. An einigen Stellen fehle eine Wegweisung gänzlich. Zwischen Hohenbüchen und Delligsen, heißt es, besteht eine Lücke im Radverkehrsnetz. Radfahrer müssten folglich auf der Landstraße fahren oder auf einem unzureichend ausgebauten Wirtschaftsweg durch den Wald.

Vorgeschlagen wird ein straßenbegleitender Geh- und Radweg; ab dem Kreisel L 462/L 484 könne die Route auf einem Waldweg verlaufen (ehemalige Bahntrasse), was mit den Besitzern der Flächen abzuklären wäre. Eine ähnliche Lücke gibt es beim Radverkehr zwischen Hohenbüchen und Hohe Warte. Dabei sei, das wird herausgestellt, die gesamte Route von Delligsen bis Hohe Warte im Radverkehrskonzept des Landkreises Holzminden als Hauptroute eingetragen.

Kritik kommt vom Ortsvorsteher von Hohenbüchen

„Dann wissen wir das jetzt auch ganz offiziell, dass zwischen Hohenbüchen und Delligsen ein Fahrradweg fehlt“, sagt der Hohenbüchener Ortsvorsteher Tim Gerber im Gespräch mit der Redaktion. Er fügt seiner Skepsis über die Notwendigkeit des Konzeptes hinzu: „Der Wegweiser, den wir viele Jahre angemahnt haben, damit Radfahrer aus Richtung Hohe Warte den Radweg zum Hilsbad finden, und den letztlich jemand privat angebracht hat, entspricht nicht der Norm. Das haben wir jetzt in einem teuren Gutachten amtlich bestätigt. Wie viele sinnvolle Radwegebeschilderungen hätte man dafür anbringen können?“

Der Verwaltungsausschuss hatte, auf Vorschlag der Verwaltung, beschlossen, das Konzept für den Flecken erstellen zu lassen. Der Auftrag für die Erstellung ging an das Büro LK Argus Kassel GmbH als wirtschaftlichsten Bieter, wie es in einer Vorlage der Verwaltung an die Politik im Flecken heißt. Im Vorfeld waren Bürgerinnen und Bürger zu einem Workshop eingeladen worden. Das Konzept soll die Grundlagen schaffen, um die lokale Entwicklung der Mobilität zukunftsgerecht zu gestalten, heißt es aus dem Rathaus.

Konzept wird bei Ratssitzung vorgestellt

Während der Ratssitzung am 19. März soll das durch EU-Geld geförderte Papier (nach einer allgemeinen Information im Bauausschuss) noch einmal allen Ratsleuten vorgestellt werden. Die öffentliche Sitzung im Delligser Festsaal beginnt 19 Uhr.

  • LeineBL
  • Delligsen
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.