Erfindungen

Fahrschüler in ganz Deutschland lernen das Einparken mit einem Produkt aus Alfeld

Alfeld - Eine Erfindung aus Alfeld hilft Fahrschülerinnen und -schülern, das Einparken zu üben. Und Tüftler und Ex-Fahrlehrer Peter Dittrich hat noch mehr Produkte im Angebot.

Auf einem Übungsblatt kann mit dem Lenkauto eingeparkt werden. Wenn es nicht klappt, liefert Peter Dittrich gleich ein paar Tipps mit. Foto: Michael Vollmer

Alfeld - Wie war das doch gleich mit dem Rangieren beim Einparken? Das Lenkrad einschlagen und dann nichts wie hinein in die Lücke. So einfach funktioniert es nicht. Jeder sollte vorher wissen, in welche Richtung das Lenkrad gedreht werden muss. Fahranfänger haben damit oftmals so ihre Probleme, weiß Peter Dittrich. Der Alfelder hat bis 1998 in seiner Fahrschule vielen Männern und Frauen zum Führerschein verholfen. Und dabei erlebte er immer wieder die Unsicherheit der Fahrschülerinnen und Fahrschüler, wie denn wohl das Auto bei einer Lenkbewegung reagiert. Eines Tages kam ihm eine glänzende Idee: Peter Dittrich konstruierte ein Modellfahrzeug. Mit der realistischen Lenkung können alle Grundfahrübungen trainiert werden können.

„Die Räder sind bei der Lenkbewegung frei zu sehen. Übungen, die bei der Prüfung verlangt werden, kann jeder damit gut nachvollziehen“, erläutert der frühere Fahrschulinhaber. Bis das PeDi-Lenkauto 1996 auf den Markt kam, war allerhand Vorplanung notwendig. Zunächst musste Dittrich jemanden finden, der eine Spritzform für den Guss der Plastikteile herstellt. „Das war gar nicht so einfach. Am Ende hatte ich bei der damaligen Firma Rhema Kunststofftechnik in Freden Erfolg. Der Meister hat mir sehr geholfen. Bis zum ersten Spritzvorgang dauerte es aber dann noch mehrere Monate“, blickt der Alfelder zurück.

Werkstatt im Alfelder Wohnhaus von Peter Dittrich

Nachdem das Werkzeug perfektioniert wurde, war die Zeit für den ersten Produktionstag gekommen. Die Rohteile mussten dann noch zum großen Teil nachgearbeitet werden. Die Montage der Teile erfolgte dann in Dittrichs Werkstatt, die er in seinem Wohnhaus in Alfeld eingerichtet hatte. Während sich Peter Dittrich um die Technik kümmerte, übernahm seine Frau die verschiedenen Tätigkeiten im Büro.

Die Nachfrage nach dem Lenkauto ist bis heute sehr groß. Nicht nur Fachverlage, die dann gleich größere Mengen ordern, Verkehrs- oder Polizeiausbildungsstätten, Berufsgenossenschaften und Berufsschulen stehen auf der Kundenliste, sondern auch die Fahrschüler selbst. „Mich erreichen immer wieder positive Reaktionen, dass das Modell gute Dienste beim Lernen geleistet hat“, berichtet der 81-Jährige. In Fachkreisen würde das PeDi-Lenkauto beinahe jeder kennen. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Als die Anhängerausbildung Fahrt aufnahm, entwickelte Peter Dittrich ein Muster, das ein Rangiertraining als Ein-, Zweiachser sowie Auflieger möglich macht. „Es war gar nicht so einfach, alle drei Anhängertypen in einem Modell zu vereinen. Durch umstellen, verschieben und drehen ist das möglich“, erläutert der Tüftler.

Unterstützung bei Sicherheitstrainings

Im Jahr 2000 folgte dann sein drittes Produkt. „Da wuchs gerade das Interesse am Thema Sicherheitstraining“, blickt der frühere Fahrlehrer zurück. Dazu hat er sich dann Gedanken gemacht. Was passiert, wenn ein Reifen platzt? Ist es gefährlicher, wenn es vorne oder hinten passiert? „Dieses Lenkauto habe ich so verändert, dass die Räder einzeln, paarig oder komplett blockiert werden können. Diese Funktion ist wichtig, um das Verhalten des Fahrzeuges bei unterschiedlichen Blockierungsvorgängen dem Fahrschüler oder Sicherheitstrainingsteilnehmer zu veranschaulichen“, erläutert der Alfelder.

Seine drei Lehrmittel sind bis heute auf dem Markt konkurrenzlos geblieben. „Darauf bin ich schon ein wenig stolz. Solange es geht, möchte ich weiter auf dem Gebiet tätig sein. Aber altersbedingt ist natürlich irgendwann Schluss. Dann wäre es schön, jemanden zu finden, der Interesse an einer Übernahme hat. Ein Fahrlehrer könnte das sicherlich ganz gut nebenbei machen“, erklärt der Unternehmer.

Drei Minuten Produktionszeit

Die Produktion geriet allerdings in Gefahr, als die Firma Rhema ihre Tore schloss. „In Eldagsen fand ich schließlich eine Firma, die bis heute die Plastikteile produziert“, erzählt Dittrich, der ursprünglich Autoschlosser gelernt hat. Früher nahm er als Aussteller auch an Messen teil. „Da waren natürlich die Fachbesucher aus den Fahrschulen. Denen konnte ich dann das Lenkauto gleich in großer Runde vor Ort präsentieren“, erklärt Dittrich, der gut drei Minuten benötigt, um das Lenkauto aus zwölf Einzelteilen zusammenzusetzen.

Passend zum Modell fand er in der Region auch einen Hersteller für den Karton, in dem er die Lieferung mit dem pädagogisch wertvollen Inhalt auf die Reise in das In- und Ausland schickt. Damit das Training gleich beginnen kann, liegt dem Päckchen eine Übungsunterlage mit einigen Tipps vom Profi bei. Dann klappt es garantiert beim nächsten Mal auch mit dem Einparken.

Von Michael Vollmer

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