Weitere Prüfungen trotz Bachelor

Fehlende Fachkräfte in der Pflege: Helios Klinikum Hildesheim setzt auf Personal aus Mexiko

Hildesheim - Das Helios Klinikum bildet Pflegepersonal aus, doch der Bedarf sei so nicht zu decken, heißt es. Nun kommen elf neue Beschäftigte, die gezielt in Südamerika angeworben wurden.

Claudia Rodriguez, Jaqueline Flores und Javier Diaz sind drei der elf neuen Helios-Beschäftigten aus Mexiko. Mechthild Homeister (rechts) hilft ihnen als Integrationsmanagerin beim Einstieg, die stellvertretende Pflegedirektorin Annerose Allner-Nebe ist überzeugt, dass die Neuen sich gut einleben und eine echte Verstärkung des Teams werden. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Beim Bemühen, die eigene Pflege-Belegschaft mit ausreichend Fachkräften zu besetzen, geht das Helios-Klinikum Hildesheim neue Wege und hat nun zehn neue Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter eingestellt, für die dieser Job nicht nur beruflich einen Neustart bedeutet. Für sie beginnt ein komplett neues Leben, teilweise haben sie ihre Familien zurückgelassen, die sie aber bald nachholen wollen – denn sie stammen aus Mexiko.

Ausbildung läuft auch – aber das reicht nicht aus

Das Hildesheimer Klinikum hat sich vor mehr als einem Jahr daran gemacht, gezielt im Ausland nach Fachkräften zu suchen, das Programm hat der Helios-Konzern für seine Häuser in Kooperation mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit angeschoben. Denn, wie der Referent der Hildesheimer Klinikums-Geschäftsführung, Guido Nordmann, erklärt: „Den Personalbedarf können wir alleine über die Ausbildung nicht mehr decken.“

Die ZAV akquiriert für deutsche Arbeitgeber aus der Gesundheitsbranche nicht nur in Mexiko qualifiziertes Personal, sondern auch auf den Philippinen, in Tunesien, Indonesien und in Bosnien-Herzegowina. Die zentrale Vermittlung soll verhindern, dass sich private Unternehmen womöglich ein Bieterwettrennen um ausländische Fachkräfte liefern und deren Abwerbung die Versorgungslage der Heimatländer verschlechtert. In diesem Zusammenhang greift auch ein Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Mietwohnungen stehen bei Ankunft der Mexikanerinnen bereit

Das Helios Klinikum unternimmt nun einiges, um den elf neuen Beschäftigten aus Südamerika, die vor einer Woche in Hildesheim angekommen sind, den Einstieg in den Beruf und in den Alltag möglichst angenehm zu machen. Die frühere Pflegekraft Mechthild Homeister ist als eine Art Integrationsmanagerin eingestiegen, um die Ankunft der neuen Kolleginnen vorzubereiten und ihnen jetzt vor Ort zur Seite zu stehen. Zum Organisationsteam gehört zudem Guido Nordmann sowie die Helios-Mitarbeiterin Antonia Nadolny: Sie haben für die neuen Mitarbeiterinnen und den Kollegen über die gbg und den BWV sechs Mietwohnungen organisiert und schon mit einer Grundausstattung eingerichtet, so dass sie vom ersten Tag an ein Zuhause hatten, indem sie sich möglichst wohl fühlen. Auch mit dem Welcome-Center der Stadt hätten sie gut zusammengearbeitet, berichtet Nordmann. Um die Motivation der Neuen in der Helios-Belegschaft zu steigern, hat das Klinikum keine Abteilung vorgegeben, in der sie eingesetzt werden. „Sie konnten sich den Bereich nach ihren Vorlieben aussuchen“, sagt die stellvertretende Pflegedirektorin Annerose Allner-Nebe. So verteilen sich die Mexikanerinnen und ihr Kollege auf die Intensivstation, die Anästhesie und die Gynäkologie.

Die neuen Mitarbeiterinnen müssen noch Prüfungen machen

Der 37-Jährige Javier Diaz weiß genau wie seine zehn aus Mexiko übergesiedelten Kolleginnen, dass noch viel auf ihn zu kommt, bevor er tatsächlich eigenverantwortlich als Pflegefachkraft arbeiten wird. Alle elf haben zwar einen Bachelorabschluss, doch um in Deutschland eingesetzt zu werden, müssen sie vorab als Pflegehelfer arbeiten, bis sie nach einer dreimonatigen Phase noch eine Kenntnisprüfung ablegen. Eine besondere Herausforderung, das bestätigen Diaz wie auch seine Kolleginnen Jaqueline Flores und Claudia Rodriguez, ist die Deutsche Sprache. Bereits in Mexiko haben sie monatelang gelernt und können sich bereits gut verständigen. Doch für den neuen Job müssen sie noch weitere 100 Stunden Sprachkurs absolvieren und schließlich eine weitere Prüfung ablegen.

Sie wollen langfristig bleiben – auch Helios plant damit

Für die drei ist jedenfalls klar: Deutschland soll keine kurze Episode bleiben, sie planen für eine lange Zeit. Javier Diaz möchte, sobald es geht, seine Frau und seine beiden Kinder nachholen. Auch Claudia Rodriguez’ Mann soll hierher ziehen.

Und die Helios-Verantwortlichen setzen darauf, dass sich die elf Neuen auf Dauer so gut machen, wie ihre per Zoom geführten Bewerbungsgespräche vermuten ließen – und dass sie auf Dauer im Hildesheimer Klinikum bleiben. Nordmann sagt: „Wir wollen sie auf jeden Fall langfristig halten.“

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