Hildesheim - Ganze 20 Jahre sind vergangen, seit Meryl Streep als Miranda Priestly ihre Mitarbeiterinnen auf großer Leinwand quälte. Nun gibt’s den zweiten Film von „Der Teufel trägt Prada“ im Kino. Während sich die Themen aber durchaus verändert haben, ist manches doch gleich geblieben, Katharina.
Vorweg: Ich mochte die Fortsetzung! Kurzweilig, unterhaltsam. Was für Abende, an denen man abschalten will. Abgeschaltet haben allerdings auch die Gesichter der Hauptdarstellerinnen. Wo sind sie hin, die 20 Jahre, in denen Anne Hathaway, Emily Blunt und Meryl Streep eigentlich gealtert sein müssten? Letztere ist immerhin Baujahr 1949 – ihre Stirn zeigt allerdings nicht mehr als einen Hauch von Falten. Bei den anderen Damen regt sich oberhalb der Augenbraue dagegen gar nichts.
Tränen statt Falten
Sobald mir das in den ersten fünf Minuten aufgefallen war, sah ich den ganzen Film nur noch stirnfokussiert. Bis mir noch etwas anderes aufgefallen ist: unverhältnismäßig oft sammelten sich in den schönen Äuglein von Hathaway Tränen. Nanu? Dabei passiert im Film kaum was Dramatisches.
Ich bin selbst in unmittelbarer Wassernähe gebaut, ich hab wirklich nichts gegen funktionierende Tränendrüsen. Ich musste mich bei dem Film aber trotzdem fragen: Gleichen Schauspielerinnen künftig fehlende Mimik immer mit Dauertränen aus, damit Emotionen irgendwie rübergebracht werden können? „Der Teufel trägt Prada“ spielt in der heutigen Zeit, da funktioniert die fehlende Mimik dank Nervengift vielleicht noch.
Botox und die griechische Mythologie
Hathaway spielt in Christopher Nolans „Die Odyssee“, der dieses Jahr in die Kinos kommt, allerdings die Penelope. Wer sich mit der griechischen Mythologie beschäftigt, weiß: Botox spielt da eher keine Rolle. Der erste Trailer für den Streifen verspricht deshalb auch nichts Gutes, in Penelopes Gesicht passiert: nichts. Ach Katharina, allein beim Gedanken daran treibt es mir die Zornestränen in die Augen. Mit dazugehörigen Stirnfalten, versteht sich!
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.
