Sehlem - Mit dem Frühjahr startet eine neue Flohmarktsaison. Meterlange Stände locken erfahrene Händler und Hobbytrödler nach draußen. Geboten wird so ziemlich alles: Kinderspielzeug, Möbel, Geschirr, Kleidung, Schmuck – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Doch woran erkennen auch Unerfahrene einen vertrauenswürdigen Verkäufer? Wie verhandelt man richtig? Und was sollten Menschen beachten, die selbst ihre aussortierten Schätze anbieten möchten? Trödelexpertin Inga von Oehsen gibt Tipps für leidenschaftliche Flohmarktgänger und Neulinge. Die Sehlemerin weiß, worauf es ankommt, denn seit ihrem 18. Lebensjahr handelt sie auf Flohmärkten – mittlerweile sogar nebenberuflich.
Wann ist die perfekte Zeit, um auf den Flohmarkt zu gehen?
„Am besten direkt, wenn der Markt morgens öffnet“, sagt von Oehsen. Denn: „Der frühe Vogel fängt hier den Wurm.“ Wer größte Auswahl haben will, sollte nicht erst mittags kommen, denn dann seien die richtigen Schätze meist schon verkauft.
Was ist bei den Besuchern zur Zeit besonders gefragt?
„Schmuck, Lampen aus den 70er-Jahren und alte Münzen sind nach wie vor beliebt“, beobachtet die 54-Jährige. Dennoch: „Im Prinzip wird man so gut wie alles los. Sammler gibt es schließlich viele, sogar von Tierfiguren oder Streichhölzern.“ Aber auch Spielzeug von früher sei weiterhin gefragt, beispielsweise Pokémon-Karten oder Schlümpfe. Jüngere Flohmarktgäste würden hingegen vor allem nach Kleidung Ausschau halten.
Welche Waren finden nur noch selten einen Käufer oder eine Käuferin?
„Keiner will mehr Briefmarken“, beobachtet die Sehlemerin. Auch Möbel und Porzellan würden aktuell nicht mehr so häufig gekauft. Und dafür hat von Oehsen auch eine Erklärung: „Der Markt ist übersättigt.“
Auf welche Strategie sollte beim Verhandeln der Preise gesetzt werden?
„Freundlichkeit und Fairness sind entscheidend“, weiß die Sehlemerin aus Erfahrung. Bietet der Händler beispielsweise einen Ring für 100 Euro an, sei es nicht ratsam, ein Gegenangebot von nur zehn Euro zu machen. Wichtig sei, auf Augenhöhe zu verhandeln. „Machen mir die Kunden freche Angebote, erhöhe ich immer den Preis“, so von Oehsen. Sowohl Verkäufer als auch Kunden sollten sich vorab im Klaren sein, was ihnen wie viel wert ist – und das sei oft eine Frage des Bauchgefühls. Sich preislich in der Mitte zu treffen, ist laut der Sehlemerin oft eine faire Lösung. Zumindest insofern, als es keine festen Werte wie bei Gold oder Silber gibt.
Woran kann man unseriöse Händler erkennen?
„Erzählen die Händlerinnen und Händler kuriose Geschichten zu ihrer Ware, ist das ein Warnsignal“, meint von Oehsen. Oft seien solche Storys erfunden und die Verkäufer versuchen ihre Kunden über den Tisch zu ziehen. Wer ein faires Angebot macht aber auf einen patzigen Standbetreiber trifft, der nicht mit sich verhandeln lässt, könne ebenfalls getrost zum nächsten Tisch weitergehen.
Welche Ratschläge gibt es für Menschen, die selbst verkaufen wollen?
Begonnen werden sollte mit einem kleinen Stand von maximal drei Metern Länge. Denn: „Ist der Stand zu groß, hat man nicht alles im Blick und ist für Diebe eine leichte Beute.“ Was dann an Ware auf dem Tisch liegt, sei erst einmal egal, da es für so gut wie alles Interessenten gibt. „Eine Freundin von mir bot einmal einen Deckel ohne dazugehörigen Kochtopf an und war ganz überrascht, als den auch wirklich jemand kaufte“, erinnert sich die Expertin.
Wichtig sei, beispielsweise bei Schmuck oder Porzellan erst einmal zu recherchieren, ob es sich um etwas Wertvolles handelt. Das erleichtere später das Handeln und verhindert, übers Ohr gehauen zu werden. Etwa 20 Euro in Münz-Wechselgeld sowie Tüten bereitzustellen, rät sie ebenfalls. Und: Die Waren auf eine Tischdecke legen. Das mache den Stand gleich attraktiver für die Besucher. Generell sollten sich Neueinsteiger laut von Oehsen langsam rantasten, denn auch Handeln und Verkaufen sei Übungssache. Doch nicht alles findet einen Abnehmer: „Was dann auch nach zwei oder drei Märkten nicht verkauft ist, kann verschenkt werden.“ Geschirr, Kleidung oder Möbel bieten sich auch als Spende für gemeinnützige Organisationen an.
Aber Achtung: Wer regelmäßiger auf Märkten verkauft, sollte, genau wie von Oehsen, ein Gewerbe anmelden, um keine Schwierigkeiten mit dem Finanzamt zu bekommen. Und nicht vergessen: „Der Geheimtrick für gute Geschäfte lautet Freundlichkeit.“
Hier können Flohmarktfans regelmäßig stöbern
Jeden ersten Samstag im Monat herrscht auf dem Hackelmaschparkplatz in Alfeld reges Treiben. 40 bis 60 Aussteller sind ab 6 Uhr vor Ort und bieten zahlreiche Waren an. Der Eintritt ist frei. Wer selbst einen Stand aufbauen will, kann einfach dazustoßen. Plätze werden vorab nicht reserviert.
Auf dem Gelände des Rewe-Marktes in Lamspringe kann Sonntag, 5. April, Donnerstag, 14. Mai, Sonntag, 14. Juni sowie Sonntag, 12. Juli ab 8 Uhr gestöbert werden. Keine Neuware, der Eintritt beträgt einen Euro. Platzvergabe ist ab 6 Uhr ohne Voranmeldung.
Einen regelmäßigen Flohmarkt gibt es auch sonntags auf dem Rewe-Parkplatz in Bad Salzdetfurth in der Straße Ahnepaule. Auch hier kostet der Eintritt einen Euro. Am 19. April, 17. Mai, 21. Juni und 19. Juli ist ab 10 Uhr geöffnet. Aufbau ist ohne Voranmeldung ab 9 Uhr möglich. Neuware ist erlaubt.Auch der Rewe-Markt in Sarstedt (Am Moorberg 1) verwandelt sich am Sonntag, 7. Juni, und 5. Juli in ein Trödelparadies. Neuware ist hier aber nicht erlaubt. Der Eintritt kostet einen Euro.
Auf dem Hildesheimer Volksfestplatz wird von Freitag, 3. April, bis Sonntag, 5. April, zum Drei-Tage-Kultflohmarkt eingeladen. Von 6 bis 15 Uhr wird hier verkauft – alles außer Neuware. Der Eintritt kostet einen Euro. Wer selbst einen Stand aufbauen will, kann spontan vorbeikommen. Weitere Termine sind über Pfingsten vom 23. bis 25. Mai, am 1. und 2. August, am 3. und 4. Oktober sowie am 31. Oktober und 1. November.
Auf dem Kaufland-Parkplatz in der Hildesheimer Nordstadt kann sonntags am 12. April, 10. Mai, 14. Juni sowie 12. Juli gestöbert werden. Der Eintritt kostet je einen Euro. Platzvergabe ist ab 6 Uhr ohne Voranmeldung. Neuware ist nicht erlaubt.
Jeweils von 8 bis 15 Uhr kann außerdem vor dem Hildesheimer Edeka-Markt an der Frankenstraße an etwa 80 Ständen gestöbert werden. Termine sind am 12. April, 10. Mai, 7. Juni und 12. Juli. Eine Reservierung ist nicht nötig, aufgrund des begrenzten Platzangebots aber telefonisch unter 0152 28 95 58 18 möglich.
Beim Obi-Baumarkt in Ochtersum ist sonntags am 26. April, 31. Mai, 28. Juni sowie 26. Juli Flohmarkt – ohne Neuware. Der Eintritt beträgt einen Euro. Plätze werden ab 6 Uhr zugewiesen – ohne Reservierung. Nur private Verkäufer.
Auch der Rewe-Markt in Sarstedt (Am Moorberg 1) verwandelt sich am Sonntag, 7. Juni, und 5. Juli in ein Trödelparadies. Neuware ist hier aber nicht erlaubt. Der Eintritt kostet einen Euro.
