Klimaprotest

Hildesheimer Professorin über Extinction Rebellion

Hildesheim - Beide wollen das Klima retten, doch sie könnten zu einer Spaltung der Umweltbewegung führen: Die Hildesheimer Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer über Fridays for Future und Extinction Rebellion.

Die Hildesheimer Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer ist Expertin für Protestbewegungen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Für die einen sind sie die letzte Hoffnung – für die anderen eine undurchsichtige und vielleicht sogar gefährliche Bewegung: Die Aktivisten von Extinction Rebellion, kurz XR. Was mit Fridays for Future friedlich begann, hat nun mit einer zweiten Bewegung einen Partner bekommen, dessen Ziel es ist, möglichst viele Menschen auf die Straße zu bekommen. Und dabei auch Plätze oder Straßen zu blockieren.

Eine zivile Protestbewegung, von denen es in den vergangenen Jahren viele gegeben hat – wie zum Beispiel Occupy – und mit der sich die Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer von der Universität Hildesheim befasst.

Extinction Rebellion von oben gesteuert

Der zentrale Unterschied zwischen der Fridays- und der Extinction-Bewegung liege in deren Ursprung, betont Kneuer: „Das Besondere an Fridays-for-Future ist, dass die Bewegung von unten kommt und authentisch ist. Vor allem junge Menschen können sich mit dem Rollenvorbild Greta identifizieren.“ Extinction Rebellion sei dagegen von oben gesteuert: „Von der Zentrale in Großbritannien, die nun versucht, möglichst viele Aktivisten in Deutschland an sich zu binden.“

Während die Fridays-Bewegung angefangen hat, sich selbst zu organisieren und konkrete Ziele zu entwickeln, sind die Organisatoren von XR professionelle Aktivisten, sagt Kneuer. Deren Internetauftritt sei sehr professionell und setze auf Emotionalisierung.

Offen für rechte Denkweisen?

Vor Kurzem hat unter anderem die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta von Ditfurth ausdrücklich vor der Extinction-Bewegung als „mystischer Sekte“ gewarnt, sagt Kneuer. Zudem müsse man genau hinsehen, inwiefern sich XR auch für radikale Denkweisen öffnet oder anknüpfungsfähig ist.

Während andere Bewegungen konkrete Ziele hatten, wie zum Beispiel den Bau einer neuen Startbahn in Frankfurt zu verhindern, bleibe Extinction Rebellion unkonkret: „Die Aktivisten verbreiten eine Endzeitstimmung, bieten aber keine Lösungen und Lösungswege an.“

Freiheitsrechte eingeschränkt?

Als Politikwissenschaftlerin zitiert Kneuer erste Studien, die zeigen, dass die Fridays-for-Future-Bewegung hauptsächlich von einem akademischen-orientierten Publikum getragen werde: „Es sind vor allem Abiturienten und Studenten.“ Nun müsse man sehen, wie die reagieren, die sich noch nicht positioniert haben, sagt Kneuer.

Längst seien Protestbewegungen in Deutschland vielfältiger geworden, erläutert Kneuer. Neben jenen, die aufklärerische Ziele verfolgten, sind andere mit nationalistischen Zielen getreten, die andere ausgrenzen: „Die Protestlandschaft hat sich pluralisiert. Daher muss man künftig besonders genau hinsehen, welche Inhalte und Ziele hinter dem Protest stehen.“

Was heißt „Klimanotstand“?

Wenn beispielsweise eine Bewegung wie Extinction Rebellion einen „Klimanotstand“ ausrufen wolle, müsse man fragen, was damit gemeint ist, sagt Kneuer und fragt: „Soll es konkret um die Einschränkung von Freiheitsrechten gehen?“

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