Kolumne „Unter uns“

Zwischen Schleuderpreisen und unverschämten Feilscherinnen: Der Secondhand-Verkauf im Internet und seine Tücken

Hildesheim - Alles muss raus – naja, zumindest landen derzeit viele Teile aus dem Kleiderschrank von HAZ-Kolumnistin Katharina Brecht auf einem Secondhand-Portal. Doch einige Dinge geben ihr daran Rätsel auf.

In der neuen HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller abwechselnd zu Themen, die sie bewegen. Foto: HAZ

Hildesheim - Ich habe ein neues Hobby, liebe Julia – und das spült sogar Geld in die Kasse! Wie schon so mancher im Büro bemerkt hat, laufe ich derzeit öfter mit Kartons und Versandtaschen durch die Gegend. Ich habe das Secondhand-Business für mich entdeckt! Passend zum Frühjahrsputz habe ich angefangen, meinen Kleiderschrank auszumisten. Einige Teile, die sich nach einem Aussortier-Anfall auf dem Boden türmen und die noch was wert sein könnten, versuche ich, auf dem Portal Vinted zu verscherbeln. Aber ich bin ehrlich: Meine Verkaufstaktik ist noch ausbaufähig, und einige Dinge an der Plattform geben mir Rätsel auf. Warum kauft zum Beispiel niemand mein mit Abstand beliebtestes Stück – einen Cardigan mit Blümchen? Schon über 200-mal haben sich Leute ihn angeguckt, mehr als 20 haben ihn favorisiert. Doch auf den Kaufen-Button drückt niemand. Die machen nicht mal Verhandel-Angebote.

Dafür habe ich neulich in wenigen Minuten drei von vier Teilen verkauft, die ich gerade erst eingestellt hatte – während andere wochenlang ein trauriges Dasein in meiner virtuellen Auslage fristen. Und dann wäre da noch das Problem mit den Preisen. Letztes Jahr lachte mich meine Schwester auf einem Flohmarkt schon für meine Schleuderpreise aus. Daraus gelernt habe ich nicht. Hab mich schon das ein oder andere Mal geärgert, wenn ich ein Teil fast verschenkt habe. Andererseits: Hauptsache, es liegt nicht mehr bei mir rum, und jemand anderes hat Freude damit. Was mich noch mehr stört, sind ohnehin die teils echt frechen Angebote von manchen Nutzerinnen. Zum Beispiel schlug mir eine vor, für eine neuwertige Jacke statt meiner gewünschten 6 Euro nur die Hälfte zu zahlen. Bei so einem schlechten Deal ziehe ja sogar ich die Notbremse. Nun ja: Ich arbeite dran, mein Vinted-Business weiter zu optimieren. Zum Glück hat das Handy mal wieder mitgehört und spült mir jetzt fleißig Tipps dafür in meinen Instagram-Feed. Wusstest du zum Beispiel, dass sich Cornflakes-Schachteln ganz wunderbar als Verpackung eignen? Außerdem haben Paketshop-Mitarbeiter schon damit begonnen, mir Versandtaschen zu schenken, weil ich so oft reinschneie. Du merkst schon: Wenn das so weitergeht, kann mich bald niemand mehr stoppen!

In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.

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