Auto-Krise

Fuba streicht 80 Arbeitsplätze in Bad Salzdetfurth

Bad Salzdetfurth - Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Hildesheim streicht im großen Stil Stellen. Fuba Automotive Electronics in Bad Salzdetfurth will 80 Arbeitsplätze abbauen – und zwar in der Stammbelegschaft.

Fuba Automotive Electronics ist der größte Arbeitgeber im TecCenter und in Bad Salzdetfurth insgesamt. Foto: Chris Gossmann

Bad Salzdetfurth - Der Automobil-Zulieferer Fuba Automotive Electronics will an seinem Hauptsitz im TecCenter in Bad Salzdetfurth 80 von rund 340 Arbeitsplätzen streichen. Das hat die Geschäftsführung des größten Arbeitgebers der Kurstadt jetzt angekündigt.

Diesmal soll es der Stammbelegschaft an den Kragen gehen. Der Personalabbau soll unbefristet Beschäftigte treffen, aber trotzdem möglichst ohne Kündigungen ablaufen, betont die Geschäftsführung. Wie das gehen soll, will die Firmenspitze nun mit dem Betriebsrat erörtern.

Jobabbau „schnellstmöglich“

Allerdings baut die Chefetage einen gewissen Zeitdruck auf. „Schnellstmöglich“ sollten die Jobs abgebaut werden, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage der HAZ, wenn auch „unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen“.

Vollkommen unvorbereitet dürfte die Ankündigung die Mitarbeiter indes nicht treffen.

Im Sommer hatte Fuba zunächst Kurzarbeit beantragt, dies aber wieder zurückgezogen mit der Begründung, der Umsatzeinbruch sei „kein kurzfristiges Phänomen“. Deshalb wolle man auch „keine falschen Hoffnungen wecken“.

Ohne Kündigungen möglich

Die Darstellung der IG Metall, wonach 70 bis 100 betriebsbedingte Kündigungen geplant seien, wies Fuba damals zurück. Nun soll es doch zu einem Jobabbau in dieser Größenordnung kommen. Ob das ohne Kündigungen möglich ist, ist noch unklar.

Zur Begründung verweist Fuba auf die aktuelle Entwicklung in der Automobilindustrie und betont: „Branchenexperten gehen nicht mehr von einer vorübergehenden Konjunkturdelle aus.“ Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, sei die Streichung von 80 Stellen in Bad Salzdetfurth unumgänglich, die Jobs würden auch nicht in gleichem Maße anderswo aufgebaut.

Standortsicherung gescheitert

Damit haben die nun geplanten Stellenkürzungen einen anderen Hintergrund und auch eine andere strukturelle Bedeutung für das Unternehmen als der bereits vollzogene Personalabbau in diesem Jahr bis zum Sommer. Da hatten bereits 25 unbefristet beschäftigte Mitarbeiter das Unternehmen mit Abfindungen verlassen, zudem waren 64 Zeitverträge nicht verlängert worden. Verhandlungen über einen Standortsicherungsvertrag waren zuvor gescheitert, Unternehmen und IG Metall geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Erklärung der Firma dafür: Seit der Neugründung von Fuba im Jahr 2015 wurde „ein an alle kommunizierter Plan“ verfolgt. Der chinesische Northeast-Konzern hatte die damalige Antennensparte des Delphi-Konzers gekauft und ein neues Unternehmen mit dem Traditions-Namen Fuba gegründet.

Dauerhafter Abbau

Es musste einen Teil ihrer Produktion aus Delphi-Standorten in Niedriglohn-Ländern übergangsweise nach Bad Salzdetfurth holen, obwohl der Standort dafür eigentlich zu teuer war. Dafür stellte Fuba Mitarbeiter befristet ein und holte viele Leiharbeiter dazu. Inzwischen hat die Firma aber neue Produktionsstätten in Ländern mit geringerem Lohnniveau aufgebaut, die Jobs in Bad Salzdetfurth fielen wieder weg.

Der nun geplante Stellenabbau gehört aber nicht mehr in diese Kategorie. Ziel ist diesmal eine dauerhafte deutliche Reduzierung der Stammbelegschaft am Hauptsitz des Unternehmens.

Ceva verlässt TecCenter

262 Mitarbeiter von Fuba in Bad Salzdetfurth haben unbefristete Verträge, von ihnen sollen 80 „schnellstmöglich“ gehen. Zudem sind am Standort im TecCenter 37 Mitarbeiter mit befristeten Verträgen sowie 41 Leiharbeiter beschäftigt.

Zu dem nun von Fuba geplanten Personalabbau kommt zum Jahresende noch der Rückzug des Logistik-Dienstleisters Ceva, der vor allem für Fuba gearbeitet hatte, aus dem TecCenter. Dieser Schritt kostet dort weitere 20 Arbeitsplätze.

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