Wiedersehen in Heidenheim

Fünf Monate lang war Katze Chira aus Grasdorf verschwunden – dann kam die gute Nachricht aus Unterfranken

Grasdorf - Bei einem Stopp an einer Autobahnraststätte bei Heidenheim springt Katze Chira aus dem Auto ihrer Besitzer und verschwindet. Nach fünf Monaten können die Besitzer aus Grasdorf ihre 13 Jahre alte Katze wieder in die Arme schließen.

Margarete Burgdorf kann ihr Glück kaum fassen, dass sie ihre Chira wieder in den Armen halten darf. Foto: Andrea Hempen

Grasdorf - Selig schlummert Chira auf dem mit grünem Samt bezogenen Esszimmerstuhl im Wohnzimmer. „Ja, meine Chira“, sagt Margarete Burgdorf und streichelt der getigerten Katze über den Kopf. Endlich. Endlich kann sie ihre Katze wieder liebkosen. Nach fünf langen Monaten voller Ungewissheit, in denen das Tier allein durch Unterfranken streifte. Chira war auf einer Autobahnraststätte an der A 7 bei Heidenheim aus dem Wohnmobil gesprungen und seither verschwunden. Am Sonntag konnten die Burgdorfs ihr Haustier im Tierheim Heidenheim abholen.

Immer Hoffnung gehabt

„Ich habe immer die Hoffnung gehabt, dass wir sie wieder bekommen“, sagt Margarete Burgdorf (84). Ihr Mann Wilhelm indes fürchtete, dass Chiara nicht mehr leben würde. Es war Mitte Juli, als die Burgdorfs wieder ihr Wohnmobil starteten, um in den Urlaub in die Berge zu fahren. Wilhelm Burgdorf steuert das Fahrzeug, seine Frau sitzt auf dem Beifahrersitz, auf ihrem Schoß hat sich Chira eingerollt. „Das macht sie immer und bleibt so lange liegen, bis wir angekommen sind“, berichtet die Grasdorferin. Nach ein paar Stunden Fahrt steuert Wilhelm Burgdorf den Stellplatz für Wohnmobile an der Autobahnraststätte an der A7 nahe Heidenheim an. „Der Platz war sehr belebt, und es war viel Krach“, erinnert sich die Grasdorferin. Ihr Mann öffnet die Autotür. In dem Moment springt die Katze auf das Armaturenbrett und dann aus der Fahrertür. Sie rennt los und versteckt sich unter einem Auto. Das Ehepaar wartet, doch die Katze nähert sich nicht, sondern läuft weg. Am Nachmittag beschließt Wilhelm Burgdorf auf der anderen Seite der Autobahn nach dem Tier zu suchen. Währenddessen wartet seine Frau auf einer Bank und bekommt Chira tatsächlich zu sehen. Doch die Versuche, sie mit Futter anzulocken scheitern. Das Tier ist offenbar so in Panik, dass es sein Frauchen nicht wahrnimmt.

Eine Nacht auf dem Stellplatz

Eine Nacht verbringen die Burgdorfs auf dem Stellplatz, bis sie schließlich nach Oberstdorf aufbrechen. Kein schöner Urlaub. Drei Tage später kehren sie zurück. Wieder bleibt die Suche erfolglos. Das Ehepaar fährt niedergeschlagen heim. „Alle waren wir traurig, auch unsere drei Töchter und die Enkelkinder“, erzählt Margarete Burgdorf. Schließlich ist Chira eine ganz besondere Katze, die mit drei Monaten bei den Burgdorfs einzog. Von Anfang an ist die Katze besonders anhänglich. Und so nehmen Wilhelm und Margarete sie immer mit in den Urlaub. Gemeinsam bereisten sie die Türkei, Ungarn, Serbien, Bulgarien. Auf den Wohnmobilstellplätzen bekommt Chira dann die Gelegenheit, die Gegend zu erkunden. Sie kommt immer wieder. „Sogar auf dem großen Stellplatz in Brixen hat sie unser Wohnmobil wieder gefunden“, berichtet die 84-Jährige.

Nun kam Chira nicht wieder. Bis eine Tierfreundin in der vergangenen Woche eine getigerte, abgemagerte Katze allein auf einem Feld bei Nattheim entdeckt. Als die Frau bei ihrer Rückfahrt das Tier wieder sieht, hält sie an. „Die Frau hat selbst Katzen und immer Katzenfutter im Auto und ein Chip-Lesegerät“, weiß Margarete Burgdorf jetzt. Die kleine getigerte Streunerin nimmt das angebotene Futter dankbar an und lässt sich anfassen, so dass die Frau den Chip auslesen kann. Chira ist beim Haustierregister Tasso registriert, und so lässt sich schnell herausfinden, dass das Tier aus Niedersachsen, genauer gesagt aus Grasdorf kommt. Als am Sonnabend eine Mitarbeiterin des Haustierregisters bei den Burgdorfs anruft, verschlägt es dem Ehepaar beinahe die Sprache. Ihre Chira lebt! Sie können sie aus dem Tierheim in Heidenheim abholen.

Wiedersehen im Tierheim

Am Sonntag macht sich das Ehepaar auf den Weg. Um 11 Uhr sollen sie im Tierheim sein, um 10.30 Uhr steuert Wilhelm Burgdorf sein Auto auf den Tierheimparkplatz. „Chira!“, sagt Margarete Burgdorf, als sie ihre 13 Jahre alte Katze wiedersieht. Das Tier legt seinen Kopf in ihre Hand und schnurrt. Da fließen Tränen. „Freudentränen“, sagt Margarete Burgdorf. Die Grasdorfer bedanken sich bei Tierheim und der Finderin mit je einer Spende. Noch am gleichen Tag fährt das Trio die 450 Kilometer nach Hause. Dort bekommt Chira eine ordentliche Mahlzeit, viele Ruhe und viel Liebe. „Sie hat schon wieder etwas zugenommen“, sagt Chiras Besitzerin. Sogar Lebkuchenkrümel lasse das Tier nicht liegen. Margarete Burgdorf fragt sich, was ihre Chira alles durchmachen musste, wie sie es schaffte, bei Kälte und Schnee zu überleben. „Das tut mir so leid“, sagt sie. Und, dass sie ihr schönstes Weihnachtsgeschenk am dritten Advent in Heidenheim bekommen hat.

Wenn die Burgdorfs im kommenden Jahr wieder ihr Wohnmobil starten und in den Urlaub fahren ist eines schon jetzt ganz klar. Auf dem Beifahrersitz wird Margarete Burgdorf Platz nehmen und auf ihrem Schoß, na klar: Chira.


Andere verschwundene Katzen

Ein Wiedersehen ist die Hoffnung vieler Katzenbesitzer, wenn ihr Haustier plötzlich verschwunden ist. Es kommt nicht selten vor, dass Jahre bis zum Happy End vergehen. Sind Hunde und Katzen in einem Haustierregister wie Tasso eingetragen, stehen die Chancen nicht schlecht, Besitzer und Tier wieder zusammen zu bringen. Katze Lucy aus Bodenburg etwa kam acht Jahre nach ihrem Verschwinden mithilfe von Tasso wieder zu ihrer Familie. Manchmal benötigen Katzen aber auch keine Unterstützung, um wieder nach Hause zu finden. Kater Forbes aus Aberdeen kehrte nach zehn Jahren zu seinen Leuten zurück. Phoebe aus England war 20 Jahre lang weg und kam zum Sterben heim. Mikki aus dem Bodenseekreis war sechseinhalb Jahre verschwunden und Rocky aus Baden-Württemberg erkundete zwei Jahre lang die Welt. Kater Gismo stand nach einem Jahr Abwesenheit wieder vor der Tür seiner Besitzerin in Sehlem. Eine Woche ließ er sich verwöhnen, danach machte er sich wieder aus dem Staub.

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