Giften - Das Hildesheimer Amtsgericht hat nun einen 38-jährigen Mann aus Giften wegen Brandstiftung verurteilt. Der Angeklagte erhielt eine Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und sechs Monaten. In dem kleinen Ort an der Stadtgrenze von Sarstedt hatte es in den vergangenen Monaten gleich fünfmal gebrannt. Der Täter wurde in einem Fall überführt.
Nach Überzeugung der Schöffenrichter handelte er im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit. Diese liegt dann vor, wenn der Täter zwar noch steuerungsfähig war, diese Fähigkeit aber durch krankhafte seelische Störungen, schwere Persönlichkeitsveränderungen, Intelligenzminderung oder andere psychische Beeinträchtigungen deutlich eingeschränkt war. Ob dies der Fall ist, wird individuell im Rahmen eines Strafverfahrens geprüft. Die Hildesheimer Richter folgten dem Gutachten eines Sachverständigen. Nähere Angaben liegen dazu bislang nicht vor. Der Angeklagte nahm das Urteil an, die Entscheidung ist daher rechtskräftig.
Angeklagter gesteht
Der Giftener saß monatelang in U-Haft und hatte sich beharrlich in Schweigen gehüllt – aber während des Prozesses ein Geständnis abgelegt. Somit steht laut Gericht zumindest eines fest: Der Angeklagte hatte ein Fahrzeug aus einer Scheune geschoben und es angezündet.
Seit vergangenem Frühjahr hatte es in Giften gebrannt – immer in der Nacht. Menschen wurden dadurch nicht verletzt. Im März loderten zum ersten Mal die Flammen. Weitere Brände folgten im Mai, Juni und Juli. Zuletzt brannte ein Peugeot vor einer Mauer in der Wilhelmstraße. Die Brandorte liegen auffällig nah beieinander: Der erste befindet sich in einer Kurve der Hückedahlstraße, wo ebenfalls ein Auto in Flammen aufging.
Feuchtigkeit – Feuer geht aus
Am 22. Mai brannte der zweite Wagen – in der Wilhelmstraße, nur einen Steinwurf vom ersten Brandort entfernt. Und am 1. Juni stand eine Laube auf einem Grundstück in Flammen, das knapp 50 Meter vom vorherigen Autobrand entfernt liegt. Der nächste Einsatz, der die Feuerwehr in Atem hielt, folgte.
Außerdem wurden am 29. Juni in dem Umfeld Brandspuren an einer Hecke entdeckt – offenbar war das Feuer durch Feuchtigkeit ausgegangen. Die Feuerwehr musste nicht ausrücken.
„Tatwerkzeug“ taucht auf
Am 20. Juli umhüllten Flammen schließlich den Peugeot in der Wilhelmstraße. Die Feuerwehr löschte auch diesen Wagen – und die ebenfalls alarmierte Polizei spürte einen Mann auf, der in der Nähe des Autos gewesen sein soll. Die Hildesheimer Staatsanwaltschaft ordnete eine Hausdurchsuchung an, Ermittler stießen in seiner Wohnung prompt auf Gegenstände, bei denen es sich um „Tatwerkzeug“ gehandelt haben soll. Am Tag danach wurde der 38-Jährige inhaftiert.
Nach dem Urteil des Amtsgerichts atmet der Giftener Ortsbrandmeister Stephan Wehling auf. Auch er hat die Brandserie erlebt – und wie sich so etwas auf die Menschen im Ort auswirkt. „Es ist jetzt auf jeden Fall eine große Erleichterung“, sagt er angesichts der Entscheidung der Richter. „Brandstiftung ist ganz, ganz schlimm. Besonders, wenn Menschenleben bedroht sind“, fügt der Ortsbrandmeister hinzu. „Man macht sich als Feuerwehr schon Gedanken, ob die Brände einen Zusammenhang haben. Alles war räumlich nah beieinander.“
