Hildesheim - Eine fast vier Kilometer lange Festmeile: 2700 Leute in 121 Formationen mit 32 Festwagen und 14 Musikzügen, ausgestattet mit 650 Kilo Süßigkeiten fürs Publikum – all das hat am Sonntag der Umzug zum Ausklang des Hildesheimer Schützenfest geboten. Etwa 15.000 Menschen verfolgten laut Polizei das Spektakel. Die Veranstalter gehen von 20.000 Besucherinnen und Besuchern aus.
14.30 Uhr: Der Umzug ist im vollen Gange. Mittendrin der Capt’n samt Band. Für die Stimmungskanone gibt’s kein Halten mehr. Der Mann im schwarzen T-Shirt, Sonnenbrille und der Kapitänsmütze auf dem Kopf liegt rücklings auf der Fahrbahn der Wollenweberstraße. Er strampelt mit den Beinen und singt, ist voll in seinem Element. Ausgelassenheit pur. Typisch für diesen Ausmarsch, der Tausenden vor allem eins macht – Spaß.
Klar, dass auch der griechische Gastwirt Georgios Papakonstantinou dabei sein will. Er versorgt die Umzügler aus seinem Lokal an der Kreuzung in der Goschenstraße gratis mit Mineralwasser – sehr gut bei diesen Temperaturen. Das macht der Wirt schon seit Jahren. „Manchmal gibt’s auch Ouzo oder Bier.“ Überhaupt sind es viele, die die Schützen, Musiker oder auch die Junggesellenkompanie mit Getränken erfrischen. Eine nette Geste wie ein kleiner Dank für den gewaltigen Aufwand, den Umzugsleiter Jürgen Breymann von der Junggesellenkompanie mit einem 100-köpfigen Team treibt – um den Umzug zu ermöglichen.
Darunter sind originellen Gruppen. Etwa die Ghostbusters Niedersachsen, die durch die Schuhstraße ziehen – in stilechten Kostümen. „Mach mal das Lied an!“, ruft einer aus der Gruppe. Und der Fahrer im Treck der Geisterjäger dreht den Hit „Ghostbusters!“ auf. Auch ein 85 Jahre alter Lanz-Bulldog-Trecker, der eine Wagen der KKS Himmelsthür zieht, gefällt den Leuten.
Massenweise machen die Zuschauer von alledem Fotos per Handy, drehen Videos, manche entdecken Bekannte oder Freunde im Zug. Es wird geherzt, geküsst. Andere haben Fensterplätze. Bewundern den Treck aus oberen Etagen oder vom Balkon aus. Etwa in der Sedan- oder Keßlerstraße.
Dabei ist auch Peter Anton aus Sorsum, der sich den Umzug mit seiner zwei Monate alten Tochter Kaja auf dem Arm in der Sedanallee anschaut. Seine ganze achtköpfige Familie ist auf den Beinen. „Das hier ist eine große Freude für uns“, sagt der 30-Jährige, regelmäßiger Zaungast des Umzugs.
Diesmal zieht sogar der Bürgermeister von Pavia mit
An dessen Spitze ist zusammen mit Oberbürgermeister Ingo Meyer diesmal ein ganz besonderer Besucher unterwegs. Michele Lissia. Er trägt eine Schärpe in den italienischen Nationalfarben. Lissia ist der Bürgermeister einer der Partnerstädte Hildesheims – Pavia. „Es ist unglaublich, was uns hier für ein warmherziger Empfang bereitet wurde“, sagt der Mann, der anlässlich der 25-jährigen Städtepartnerschaft nach Hildesheim gereist ist. Er sei froh, Teil solch einer Gemeinschaft sein zu dürfen.
Das passt. Menschen zusammenbringen, das ist Sinn der Sache beim Schützenfest. Darauf kommt es den Machern des Schützenfests an, Hagen Heuer von der Hildesheimer Schützengesellschaft und Wolfgang Almstedt von der Jungesellenkompanie etwa. Und es ist viel Stress, den Trubel möglich zu machen. „Es wird jedes Jahr schwieriger, den Umzug zuammenzustellen“, sagt Zugleiter Breymann. Aus Altersgründen können etliche etwa aus den Musikzügen nicht mehr mitmarschieren. Breymann zieht die Sache dennoch weiter durch. Wenn er die Kinder am Zugrand strahlen sehe, sei der Stress verschwunden. Und für ihn geht das nächste Schützenfest schon ab November los. Ab dann laufen die Planungen für den Umzug 2026.



