Hildesheim - „Wenn es euch nicht gefallen hat, hättet ihr den Krieg gewinnen sollen!“ Johnny Armstrong lacht dem Publikum entgegen. Das ist ganz und gar nicht unzufrieden mit dem britisch-deutschen Comedian am Mittwochabend bei der Komischen Nacht im Tanzhaus. Schon zum 26. Mal geht der Showmarathon an den Start. Sechs Komikerinnen und Komiker rotieren den ganzen Abend durch sechs verschiedene Veranstaltungsorte in der Hildesheimer Innenstadt. Diesmal dabei waren das DESEO, Jim+Jimmy, die Kufa, LitteraNova, das Novotel und eben das Tanzhaus – die Hälfte davon restlos ausverkauft.
Mit Lachsalven und Spaßbomben tourt die Komische Nacht seit 2008 durch inzwischen über 40 deutsche Städte und bietet dabei dem Publikum immer wieder andere Newcomer und bekannte Namen der deutschen Comedyszene. Pünktlich startet jeder der fünf Auftrittsslots mit perfekt abgestimmtem Ton und Beleuchtung. Mit einem Jingle betritt jeder Act die kleine Bühne – alles wirkt professionell, wie im Fernsehen. Die Veranstaltungsagentur gestaltet schließlich auch Formate wie wie Nightwash live und arbeitet mit Größen, wie Hagen Rether und Till Reiners zusammen.
Kaum eine Pointe zündet
Der Clou der Komischen Nacht: in die kurzen Auftritte packen die Comedians – wie bei ähnlichen Shows im Fernsehen – ihre besten Witze. Bei abendfüllenden Einzelshows kommt es vor, dass die Pointen auf Strecke nicht zünden oder die Machart der Gags sich allzu schnell abnutzt. Hier ist es auch schnell wieder vorbei, wenn ein Auftritt nicht gefällt. Dieser Trost gilt auch für die Comedians. Laura Brümmer kämpft sich tapfer durch ihre 20 Minuten Stagetime, in der kaum eine Pointe zündet.
Auch Hennes Bender sieht sich einem verhaltenen Publikum gegenüber. Beide kommen aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet. Ist die innerdeutsche Humor-Verständigung womöglich gestört? Redet Bender zu schnell, sind seine Witze über hetero-Paarbeziehungen altbacken? Brümmer und das Publikum treffen sich wohl aus Altersgründen nicht. Die Referenzen der 29-jährigen sind zu sehr im Erfahrungsraum der Gen Z angesiedelt, dass die Humorzentren des überwiegend älteren Publikums im Tanzhaus getroffen würde.
Drei Acts können überzeugen
Am besten kommen tatsächlich die Comedians mit nichtdeutschen Wurzeln an. Serhat Doğan als Erster und Johnny Armstrong als Letzter bilden zufällig eine dramaturgische Klammer im Tanzhaus: beide thematisieren Missverständnisse mit der deutschen Sprache. Auch kulturelle Klischees kommen nie aus der Mode. Diese greift auch die aus Polen stammende Alicja Heldt auf. Sie spielt gleichzeitig in einer gekonnten Mischung aus Charme und Rotzigkeit mit Geschlechterstereotypen.
Vielleicht sind diese drei auch lockerer in ihrer Art. Dogan spricht vom berühmten Stock im Arsch und dass Deutsche wenig Emotionen ausdrücken würden: „Pipi in den Augen ist keine Emotion, das ist eine Krankheit!“ Darauf referiert auch Armstrong aber das Publikum lässt sich das nicht anhängen. Von Minute eins an schmeißt es sich bei diesen drei Acts weg vor Lachen und rezitiert die Gags in den Pausen. Humor ist also eine völkerverbindende Sprache – und auf Kriegsgerät kann getrost verzichtet werden, wo er eingesetzt wird.
Von Josephine Ziegler

