Pachtvertrag nicht verlängert

„Ganz traurige Sache für mich“: Jetzt werden in Ruthe 22.000 Apfelbäume von Klaus Hahne gerodet

Ruthe - Auf dem Pachtgelände von Klaus Hahne in Sarstedt-Ruthe ist ein Bagger im Dauereinsatz: Obstbauer Hahne lässt alle seine 22.000 Apfelbäume nach 16 Jahren ausreißen und räumt die Plantage samt Zäunen und Wasserleitungen. Die Leibniz Universität Hannover hat den Pachtvertrag nicht verlängert.

Das fällt sehr schwer: Landwirt Klaus Hahne muss zusehen, wie seine Apfelbäume in Ruthe gerodet werden. Foto: Jonas Dengler

Ruthe - Einzeln packt der Greifer des Baggers jeden Spalierobstbaum, zieht ihn hoch und schüttelt den Stamm. Erde rieselt aus dem Wurzelgeflecht. Dann schwenkt der Greifarm und legt den Baum neben andere, die er bereits herausgerissen hat. Reihe um Reihe.

Obstbauer Klaus Hahne lässt seine Apfelplantage in Ruthe räumen. Der Pachtvertrag läuft zum Jahresende aus, die Leibniz Universität Hannover hat ihn nicht verlängert. „Ich muss die Fläche ackerfähig verlassen“, sagt Hahne.

22.000 Apfelbäume gehen in den Häcksler

Als Acker hat der Obstbauer sie vor 16 Jahren von der Universität gepachtet. Damals legte Familie Hahne aus Laatzen-Gleidingen auf 7,5 Hektar eine Apfelplantage an, pflanzte rund 22.000 Apfelbäume, legte vier Kilometer Erdleitungen zur Bewässerung und zog einen Zaun um das Gelände.

Das alles muss nun verschwinden. 72 Kilometer Draht hielten die Bäume am Spalier, das haben Hahne und seine Leute per Hand aufgerollt, zur Wiederverwendung. 4500 Pfähle sind eingelagert. 1800 Meter Zaun, tief eingegraben gegen Kaninchen, müssen noch aus der Erde.

Über all das ist Hahne verärgert. „Es ist eine ganz traurige Sache für mich. Wir hätten hier gerne noch vier bis sechs Jahre weitergewirtschaftet.“ Der Bagger rupft mit den Bäumen jetzt auch 18.000 Holzstäbe heraus. Gemeinsam kommen sie später in den Häcksler.

Jörg Hoppe, der Mann mit dem Bagger, produziert und vertreibt Hackschnitzel. Rund zwei Wochen, schätzt er, braucht es, bis die Bäume gehäckselt sind. „Sie gehen zur Stromerzeugung an eine holzverarbeitende Firma“, sagt Hoppe. Und Hahne sagt: „Ich sehe nicht ein, dass wir das alles kaputtmachen und die Nachnutzung noch nicht klar ist.“

Die Universität will das Gelände für eine Solaranlage nutzen. Doch womöglich ist eher ein Rechtsstreit zwischen Pächter und Verpächter Grund für die nicht verlängerte Pacht. 2024 konnte Hahne seine Beregnungsanlage zum Frostschutz nicht nutzen, die Wasserzufuhr war defekt, zahlreiche Blüten erfroren. Dafür fordert der 67-Jährige Schadensersatz.

Kommt eine Solaranlage?

Die Leibniz Universität besitzt insgesamt rund 40 Hektar in Ruthe, auf denen sie ein Forschungs- und Lehrgut betrieb. Dort plant die Hochschule nun eine große Freiland-Photovoltaikanlage, weil sie ihre Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen will.

Wann die Anlage entsteht, ist unklar. Die Universität hat ihr Vorhaben bisher im Ortsrat Ruthe und im Stadtentwicklungsausschuss Sarstedt vorgestellt. Für den Bau einer Solaranlage müsste der Rat den Flächennutzungsplan für das Gelände ändern und einen Bebauungsplan aufstellen. Bisher ist das Gelände zum Teil als landwirtschaftliche Fläche, zum Teil als Sondergebiet Universität/Obstbau definiert.

Sobald die Universität ihre Planungsunterlagen in Sarstedt einreicht, dürften bis zu einem Beschluss zwölf bis 16 Monate vergehen. Doch das Solarprojekt befindet sich laut Unisprecherin Mechtild von Münchhausen noch in der internen Planungs- und Beratungsphase. Angaben zum zeitlichen Rahmen seien nicht möglich.

Die Stadt Sarstedt steht dem Projekt grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. „Allerdings sind unsere landwirtschaftlichen Böden sehr hochwertig, von einer anderen Nutzung sind wir deshalb nicht ganz begeistert“, sagt Rembert Andermann, Bauamtsleiter in Sarstedt.

Andererseits sei der ökologische Nutzen von intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht hoch, sagt Andermann. In dieser Hinsicht könnten Photovoltaik-Anlagen sogar Vorteile bieten, wenn dort etwa Wiesengräser wachsen und am Rand Hecken stehen. Die Leibniz Universität will möglicherweise auf einer Teilfläche Solaranlage und Landwirtschaft kombinieren und die Auswirkungen erforschen.

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