Geboren am 29. Februar

Diese Menschen aus der Region Hildesheim haben eigentlich nur alle vier Jahre Geburtstag – und dürfen heute feiern

Hildesheim - Der seltenste Jubeltag überhaupt: Im Kalender taucht der 29. Februar nur ab und zu auf. Grund dafür ist das Schaltjahr – was steckt eigentlich genau dahinter? Und: Ist es Glück oder eher Pech, ein so besonderes Geburtsdatum zu haben?

Doppelschlag: Die Zwillinge Julia und Bianca Marhauer aus Gronau bei Hildesheim sind am 29. Februar auf die Welt gekommen: In diesem Jahr können die eineiigen Schwestern ihren Geburtstag genau am richtigen Datum feiern. Foto: privat

Hildesheim - Herzlichen Glückwunsch – entweder kommt das zu früh oder einen Tag zu spät. Bianca und Julia Marhauer kennen das schon. Ihr Geburtstag ist korrekt am 29. Februar. Doch jetzt kann den beiden Zwillingsschwestern aus Gronau tatsächlich am exakt richtigen Tag gratuliert werden. Denn 2024 ist ein Schaltjahr und hat somit statt der eigentlich gewohnten 365 Tage einen ganzen Tag mehr. Und das ist der seltene 29. Februar.

28. Februar oder 1. März – das ist die Frage?

Wer an diesem Tag auf die Welt gekommen ist, der hat genau genommen nur alle vier Jahre sein korrektes Geburtsdatum im Kalender stehen. „Bei uns kein Problem: Wir haben uns meistens aufgeteilt – eine feiert am 28. Februar, die andere am 1. März“, sagt Bianca Marhauer über die Absprache mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester. Ihr runder Geburtstag wird zusammen gefeiert – sie werden 40, und das am exakt richtigen Datum.

Im Jahr 1984 haben sie im Hildesheimer Bernward-Krankenhaus das Licht der Welt erblickt. Der Geburtstermin war seinerzeit eigentlich etwas früher errechnet. Umso größer die Überraschung, dass es dann ausgerechnet der seltenste Tag im Kalender wurde. Damit haben sich die Schwestern, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, natürlich längst arrangiert. „Die nervigste Frage früher war immer: Ihr dürft doch in diesem Jahr gar nicht feiern, oder?“, sagt die Erstgeborene Bianca Marhauer und lacht. Für ihren Geburtstag haben sich die Verwaltungsangestellte und ihre Zwillingsschwester – sie ist Friseurin – zur Feier des Tages zunächst einen gemeinsamen Wellness-Vormittag vorgenommen. Nachmittags stehen dann Kinder und Familie auf dem Plan.

Das sagt die Statistik

Geburtstag – das trifft auch auf insgesamt 66 weitere Menschen in der Stadt Hildesheim zu, die am 29. Februar geboren worden sind, bestätigt Stadtsprecher Helge Miethe die aktuellen Zahlen. Und es werden wohl weitere dazukommen. An diesem 366. Tag im Jahr kommen mehr als 150 Babys zur Welt, wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen mitteilte.

Auch Laura Pulz aus Hildesheim gehört zu denjenigen, die das besondere Geburtsdatum im Pass stehen haben. „Du wirst ja erst fünf“ – solche Berechnungen kennt die Hildesheimerin zur Genüge. Wenn man nur die Schaltjahre zusammenzählt, dann lassen sich solche Sprüche nachvollziehen. Richtig ist, dass die ehemalige RBG-Schülerin 20 Jahre alt wird. In den vergangenen Jahren hat sie es meistens so gehalten, dass ihr Geburtstag eben der 1. März gewesen ist. „Vorzuverlegen – das bringt Unglück. Hat meine Mutter immer gesagt“, meint Laura Pulz.

Die angehende medizinische Fachangestellte ist übrigens 2022 volljährig geworden – in einem Nichtschaltjahr. Wann genau durfte sie sich eigentlich als volljährig und somit als Erwachsene bezeichnen? Selbst das ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Und zwar im Paragraf 188, Absatz 3 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB): Danach haben alle Betroffenen mit Ablauf des 28. Februars bereits die Volljährigkeit erreicht. Sie stehen damit den am 1. März Geborenen gleich. Das wissen natürlich nur Schaltjahrkinder.

Schaltjahr – wer kann es erklären?

Was überhaupt ein Schaltjahr ist, das ist nach eigenen Angaben nur 76 Prozent der Menschen in Deutschland bekannt. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die gerade im Februar veröffentlich worden ist, geben hingegen 13 Prozent an, nicht beschreiben zu können, was es damit auf sich hat. Elf Prozent machen keine Angaben. Am sichersten schätzen sich Menschen im Alter von 45 bis 54 Jahren bei dem Thema ein. Hier geben 81 Prozent an, dass sie erklären können, was ein Schaltjahr ist.

Heinemann aus Bad Salzdetfurth am 29. Februar 1984 im damals noch Städtischen Krankenhaus (heute: Helios) auf die Welt gekommen. „Vier Wochen zu früh – und dann ausgerechnet an so einem ausgefallenen Datum“, sagt der 40-Jährige, der als Schlosser in Groß Düngen arbeitet. Aber das findet der zweifache Vater nicht schlimm. „Und das Gewicht hab’ ich natürlich auch längst aufgeholt.“

Ums Aufholen geht es auch im Schaltjahr. Das Jahr hat bekanntlich 365 Tage. Doch die Erde braucht ein wenig länger, um die Sonne zu umkreisen – nach Berechnungen von Astronomen sind es 0,2425 Tage mehr. Das sind knapp sechs Stunden. Was soll’s, könnte man meinen. Doch ein paar Zahlen hinterm Komma machen den Unterschied.

Zeitlücke füllen

Würde man die Zeitlücke nicht überbrücken, dann würde das den Kalender immer weiter durcheinander bringen – und zwar im Lauf der Jahrhunderte so beträchtlich, dass der Beginn der Jahreszeiten in der Natur nicht mehr mit dem Kalender übereinstimmt. Das will niemand. Um die Abweichung auszugleichen, gibt es eben kurzerhand alle vier Jahre einen dazwischen geschobenen Extra-Tag. Das ist dann der 29. Februar im sogenannten Schaltjahr.

So ein Jahr hat sich vor 40 Jahren auch Michaela Scherbaum ausgesucht. Die gebürtige Algermissenerin, die inzwischen in Hildesheim wohnt, überlegt nicht lange bei der Frage, ob das Geburtsdatum mehr Glück oder eher Pech für sei: „Es ist einfach ein besonderer Tag.“ Sie hat im Lauf der Zeit nur eine Nachbarin und eine Arbeitskollegin kennengelernt mit dem selben Geburtsdatum. „Sonst niemanden.“

Dabei gehören zu den Schalttagskindern auch bekanntere Persönlichkeiten wie der Fußballspieler Benedikt Höwedes, das Model Lena Gercke, der Schriftsteller Martin Suter oder die Unternehmerin Dana Schweiger. Oder weiter zurück in die Vergangenheit: Papst Paul III. oder der italienische Komponist Gioachino Rossini.

Obwohl sie selbst gar nicht Geburtstag hat, ist und bleibt der 29. Februar für Maren Müller aus Giesen ein Herzenstag. Da hat sie nämlich vor zwölf Jahren ihre Tochter zur Welt gebracht. „Der Geburtstag wird natürlich gefeiert – immer.“ Ihr gefällt das außergewöhnliche Datum. Der Familienname sei doch ein sehr geläufiger Name. „Da ist es schön, dass meine Tochter einen so seltenen Geburtstag hat.“

Schaltjahr alle vier Jahre? Das stimmt nicht immer

Keine Frage: Das Jahr 2000 ist ein Schaltjahr gewesen - aber bereits als Ausnahme. Denn die sogenannte Vier-Jahres-Regel stimmt nicht immer. Zu den Besonderheiten können nämlich Jahrhundertwenden gehören. Achtung, jetzt wird es rechnerisch etwas kompliziert: Schaltjahre sind damit nur jene Jahre, die sich durch vier teilen lassen, aber nicht durch 100 – es sei denn, sie sind auch durch 400 teilbar. Dementsprechend waren die Jahrhundertwenden 1900, 1800 und 1700 eben keine Schaltjahre.

Exakt gerechnet, wird nämlich nicht alle vier Jahre tatsächlich ein kompletter Überbrückungstag notwendig. Denn die Erde braucht für eine Runde um die Sonne etwas mehr als 365 Tage, nämlich fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden länger. Das ist das sogenannte astronomische Jahr. Dem Kalender fehlen also knapp sechs Stunden. Daher fügte Julius Cäsar (45 vor Christus) alle vier Jahre einen Schalttag ein und hatte somit das Sonnenjahr fast erreicht.

Dennoch ein kleiner Rechenfehler blieb: Fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden sind eben kein Vierteltag. Caesars Kalender war also pro Jahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu schnell. Um das auszugleichen, führte Papst Gregor XIII. 1582 die Sonderregelung bei Schaltjahren ein. Mit dieser Regelung dauert das Durchschnittsjahr nun 365,2425 Tage und ist damit nur noch wenige Sekunden zu lang. Übrigens: Das nächste Schaltjahr ist 2028.

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