Sparkassen-Geschäftsstelle Harsum

Geldautomat in Harsum gesprengt: Die Beobachtungen der Nachbarn – und wie es in der Filiale weitergeht

Harsum - Unbekannte Täter haben einen Sprengstoffanschlag im SB-Bereich der Harsumer Geschäftsstelle der Sparkasse verübt und sind flüchtig. Was Nachbarn von ihren Beobachtungen berichten – und wie es in der Filiale weitergeht.

Harsum - Als sie am frühen Montagmorgen um etwa 3 Uhr von einem lauten Knall geweckt wurde, dachte Petra Pagel zuerst an ein Gewitter. Erst später wurde ihr klar, dass unbekannte Täter den Geldautomaten in der Geschäftsstelle der Sparkasse gesprengt hatten – direkt unter ihrer Wohnung im Haus Mahnhof 3. Schon wenige Minuten später traf die Polizei mit mehreren Einsatzfahrzeugen ein. Anwohner hatten um 3.05 Uhr den Notruf gewählt.

Verletzt wurde bei dem Sprengstoffanschlag niemand. Zu der erbeuteten Geldsumme macht die Polizei – zuständig ist die Zentrale Kriminalinspektion der Polizeidirektion Göttingen – keine Angaben. Wie die Polizei mitteilt, entstand durch die Detonation in dem Bankvorraum ein Gebäudeschaden im sechsstelligen Bereich. Noch laufe die Schadenaufnahme, genaue Angaben seien noch nicht möglich, teilt Elke Brandes, Pressesprecherin der Sparkasse Hildesheim-Goslar-Peine mit. Die Schäden beschränkten sich aber im Wesentlichen auf den Selbstbedienungsbereich.

Sie habe draußen Stimmen gehört, außerdem ein lautes Motorengeräusch, berichtet Petra Pagel von dieser Nacht. Dann sah sie Rauch aufsteigen. Auch zu diesem Zeitpunkt dachte sie nicht an einen Sprengstoffanschlag, vielleicht hatte ja jemand Böller gezündet. Doch dann hörte sie die Automatiktür an der Sparkassen-Filiale ständig auf und zu gehen. Petra Pagel weckte ihren Mann Benno, und sie zogen sich an. Da seien auch schon Polizei und Feuerwehr eingetroffen.

Nachbarn beobachten die Einsatzkräfte vom Gehweg aus

Die Pagels mussten ihre Wohnung vorsichtshalber verlassen. Die Arbeit der Einsatzkräfte beobachteten sie vom Gehweg aus: „Es wurde nicht langweilig. Ein Nachbar hat sogar Kaffee gebracht.“ Erst nach 6 Uhr durften sie in ihre Wohnung zurückkehren – da hatte ihr Mann schon Brötchen für das Frühstück geholt. Denn an Schlaf sei nach der Aufregung erst einmal nicht zu denken gewesen. Dennoch, Angst vor einem weiteren Überfall oder Anschlag habe sie nicht, sagt Petra Pagel.

Man hat das Beben gemerkt. Das war schon gewaltig

Nachbarin

Die Bewohnerin eines Nachbarhauses erzählt, dass sie schon wach gewesen sei. Sie habe nicht nur den lauten Knall gehört, sondern auch eine Erschütterung gespürt. „Man hat das Beben gemerkt. Das war schon gewaltig“, sagt sie. Sie sah draußen Rauch und hörte ein Motorrad davonfahren. „Da habe ich die Polizei gerufen.“

Denn inzwischen war der Frau klar, dass es sich um eine Explosion gehandelt hatte. Sie machte vorsichtshalber kein Licht, sondern wartete am Fenster auf die Polizei: „Die waren recht schnell.“ Erst im Gespräch mit den Beamten sei ihr aufgefallen, dass sie vor Aufregung zitterte. Auch sie fand in dieser Nacht keinen Schlaf mehr.

Flüchteten die Täter mit dem Motorrad?

Es gebe Zeugenhinweise, dass sich zwei Personen mit einem Motorrad vom Tatort entfernten, meldet die Polizei. Außerdem könne ein dunkler Wagen, der sich mit auffällig lauten Motorengeräuschen aus dem Tatortumfeld entfernte, eine Rolle spielen. Ein Polizeihubschrauber und Funkstreifenwagen wurden für die Fahndung eingesetzt, bisher ohne Erfolg.

Gebäude stark verraucht

Weil das Gebäude stark verraucht war, waren die Freiwilligen Feuerwehren Harsum und Klein Förste mit 35 Männern und Frauen im Einsatz, berichtet der Harsumer Ortsbrandmeister Philipp Becker. Zwei Personen unter Atemschutz betraten das Gebäude mit Messgeräten, um zu prüfen, ob es dort noch explosive Gase gebe. Dann wurde von außen ein Überdrucklüfter eingesetzt, damit der Rauch schnell durch ein geöffnetes Fenster abzog. Die Feuerwehr blieb weiter vor Ort, um den Brandschutz sicherzustellen.

Am Montag fanden in dem Selbstbedienungsbereich der Sparkasse Aufräumarbeiten statt. Die Glasscheiben zur Straße hin landeten im Container; sie waren zwar von Rissen durchzogen, das Sicherheitsglas verhinderte aber herumfliegende Splitter. Nachdem am frühen Morgen bereits ein Statiker das Gebäude zum Betreten freigegeben hatte, erwartete Objektbetreuer David Skeats mittags vor Ort weitere Fachleute zur detaillierten Bewertung.

Vorerst keine Bargeldgeschäfte in der Harsumer Filiale

Die Sparkasse geht nach Mitteilung von Pressesprecherin Elke Brandes davon aus, dass am Dienstag in der Geschäftsstelle wieder Kunden und Kundinnen bedient werden. Sie können durch einen Nebeneingang in das Gebäude gelangen. Bartransaktionen seien aber bis auf Weiteres nicht möglich, Ein- und Auszahlungen könnten zum Beispiel in den Geschäftsstellen Algermissen und Sarstedt vorgenommen werden. Die Schließfächer seien unversehrt, der Briefkasten wurde aber beschädigt. Wer dort seit Freitag etwas eingeworfen hat, wird gebeten, die Aufträge erneut einzureichen.

In der Geschäftsstelle Harsum sind nach Angaben von Elke Brandes sechs Mitarbeitende tätig. Da darunter auch Teilzeitkräfte sind, variiert die Zahl der täglich Anwesenden. Am Geldautomaten können Kunden und Kundinnen der Sparkasse täglich bis zu 1500 Euro abheben, Kunden und Kundinnen anderer Banken bis zu 1000 Euro am Tag.

Die Zentrale Kriminalinspektion der Polizeidirektion Göttingen bittet Zeugen, die Beobachtungen gemacht haben, sich mit der Polizei Hildesheim unter Tel. 05121/939-0 in Verbindung zu setzen.

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