Hildesheim - Fast schon ist es zur Tradition geworden, dass sich Hildesheims ehemalige Handballprofis in der Halle 39 treffen, um mit ihren Fans die alten Bundesligazeiten aufleben zu lassen. Am Abend vor Silvester hatte die dritte All-Stars-Auflage gegen eine Viertliga-Auswahl des Handball Verbandes Niedersachsen Bremen erstmals auch einen beachtlichen sportlichen Reiz.
Beide Mannschaften boten den 900 Zuschauern ein sehenswertes Handballspiel, das die ambitionierte HVNB-Auswahl in den letzten Sekunden mit einem 35:34-Sieg über die Zeit rettete.
Gelungener Mix aus Fairplay, Spielwitz und Tempohandball
„Das war ein tolles Spiel und wird ein toller Abend“, resümierte Eintracht-Kapitän Robin John nach den sechzig Minuten, die allen in der Halle eine Menge Spaß gemacht hatten – den Spielern auf der Platte aber auch jede Menge Kraft kosteten.
HVNB-Geschäftsführer Markus Ernst, ließ die Partie sogar im Internet kostenlos streamen. Auch er war nach Spielende vom gelungenen Mix aus Fairplay, Spielfreude und Tempo begeistert. „Das war wirklich Werbung für den Handball“, urteilte der Verbandsfunktionär zusammen mit Veranstalter Gerald Oberbeck gleichermaßen zufrieden.
HVNB-Gäste auf spielerisch hohem Niveau
Auf der Platte gab es tatsächlich eine Menge zu sehen. Hildesheims Kapitän Robin John versuchte in altbekannter Spielmachermanier seine ehemaligen Mannschaftskameraden in Szene zu setzen. „Niko unten, Benni oben“, hatte er mit Ex-Coach Oberbeck das Anspiel der Kreisläufer scherzhaft vorbesprochen – für Niko Tzoufras lange geübte Praxis. „Das wird schon klappen“, ging der Grieche gewohnt pragmatisch zur Sache.
Benni Meschke, nach dem Erstliga-Abstieg 2012 für eine Spielzeit nach Hildesheim gekommen und immer noch Erstliga-Profi in der Schweiz, hatte dagegen schon lange keinen Pass mehr von John gefangen. „Ich verfolge Bennis Karriere auf Instagram. Das reicht“, schmunzelte John noch vor dem Anpfiff gut gelaunt.
Doch die Hildesheimer hatten ihre Rechnung ohne die Gäste aus Oldenburg, Bremen und Großenheidorn gemacht, die sich von Beginn an mit einer Statistenrolle nicht zufrieden gegeben haben.
Nikolov und Depping erstmals gemeinsam auf dem Spielfeld
Nach zwanzig Minuten hieß es ein wenig überraschend 11:15. Für zwei Ex-Einträchtler war der Abend trotzdem ganz besonders.
Georgi Nikolov (48) und sein Ziehsohn Luc Depping standen erstmals gemeinsam auf dem Spielfeld. „Georgi hat mich schließlich überhaupt erst zum Handball gebracht“, strahlte der 23-Jährige, der sich nach seiner kompletten Jugend in der Eintracht-Handballabteilung in Anderten zu einem der besten Rechtsaußen der 3. Liga Nord West gemausert hat.
Auf der linken Seite spielte zumeist Fin Backs, aus der Eintracht-Jugend über MT Melsungen und den TuS Vinnhorst ebenfalls in Anderten gelandet. Maurice Lungela trat nur als Siebenmeterschütze in Szene. Ole Zakrzewski, Maurice Herbold und Mathias Struck versuchten sich ein ums andere Mal vergeblich aus dem Rückraum. „Es ist wie verhext“, haderte Gerald Oberbeck auf der Trainerbank mit der Trefferquote.
Großes Kompliment von Frank Carstens – auch Krumwiede und Lange unter den Torschützen
Die von Leipzigs Bundesligatrainer Frank Carstens gecoachten Regionalliga-Cracks stellten Dennis Klockmann immer wieder vor Probleme. Zu selten ließen sich die Viertliga-Besten vor der Pause von Oberbecks Defensivblock stoppen. Frederic Stüber (30), aktuell Mannschaftskapitän beim Zweitligisten Eulen Ludwigshafen und auch Emsdettens-Abwehrchef Sergej Gorpishin (28) hatten ihre liebe Mühe mit Lasse Giese vom MTV Vorsfelde oder Moritz Beltzer vom Northeimer HC. „Klasse, Jungs“, lobte Carstens seine Spieler.
Auch Justus Krumwiede (TuS Grün-Weiß Himmelsthür) und Sören Lange (SV Alfeld) konnten sich in die HVNB-Torschützenliste eintragen. Die beiden Viertliga-Auswahlspieler aus dem Landkreis bekamen dafür lautstarken Beifall von den Rängen. Zur Pause hatten die Gäste einen beachtlichen 18:14-Vorsprung herausgeschossen.
Publikum verabschiedet Akteure mit Applaus in die „dritte Halbzeit“
Ungewöhnlich für ein Allstar-Game, dass die Akteure nach dem Wechsel sogar noch an Tempo zulegten. Söhre-Ikone Pascal Kinzel zeigte im Tor ein paar Paraden und der mit großem Beifall bedachte Lothar von Hermanni läutete zusammen mit Frederic Stüber die Aufholjagd der Ex-Profis ein.
Es reichte nicht ganz. Sechs Sekunden vor dem Ende hieß es 34:35 und der letzte Versuch von Robin John verfehlte das HVNB-Gehäuse knapp. „Schade. Ich hatte auf ein Unentschieden getippt“, war aber auch Gerald Oberbeck nicht wirklich unzufrieden als beide Teams unter Beifall für die attraktive Begegnung in ihre „dritte Halbzeit“ verabschiedet wurden.
Von Rainer Fricke


