Von Alexander Raths
Diekholzen. Die Gemeinde Diekholzen will, dass lediglich 30 Prozent des Geländes der ehemaligen Lungenklinik bebaut werden. Bislang war von bis zu 158 Wohnungen die Rede – verteilt auf gut 50 Doppel-, Reihen- oder Einfamilienhäuser in dem Gebiet „Am Bahnberg“, das die Kreiswohnbau-Gesellschaft (KWG) plant. Das Projekt soll 2020 umgesetzt werden. Dessen Umfang erscheint der Gemeinde nun deutlich zu groß. Ziel ist, das Vorhaben abzuspecken und die bisherigen Entwürfe „nachzubessern“, sagt Bürgermeisterin Birgit Dieckhoff-Hübinger. Die Gemeinde will dafür jetzt ihre rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen – und die insgesamt 55 000 Quadratmeter große Fläche dem Helios-Konzern abkaufen.
Dabei handelt es sich um ein „Vorkaufsrecht“, das Gemeinden per Gesetz zusteht. „Wir erwerben das Gelände von Helios“, erklärt Dieckhoff-Hübinger. Wie viel dafür investiert wird, wollte sie nicht sagen.
Der Schritt der Gemeinde ist für Beobachter überraschend. „Die Politik wusste nicht, dass diese juristische Möglichkeit besteht. Und die Gemeinde ebenso wenig. Es wäre aber unfair, ihr einen Vorwurf zu machen“, sagt Ratsherr Christoph Glados (Unabhängige). Das Thema sei für die Verwaltung nun mal „kein Tagesgeschäft.“
Die Gemeinde hatte eigenen Angaben zufolge einen Brief mit einem Kaufvertrag bekommen – und dann ihre rechtliche Option erkannt. Bisher wollte der Landkreis seine Flächen vom gegenwärtigen Besitzer Helios in Diekholzen zurückkaufen. Darüber wurde die Gemeinde mit dem Brief informiert. Doch jetzt will sie in das Geschäft einsteigen, um die Entwicklung des Geländes mitzugestalten – im Einvernehmen mit dem Rat.
Der Kreis wollte sich zum Vorgehen der Gemeinde bislang nicht äußern und ein Gespräch mit der Kommune am Montag abwarten.
Die Verwaltung fordert, dass ein oder mehrere neue Regenrückhaltebecken in die Baugebiets-Pläne einbezogen werden. Auch ein Abwasserpumpwerk soll auf dem Gelände entstehen. „Das ist ganz wichtig“, so Dieckhoff-Hübinger. Zudem soll auch eine zweite Zufahrt zu dem geplanten Baugebiet gebaut werden, die über die Straße Am Hohen Turm verläuft. Damit die Müllabfuhr oder auch die Feuerwehr und Krankentransporte nicht nur über die Straße Bahnberg den Bereich erreichen können. Überdies soll auch ein neuer Kreisel an der Alfelder Straße in das Projekt einbezogen werden, um den durch das Baugebiet zunehmenden Verkehr zu regulieren. Wie berichtet, fordert auch die Diekholzener Politik den Kreisverkehr.
Außerdem pocht die Gemeinde darauf, dass in den Plänen Gewerbebetriebe vorkommen, die sich auf dem Gelände ansiedeln könnten. „Zum Beispiel Architekturbüros oder Therapeuten“, sagt Dieckhoff-Hübinger.
Unterdessen sorgt die Linie der Gemeinde für Diskussionsstoff. Uwe Steinhäuser, Kreistagsabgeordneter aus Diekholzen und Mitglied des KWG-Aufsichtsrats, nennt das Vorgehen der Kommune „unverständlich und hektisch.“ Es gebe eigentlich keinen Konflikt. „Warum jetzt Fronten aufbauen?“ Man könne doch über die gewünschten Punkte verhandeln. KWG-Chef Matthias Kaufmann kann sich die Haltung der Diekholzener nicht erklären: „Ich habe keine Idee, warum die Gemeinde dies tut.“
Mit dem Thema wird sich der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am Montag, 3. Dezember, 18 Uhr, in der Diekholzener Grundschule befassen.
