Hildesheim - Mein letztes gemeinsames Erlebnis mit Freunden? Darüber muss ich nachdenken. Schließlich haben sich die Zeiten geändert, die Terminkalender sind voll und voller. „Früher“ hat man doch irgendwie ständig gemeinsam herumgehangen, dies und jenes unternommen, Erlebnisse geschaffen. Heute gilt es in vielen Freundesgruppen bereits als Meilenstein, eine WhatsApp-Abstimmung zur Terminfindung einzustellen. Schaffen wir es, uns noch im Herbst zu treffen, oder verlegen wir das Ganze besser gleich in den Winter? Ach nee, da ist wieder die eine Hälfte krank und die andere hat Weihnachtsfeier oder Adventsbasteln, wir sehen uns am besten im Frühling, dann wird’s ruhiger.
Und was machst du so?
Die große Frage ist ja: Wie schaffen wir es, unseren Freunden nah zu bleiben, wenn wir kaum etwas gemeinsam erleben, weil die Zeit nicht reicht? Der Versuch: Wir schicken uns Sprachnachrichten und reagieren mit (Herz-)Emojis, nehmen dadurch ja immerhin im Nachhinein teil am Leben der anderen. Experten nennen das Catch-up-Kultur. Anstatt tatsächlich etwas miteinander zu erleben, updaten wir uns im Schnellmodus. Das gibt’s Neues, so läuft der Job, das machen die Kinder. Haken dran, man hat sich gemeldet, weiter geht’s im eigenen Leben. Viele mögen denken (und da schließe ich mich selbst ein): Das ist besser als gar kein Kontakt, immerhin weiß ich, was beim anderen los ist.
Illusion von Nähe
Kritiker allerdings werfen ein, der Kontakt übers Smartphone sei bloß die Illusion von Nähe, keine echte. Die noch größere Illusion für mich ist übrigens, dass es im Frühjahr oder wann auch immer ruhiger wird, aber das nur am Rande. Und wie kommen wir nun aus der Sache raus? Eine erste Idee: Wir besprechen das mit unseren Freunden – auf einem Spaziergang, in der Kneipe oder beim Paddeln auf der Innerste.
