Groß Lafferde - Mit einer langen Einkaufsliste in der Hand und 100 Euro im Portemonnaie starte ich am Mittwochmorgen meinen Bummel über den Lafferder Markt. Ich hatte Leserinnen und Leser ermuntert, mir ihre Wünsche zu schreiben, damit ich diese erfüllen kann. Eines sei gleich vorweggesagt: Nicht jeder Posten auf meiner Einkaufsliste war zu finden. Andere, von denen ich dachte, dass ich sie nie im Leben in Groß Lafferde bekommen würde, gab es tatsächlich.
Normalerweise stehen im Eingangsbereich des Marktes die Vertreter für Gemüsehobel. Sie raspeln, reden und preisen – für gewöhnlich. Aber in diesem Jahr: Kein einziger Hobel-Verkäufer. Vielleicht weiter hinten? Immerhin entdecke ich nach ein paar Minuten einen Stand mit Bürsten. Gertrud Reinecke wünschte sich eine Spülbürste mit Holzgriff und Wechselkopf – Treffer.
Wo sind denn hier die Gemüsehobel?
Um möglichst nichts zu vergessen, erkläre ich meiner Kollegin, Fotografin Julia Moras, die mich begleitet, was wir alles suchen. Besonders auf Gemüsehobel soll sie achten! Ein Mann, der Allesreiniger verkauft, hat eine Gruppe von Menschen an seinem Stand versammelt. „Meine Tochter hat heute Geburtstag, und ich bin hier auf dem Markt“, erzählt er – und wie traurig er deswegen sei. Mitleid als Verkaufsmasche? Wenn es funktioniert. Putzmittel steht nicht auf meinem Zettel, weiter geht’s.
Wiedersehen mit Herrn Lohmeier
Ich treffe Florian Lohmeier wieder. Im vergangenen Jahr habe ich bei ihm eine Stracke für einen Kollegen gekauft. Ich ordere wieder eine Stracke. Dieses Mal für Karl-Heinz Lehnhoff. Ich erkundige mich, ob er auch Salami mit Nüssen, Weißwein oder Blaubeeren habe. „Nee“, sagt er. Aber mit Rotwein und Käse. Er greift zu zwei Riesenwürsten, die er mir für 30 Euro überlassen will. Aber ich habe nur den Auftrag für eine Wurst von Nicola Sauer bekommen und entscheide mich für die mit Rotwein. Ein Kaventsmann von 1,6 Kilogramm. Beim Schreiben dieser Zeilen kommt mir ein schrecklicher Verdacht: Hat Florian Lohmeier, während wir fachsimpelten, auch die Eichsfelder in die Tüte gestopft? Nein, aber auch nicht berechnet. Tut mir leid, Herr Lehnhoff.
Gepoppte Hühnerfüße
Sabine Reimann wünscht sich Eismeer-Tee. Beim ersten Händler sehe ich Kinder- und Gewürz- und Entspannungstee, Eismeer hat er nicht. Ich denke schon, dass Frau Reimann mir eine Falle gestellt hat, aber am nächsten Teestand sagt Petra Lucas: „Sehr gerne. Als Schwarz-, Früchte- oder Grüner Tee?“ Wie, den gibt es in verschiedenen Ausführungen? Selbstverständlich, erwidert Petra Lucas, und hält mir eine Schnupperprobe mit Schwarztee hin. Duftet himmlisch. „Hinten steht unsere Adresse drauf, da kann die Leserin nachbestellen“, sagt Lucas. Der Teehandel kommt aus Varel in Ostfriesland. „Da, wo der Tee unter den Deichen wächst“, sagt die Verkäuferin. An einem Stand für Tierbedarf finde ich die gepoppten Hühnerfüße für Pancho und Simba, die zwei kleinen Hunde von Cassandra Schild. „Haben sie auch gepoppte Schweinenasen?“, fragt eine andere Kundin.
Weiter geht’s. V-Hobel noch immer nicht in Sicht, aber Wolle. Ursula Raden hat ein Wollgeschäft in Equord. Bei ihr finde ich die vierfädrige Sockenwolle für Petra Rische. Zwei verschiedene Farben bestellt sie, denn ihr Sohn trage nie zusammenpassende Socken. „Tamara! Da gibt es noch jemanden!“, ruft Radan in Richtung ihrer Tochter. So ein Ding. Ich soll Frau Rische ausrichten, dass sie unbedingt mal ins Wollgeschäft nach Equord kommen soll, denn dort gibt es viele Einzelsocken – Muster für Strumpfwolle. Klasse.
Für Siegfried Rauprich erstehe ich eine süße Tüte mit Schaumwaffeln und Schokoküssen. Die Verkäuferin rät mir, alles bis zur Übergabe in Tupper einzupacken, sonst verderben die Teile. Für Monika Ruprich-Haupt ergattere ich eine schicke Küchenreibe. „Haben sie auch Gemüsehobel?“, frage ich den Verkäufer hoffnungsfroh. Er schüttelt den Kopf. Diese Vertreter stünden doch immer am Eingang. Denkste.
Nicht jeden Wunsch erfüllt
Zum Abschluss noch drei Brillenputztücher für Melanie Schuder. Drei Stück kosten fünf Euro, eines allein zwei, da nutze ich doch den Mengenrabatt. Fertig. Die Taschen voll, das Portemonnaie fast leer. Die V-Hobel-Bestellung konnte ebenso wenig erfüllt werden, wie der Wunsch nach einer Kopf-Massagebürste. Stützunterwäsche und Küchenmesser gab es en masse – standen aber nicht auf meiner Liste.
Zur Warenübergabe treffen wir uns in der nächsten Woche in der Redaktion.




