Hildesheim - Wahrscheinlich gibt es keinen Ort auf der Welt, an dem keine Regeln gelten. Alles ist geschriebenes oder ungeschriebenes Gesetz, ob im Bauwesen oder in der Rangfolge der Mafia. Sogar im Urwald ist klar, wer wen beißt und wer das Filet kriegt. Und auch da, wo gar nichts mehr gilt, im Bundestag zum Beispiel, gilt immer noch das Gesetz der Schwerkraft.
1792 Gesetze und 2854 Verordnungen mit zehntausenden Einzelnormen hat Deutschland derzeit. Wer soll da durchsteigen? Ein Café in Neukölln namens Boddin-Eck hat deshalb für seine Beschäftigten freundlicherweise das Wesentliche herausgearbeitet, auf das es bei der Arbeit ankommt. „Alles, was sich bewegt, bedienen! Alles, was sich nicht bewegt, putzen!“, steht dort auf Zetteln, die am Kühlschrank kleben. Klare Ansage.
Monster von Loch Ness steht laut Gesetz unter Naturschutz
Überhaupt ist ja entscheidend, wo man ist und lebt. In Frankreich ist verboten, Schweine Napoleon zu nennen. In Chicago, nur im Pyjama angeln zu gehen. In England dürfen Taxifahrer nur gegen das Heck ihres Autos pinkeln, wenn sich die rechte Hand am Fahrzeug befindet. Auch stellt das britische Gesetz seit 1934 das Ungeheuer von Loch Ness unter Naturschutz – für den Fall, dass es existiert. Lieber ein Gesetz zu viel als zu wenig, man will ja vor so einem Ungeheuer nicht mit leeren Händen dastehen, man will ihm zeigen: Hier herrschen Recht und Ordnung, liebes Ungeheuer!
Auch der deutsche Jurist Thorsten Schleif erforscht rechtliche Grenzfälle. Laut Gesetzeslage müsste, wer Zombies tötet, mit lebenslanger Haft rechnen, außer er handelt in Notwehr. Für Werwölfe könnte Hundesteuer fällig werden. Und gegen Godzilla wäre kein Bundeswehr-Einsatz möglich. Dass es etwas nicht gibt, heißt noch lange nicht, dass es nicht zu regeln wäre. Von der Realität lassen sich Juristen so schnell nicht abschrecken.
