Die Lage in Hildesheim

Gewappnet selbst für schlimmstes Szenario: Die Hochwasser-Lage in Hildesheim vor der vierten Nacht

Hildesheim - Vor der vierten Hochwasser-Nacht: Die Stadt Hildesheim hat den NLWKN um die übelste Pegel-Prognose gebeten – die Antwort macht Hoffnung.

Der Blick auf Hohnsen, Hohnsensee und Überlaufbecken erinnert an die Flut von 2017, doch Hildesheim ist bislang deutlich glimpflicher davongekommen, weil die große Welle ausblieb. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Vielleicht ist das ja auch ein gutes Zeichen, weil es belegt, dass sich die Hildesheimer wenig Sorgen machen: Am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages, der zugleich der vierte Hochwassertag ist, wendet sich die Berufsfeuerwehr Hildesheim mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Die Bürger und Bürgerinnen sollten dringend von Spaziergängen auf den Dämmen und an der Innerste absehen, noch dazu im Dunkeln, warnen die Retter.

Seit Sonnabend haben sie jetzt mit allen Hildesheimer Ortsfeuerwehren und der Berufsfeuerwehr dafür gesorgt, dass die Innerste so gut es geht in ihrem Bett bleibt. Die Prognosen des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) schwankten, aber sie haben nie die Pegel-Marke von 6,80 Meter überschritten, weder in der Vorhersage noch in der Realität. Und genau das ist die Marke, bis zu der die Hildesheimer Einsatzkräfte die Stadt in Sicherheit sehen. Im Extremfall sogar bis 7,17 Meter, höher als der höchste Pegelstand in Heinde bei der Flut vor gut sechs Jahren.

Hildesheimer Retter bitten um schlimmste Prognose

„Wir haben gerade noch mal beim NLWKN angerufen und gefragt, was uns schlimmstenfalls in Hildesheim noch treffen könnte“, sagt Florian Kröhl, der Sprecher der Berufsfeuerwehr am späten Dienstagnachmittag: Die Antwort der Experten überzeugt die Einsatzleitung, dass sie in der Stadt auf alles vorbereitet sind. Zwei neuralgische Punkte sind seit Freitag in den Fokus der Retter gerückt: Der neue Damm an der Innerste zwischen der Domäne Marienburg und der Scharfen Ecke. Und die Straße Große Venedig gegenüber der Jowiese, wo 2017 das Wasser über die Ufer trat.

Sandsäcke befüllen und zur Deichbefestigung bei Itzum zu transportieren, das läuft am Sonnabend vor Heiligabend wie am Schnürchen. Stundenlang schuften Freiwillige der verschiedenen Hildesheimer Ortswehren, bis sie den Damm erhöht und auf Höhe der Gaststätte den Lückenschluss geschafft haben. Von der Nacht an kontrollieren Deichläufer, ob alles hält. Und es hält, gerade hier, wo 2017 die braunen Massen mehrere Häuser und die Domäne überflutet haben.

Die Flutröhe erhöht den Damm um einen Meter

An der Großen Venedig wird zeitgleich binnen eines Tages das mobile Hochwasserschutzsystem Floodtube auf drei Containern zum Flussufer gekarrt. Die Anwohner beobachten die Szenerie sichtlich gefasst: „Es liegt ja doch nicht in unserer Hand“, sagt einer, als die Feuerwehr vorfährt. In Kürze liegen hier am Ufer insgesamt 700 Meter Doppelröhre, einen Meter hoch und bald prallgefüllt mit dem reichlich vorhandenen Innerste-Wasser. Die Ochtersumer Ortsfeuerwehr hat mit der Flutröhre geübt, jetzt sitzt jeder Handgriff.

Davon überzeugt sich auch Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer, der die Einsatzstellen abfährt und bei den Lagebesprechungen mit der Feuerwehr-Spitze am Tisch sitzt. Nach vier Tagen Hochwasser-Einsatz sagt er am Dienstag: „Verglichen mit dem Nordkreis ist die Lage bei uns in Hildesheim relativ entspannt, wir erwarten, dass es nicht mal annähernd in Richtung 6,80 Meter geht.“ Aber schon einmal, an Heiligabend, hatte Hildesheim angesichts der Zahlen vorsichtig aufgeatmet, dann kamen schwere Regenfälle im Harz, die die Innerstetalsperre, die bislang das Schlimmste abgehalten hatte, über den Rand ihrer Kapazität brachte. Im wahren Wortsinn, denn die Harzwasserwerke mussten den Zufluss in die Innerste vervielfachen. Deshalb ergänzt der Rathaus-Chef: „Wir haben am ersten Weihnachtstag gesehen, wie schnell sich alles ändern kann.“ Mit Sorge betrachte er die Wetterprognosen fürs Wochenende, die Stadt sei „noch nicht durch“.

Großes Lob für die Einsatzkräfte in Hildesheim

Großes Lob hat der Oberbürgermeister für die vielen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte, ob sie nun Sandsäcke füllen, stapeln, Dämme aufbauen und kontrollieren oder Essen an die Helfer verteilen: „Mein allergrößter Dank an dieser Stelle, ausgerechnet an Weihnachten waren Sie da, als wir Sie brauchten – und ich fürchte, Sie werden es weiter sein müssen.“ Berufsfeuerwehr-Sprecher Kröhl hebt besonders die Leistung der Freiwilligen hervor: „Super Arbeit, Hochachtung!“

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