Friedrichshafen/Giesen - So richtig wussten die Bundesliga-Volleyballer der Helios Grizzlys Giesen am Samstagabend in Friedrichshafen nicht wohin mit ihren Emotionen. Außenangreifer Lorenz Karlitzek hatte gerade einen Angriff über den Block des VfB ins Aus geschlagen – es war ausgerechnet der letzte Angriff des Play-Off-Viertelfinales. Durch Karlitzeks Angriff ins Aus sicherte sich der Rekordmeister vom Bodensee dank eines knappen 3:2-Tie-Break-Erfolges den Einzug in das Halbfinale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft.
Die Giesener standen eine Weile noch in der Halle, umarmten sich gegenseitig und mitunter floss womöglich auch die eine oder andere kleine Träne der Enttäuschung in den Gesichtern herunter. Doch es kamen auch schnell ein paar lächelnde Gesichter hinzu – und genau das beschrieb die Crux der Grizzlys gut. Nach dem Aus im dritten und entscheidenden Play-Off-Spiel herrschte teilweise Ungewissheit, ob man nun enttäuscht sein sollte über das Ausscheiden oder stolz sein, über das bis hierhin erreichte. Giesens Trainer Itamar Stein sagte dazu: „Es sich nach einer Mischung aus großer Enttäuschung, aber auch stolz an.“ Später wurde er noch präziser. „Was die Spieler, diese Saison, ganz besonders aber in den letzten zwei Wochen geleistet haben: wir waren immer auf Augenhöhe, hatten auch heute eine Chance, aber am Ende geht uns etwas die Luft aus. Es ist schade und natürlich sind wir auch enttäuscht“, so der Coach. Kapitän Hauke Wagner bestätigte das: „So direkt nach dem Spiel ist die Enttäuschung groß, dafür war es zu knapp. Aber schon im Bus mit ein bisschen Abstand hat man gemerkt, was man diese Saison geleistet hat.“
Grizzlys starten gut
Er hatte recht, wie schon in Spiel eins, dass die Giesener am Bodensee mit 3:2 für sich entscheiden konnten, aber auch bei der 1:3-Heimspiel-Niederlage vergangenes Wochenende war der VfB Friedrichshafen keinesfalls übermächtig und unschlagbar. Beide Teams gingen gehandicapt in das Entscheidungsspiel. Beim VfB fehlte der gesperrte Kapitän und Zuspieler Dejan Vincic, nachdem er in Giesen seine dritte laufende rote Karte gesehen hatte. Zudem fiel auch Außenangreifer Ziga Stern aus. Die Giesener mussten auf Diagonalangreifer Colito (erkrankt) verzichten, nachdem Spiel verriet Trainer Stein zudem auch, dass Außenangreifer Francisco Iribarne unter starken Magenproblemen litt. Der Spanier biss aber weitestgehend auf die Zähne, erhielt einzig in Satz vier eine kurze Auszeit.
Den besseren Start in die mit 1000 Zuschauern ausverkaufte Bodensee-Airport-Arena erwischten die Gäste. Zwar blieb Durchgang eins weitestgehend eng und umkämpft, doch das bessere Ende hatten die Giesener für sich, weil VfB-Mittelblocker Aleksandar Nedeljkovic einen Angriff zum 27:25 ins Aus schlug. Doch die prompte Antwort folgte in Satz zwei. Schnell lag der VfB mit 7:3 in Front. Vor allem Diagonalangreifer Michal Superlak punktete immer wieder. Selbst ein 14:9-Rückstand ließ die Giesener aber nicht verzweifeln. Sie kämpften sich bis zum 24:23 wieder heran, ehe Vojin Cacic aber doch zum 1:1-Satzausgleich (25:23) punkten konnte.
Knackpunkt Satz vier
Eng und spannend wie die Partie war, sicherte sich Giesen dann wieder Satz drei. Entscheidend waren dafür Punkte von Hauke Wagner und eine unglaubliche Aufschlagserie von Fedor Ivanov. Der finnische Zuspieler ging bei 21:19 an die Aufschlaglinie und brachte seinen Service bis zum 24:19 durch. Den zweiten Satzball nutzten die Giesener dank eines Aufschlagfehlers vom Friedrichshafener Cacic. Doch wie schon im ersten Spiel am Bodensee ging Satz vier ziemlich deutlich an den VfB. Die Giesener ließen früh abreißen und mussten sich über 9:5, 18:11 und 21:13 am Ende mit 25:14 geschlagen geben. „Wer weiß wie Friedrichshafen mit dem Druck umgeht, wenn wir den Satz enger gestalten“, sagte Wagner später. „Vielleicht haben wir aber auch zu viel nachgedacht was plötzlich möglich wäre.“ Für Giesens Coach Stein war der vierte Satz später ein Knackpunkt: „Wir haben schlecht angefangen im vierten Satz und dann geht uns die Luft aus.“ Giesens Mittelblocker Jakob Günthör ging sogar noch weiter: „Wir machen das gesamte Spiel über zu viele Eigenfehler.“ Er hätte an alter Wirkungsstätte etwas ganz besonderes schaffen können, zeigte sich trotz des Ausscheidens aber nicht unzufrieden. „Nicht viele haben damit gerechnet, dass wir Friedrichshafen so fordern. Es war nicht schlecht, aber natürlich tut es jetzt direkt nach dem Spiel weh. Morgen können wir aber sicher sagen, dass die Saison nicht schlecht war“, ergänzte er.
„Weiterkommen wäre möglich gewesen“
Den entscheidenden Tie-Break konnten die Giesener zwar wieder enger gestalten, doch der VfB behielt am Ende die Oberhand. Gegen Diagonalangreifer Superlak, der am Ende mit 24 Angriffspunkten die meisten des Spieles für sich verzeichnen konnte, war kein Kraut mehr gewachsen. Nach einem harten Aufschlag des Polen war es Karlitzek, der beim letzten Angriff ins Aus schlug. Schon kurz nach Ende zeigte sich Stein aber wieder angriffslustig: „Natürlich sind wir enttäuscht, aber wir sind jetzt auf den Geschmack gekommen, erfolgreich zu sein, und nächstes Jahr werden wir ins Halbfinale einziehen.“
Wagner, der trotz der Niederlage MVP der Partie wurde, sagte abschließend: „Ich bin überzeugt, dass es möglich gewesen wäre weiterzukommen. Am Ende sind es Kleinigkeiten auf beiden Seiten, die das Ding entscheiden.“
