Hildesheim - Klimawandel, knappe Ressourcen und die Energiekrise – die Kernthemen zum Motto des Tages der offenen Moschee am Montag, 3. Oktober in Hildesheimer könnten aus einem Papier der Initiative Fridays for Future stammen. Doch in diesem Fall beziehen sich die Gastgeber, die Vorstandsmitglieder der Selimiye Moscheegemeinde auf den Koran. „Esst und trinkt, aber verschwendet nicht“, lautet eine der zahlreichen Aufforderungen des Glaubensbuchs.
Von 11 Uhr an sind Gäste in dem Gebäude des ehemaligen Elektronikmarktes der Medimax-Kette auf der Höhe Kennedydamm willkommen. Um seinen Einblick zu bekommen und Fragen zu stellen, lädt Melanie Gündüz ein, die die stellvertretende Vorstandsvorsitzende und für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde zuständig ist.
Tag der offenen Moschee
Hier kommen jeden Freitag zum traditionellen Gebetstag mehrere hundert Muslime – Männer und Frauen – zusammen. „Unsere Gemeinde ist seit dem Umzug aus dem Bischofskamp weiter gewachsen“, sagt Gündüz. In dem neuen Gebäude ist – auch unter Corona-Bedingungen – genügend Platz. Auch für Konferenzen und Bildungsveranstaltungen, ergänzt sie.
Neben ihr sitzt im Geschäftszimmer des Gebäudes Müzeyyen Tatar, die ebenfalls im Vorstand tätig und als Elternvertreterin für die Koranschule verantwortlich ist. Hinzu kommt ein Nachhilfeangebot, das mit der Caritas gemeinsam auf die Beine gestellt wird, sowie weitere Projekte der Kinder- und Jugendarbeit. „Wir sind vor allem in der Nordstadt mit vielen Vereinen und Institutionen gut vernetzt“, sagt Gündüz. Dazu zähle auch die Martin-Luther-Gemeinde.
In der Nordstadt vernetzt
Und die direkte Nachbarschaft wie die Gärtnerei Blume. „Die Gärtnerei hilft uns mit ihren Gerätschaften, wenn wir Baumaterial auf dem Gelände bewegen müssen.“ Erworben hat die Immobilie 2020 die Dachorganisation Ditib, eine islamische Religionsbehörde, die direkt der türkischen Regierung untersteht, die das Gelände dann an die Hildesheimer Gemeinde überschrieben hat.
Dort sollen nun noch neue Spiel- und Sportflächen sowie eine Art Außengastronomie entstehen. Große Pläne also - und die werden vor allem in Eigenleistung umgesetzt. Der Aufwand und die Coronapause haben dazu geführt, dass die Gemeinde erst jetzt einen Tag der offenen Moschee ausrichtet. Auch künftig will sie stärker in Erscheinung treten, sagt Gündüz: „Wir waren im Bischofskamp in einer Art Hinterhof Hildesheims, nun werden wir für alle sichtbar.“
Gemeinde will sich offen zeigen
Unter dem Dach der Gemeinde seien Gläubige vieler Nationen vertreten, es dominieren aber vor allem Hildesheimer mit türkischen Wurzeln, die im Zuge der Anwerbung von Arbeitern seit den 1960er Jahren in die Stadt gekommen seien und mittlerweile in der dritten und schon vierten Generation hier leben.
Die Gemeinde wollen sich offen zeigen, betont Gündüz. „Gäste, die uns kennenlernen wollen, sind immer willkommen.“ Das sei bereits während der Umbauphase immer wieder der Fall gewesen. „Einmal hat sich hierhin ein Bus mit Bundeswehrangehörigen verfahren, die haben gleich mit uns das Gespräch gesucht“, nennt sie ein Beispiel.
Energetische Sanierung
Am Montag bietet sich zu einem solchen Austausch wieder eine Gelegenheit. Auch, um die Gemeinde zum einen als Glaubensort, aber auch als Bildungsstätte kennenzulernen. Und als Beispiel einer energiebewussten Renovierungsmaßnahme. Auch darauf legt der 39-jährige Gemeinde-Imam Taner Kekec gr0ßen Wert, wie er in seinem Einladungstext schreibt. Am Montag wird er einer der Ansprechpartner vor Ort sein.
