Mit EU-Geldern

Graffiti-Kunst für Hildesheims Fußgängerzone – die Bürger können mitbestimmen

Hildesheim - An vielen anderen Orten in Hildesheim ziehen sie die Blicke bereits auf sich, nun sind auch zwei große Graffiti in der Fußgängerzone geplant – das Besondere: Bürgerinnen und Bürger dürfen mitentscheiden.

Hildesheim - Mehrere Gebäude an der Fußgängerzone sollen eine Frühjahrskur bekommen. Viel Farbe ist Trumpf: Am Almstor und an der Ecke Wallstraße werden großflächige Graffitis entstehen. Fünf Künstlerinnen und Künstler arbeiten gerade an Entwürfen, anschließend haben bei der Motivwahl auch die Hildesheimerinnen und Hildesheimer das Wort. Der Zeitplan ist straff, spätestens Ende April sollen die Wände fertig sein.

„Wir haben schon lange überlegt, wie wir die Innenstadt ein bisschen schöner machen können“, sagt Eckhard Homeister, bei der Stadt Hildesheim für Wirtschaftsförderung und Innenstadt-Management zuständig. Die guten Erfahrungen mit dem überlebensgroßen „Zeitangler“, der seit November 2021 die Fassade des Panorama-Hochhauses an der Schuhstraße schmückt, führten zur Idee, weitere Gebäude in Hildesheim mit Graffiti-Kunst zu veredeln.

90 000 Euro von der EU

Das Programm „React“, das die Europäische Union aufgelegt hat, um Innenstädte attraktiver zu machen, spielte der Planung in die Karten. Die Stadt bewarb sich auf die Ausschreibung und bekam den Zuschlag, so dass jetzt 90 000 Euro für das Projekt zur Verfügung stehen. Vorher mussten freilich Hauseigentümer gefunden werden, die ihre Fassaden zur Verfügung stellen.

Kein einfaches Unterfangen, so Homeister, denn bislang steht ja nicht einmal fest, um welche Motive es sich handeln wird. Doch es gelang, vier Eigentümer von der Idee zu überzeugen. Das ehemalige 2025-Projektbüro am Almstor, das jetzt noch die Aufschrift „Die Route wird neu berechnet“ trägt, ist das eine Objekt – das andere der Flachbau an der Ecke Wallstraße samt der darüber liegenden Giebelwand.

Die Umsetzung will die Stadt allerdings nicht selbst übernehmen, sondern Menschen überlassen, die Erfahrung mit derartigen Projekten haben. Eine Ausschreibung an externe Dienstleister entschied letztlich die Kulturfabrik für sich, die auch schon die Federführung bei der Wandkunst in der Nordstadt hatte.

Kufa-Geschäftsführer Stefan Könneke holte als erstes den Fassadenkünstler Ole Görgens ins Boot. Der 42-Jährige aus Sibbesse hat bereits mehrere große Hauswände in der Nordstadt gestaltet und auch den „Zeitangler“ in der Schuhstraße gesprüht.

Hauseigentümer entscheiden mit

Diesmal allerdings wird er nicht selbst künstlerisch aktiv sein. Neben der Koordination ist Görgens für die Ideenfindung und die Beteiligung der Öffentlichkeit zuständig. Im Dezember hat er schon ein Show-Malen und einen Workshop auf dem Angoulêmeplatz organisiert. Die dabei gesammelten Vorschläge sollen den Künstlerinnen und Künstlern als Inspirationsquelle dienen – wobei die Hauseigentümer bei der Motivwahl „auch ein Wort mitreden dürfen“, wie Stefan Könneke betont.

Es geht unkomplizierter, aber dann hat man einen Standard-Auftrag

, Projektkoordinator Ole Görgens

Hauseigentümer, eine Jury und die Bevölkerung sollen schließlich gemeinsam entscheiden, welche Künstler und Entwürfe zum Zuge kommen. Es wird in Kürze die Möglichkeit geben, online abzustimmen, außerdem Aktionen in der Fußgängerzone, bei denen man vor Ort seine Meinung kundtun kann. „Es geht unkomplizierter“, sagt Ole Görgens zum aufwendigen Vorlauf, „aber dann hat man einen Standard-Auftrag.“

Und das soll es eben nicht werden. Die Kufa ist derweil damit beschäftigt, technisch alles so vorzubereiten, dass im Frühjahr die Realisierung ohne Zeitverzögerung beginnen kann. Hubsteiger und Gerüste werden benötigt, Statik-Fragen sind zu klären. An einer Fassade muss zudem der Untergrund gereinigt und repariert werden, bevor die Sprayerinnen und Sprayer ans Werk gehen. Wenn es so weit ist, soll auch die Bevölkerung etwas davon haben. „Wir werden ein bisschen Rahmenprogramm drumherum machen“, verspricht Könneke.

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