In der Gemeinde Lamspringe wird ein neues Pferdesportzentrum eröffnet. Für Reitbegeisterte aller Altersgruppen ist eine moderne und vielseitige Einrichtung entstanden. Das Besondere: Therapie, Pädagogik, Sport und Integration verbinden sich dort miteinander. Menschen mit Behinderungen werden in die Arbeitsabläufe rund um den Umgang mit Pferden sowie in einen großen gastronomischen Betrieb mit Veranstaltungszentrum eingebunden.
Im Rahmen eines dreitägigen Westernreitturniers wird die Anlage am Pfingstwochenende vom 17. bis 20. Mai eröffnet. Dazu sind alle Menschen eingeladen, die sich das neue Pferdesportzentrum Lammetal ansehen wollen.
Auf der „grünen Wiese“, am Ortsausgang Lamspringes Richtung Seesen, in direkter Nachbarschaft des Heilpädagogischen Kindergartens der Lebenshilfe Alfeld, ist ein ideales Zentrum für Pferdesport und Veranstaltungen entstanden. Die letzten Arbeiten werden gerade von den baubeteiligten Firmen ausgeführt.
Beim Rundgang wird klar: Das Pferdesportzentrum, das von der Lammetal GmbH errichtet wurde und betrieben wird, überzeugt Pferdesportler und -halter mit einer erstklassigen Ausstattung. Ein breites Spektrum an Aktivitäten rund um Pferde und Ponys ist dort möglich.
In den zwei großen Reithallen, die 30 mal 60 Meter und 40 mal 65 Meter in der Reitfläche messen, ist witterungsunabhängig Pferdesport und Reittherapie möglich. 300 Personen können auf der Tribüne Platz nehmen, für Hallensprecher und Punktrichter gibt es spezielle Kabinen.
Für ein solches Pferdesportzentrum mit Gastronomie gibt es Vorbilder in Berlin oder Köln, erklärt Carolin Reulecke, die Geschäftsführerin der Lammetal GmbH. „Das Konzept der Kombination aus Gastronomie, Veranstaltungsort, Reitveranstaltungen und Reittherapie funktioniert“, ist sie auch für Lamspringe überzeugt.
Die Anlage des Pferdesportzentrums umfasst großzügige Stallungen mit 40 modernen Boxen, die auf das Wohl der Tiere und den Komfort der Pferdebesitzer ausgerichtet sind. Gestartet wird mit zehn Therapiepferden. Für die Tiere stehen weitläufige Weiden zur Verfügung, auf denen sie sich frei bewegen können. Ein qualifiziertes Team von Pflegern und Trainern kümmert sich um das Wohl der Tiere. Für Reiterinnen und Reiter jeden Leistungsstandes bietet das Pferdesportzentrum eine Vielzahl von Möglichkeiten: Von inklusivem Reitunterricht für Anfänger bis hin zu fortschrittlichen Trainingsprogrammen für erfahrene Reiterinnen und Reiter.
Die Idee ist gewachsen: Zuerst war der Name noch „Reittherapiezentrum“, daraus wurde das „Pferdesportzentrum Lammetal“. Weit mehr Möglichkeiten können so realisiert werden. Lamspringe hat sich zu einem Zentrum für das Erlernen des Reitens entwickelt – das neue Pferdesportzentrum wird diese Entwicklung perfekt ergänzen. Durch verschiedene Programme und Kurse werden Kindern und Jugendlichen der verantwortungsvolle Umgang mit den Tieren sowie wichtige Werte wie Inklusion, Teamwork und Durchhaltevermögen vermittelt. „Es gibt bereits Kindergärten und Schulen, die Anfragen gestellt haben“, erklärt die Lammetal-Geschäftsführerin das offene Konzept.
Das Pferdesportzentrum eröffnet somit nicht nur den Reitern der Region neue Möglichkeiten, sondern bereichert auch das kulturelle und sportliche Angebot von Lamspringe. Es schafft eine verbindende Plattform für Pferdefreunde und trägt zur Förderung des inklusiven Pferdesports im Landkreis bei.

Idee, Projekt und Realisation
Die Idee, ein Reittherapiezentrum zu errichten, entstand bereits 2017. Das Projekt wuchs mit dem Gedanken, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport treiben können. Sport bringt die Menschen zusammen und insbesondere der Reitsport, die Arbeit mit Pferden schafft Vertrauen auf allen Seiten.
Neben Therapieangeboten soll dort auch Platz sein für regulären Reitsport. Die Kombination mit einem von allen nutzbaren Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieb war dann naheliegend. Es ist ein weiteres Großprojekt der Lammetal GmbH. Aber: „Es ist eine Herausforderung gewesen, dieses Projekt zu finanzieren“, so Reulecke
Carolin Reulecke erklärt: „Es wird ein inklusives Konzept verfolgt, sodass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten, betreut und gefördert werden, Sport treiben und Freizeit gestalten.“ Nicht nur die Behinderung stehe im Mittelpunkt, sondern das Miteinander.

Veranstaltungen
Das Pferdesportzentrum böte einen Mehrwert für die Region. Das gelte nicht nur für Pferdesportfreunde, sondern auch für alle Menschen. Denn auf dem Gelände ist auch ein großer, leistungsfähiger Gastronomiebetrieb entstanden.
Dort sind auch Veranstaltungen möglich, die gar nichts mit Pferden und Reitsport zu tun haben. Firmen können dort Seminare abhalten, die komplette Technikausstattung zum Beispiel Beamer, ist bereits vorinstalliert. Auch Familienfeiern wie runde Geburtstage oder Konfirmationen sind in großem und kleinen Rahmen möglich. Für 80 bis 100 Personen, bestuhlt oder mit Tischen, sind diese Räume geeignet. Auch größere Veranstaltung bis 200 Personen können durch das Öffnen der Räume realisiert werden.
Gastronomie à la carte
Die „Miara Ranch“ ist ein eigenständiges Restaurant, das eine à-la-carte-Speisekarte bereit hält. Das Ambiente ist rustikal gemütlich und thematisch am Pferdesport orientiert. Eine integrierte „Pferdebox“ lockert die Gestaltung auf.
Vom geräumigen Gastraum kann der Blick über den großen Freiluftturnierplatz schweifen. Vor dem modernen Bau ist auch eine große Terrasse für die Außengastronomie und als Tribüne für die Turniere angelegt.
Aus einem anderen Gastraum können Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden und Ponys in der Reithalle beobachtet werden. Eltern haben so die Therapiestunden ihrer Kinder im Blick. Das Besondere an dem Raumkonzept des Gastronomiebetriebs: Die Räume lassen sich mit Trennwänden teilen oder öffnen, je nachdem, von wie vielen Menschen sie genutzt werden sollen. Dazu gibt es einen eigenen Buffettraum.
Das gastronomische Angebot wird auch Thementage beinhalten, betont Carolin Reulecke. Das Restaurant ist das ganze Jahr über bis auf montags an jedem Wochentag geöffnet. Der Küchentrakt des Pferdesportzentrums wurde bereits nach EU-Standard abgenommen. „Wir haben gut bestanden und dürfen in Betrieb gehen“, freut sich die Geschäftsführerin beim Rundgang. „Hier werde ich nicht so oft Kochen“, scherzt Caroline Reulicke.
Mittlerweile kann dieser Bereich nicht mehr von betriebsfremden Besuchenden begangen werden. Viel Edelstahl in weiß gefliesten Räumen dominieren das Bild. Zudem gibt es Kühlräume, einen Bürotrakt und Umkleiden. Die persönlichen Spinde sind getrennt nach Straßen- und Dienstkleidung.

Großküche und Arbeitsplätze
Räumlich von der Küche des à-la-carte-Restaurants getrennt, ist die Großküche untergebracht. Durch sie werden Gemeinschaftseinrichtungen mit Essen versorgt. Neben eigenen Standorten der Lammetal GmbH werden weitere Kindergärten und Schulen beliefert. „Unsere aktuelle Großküche bereitet schon 400 Essen am Tag zu“, berichtet Carolin Reulecke. Mit der neuen Großküche soll dieses Angebot auf 700 bis 800 Essen am Tag gesteigert werden. „Wir nehmen neue Kunden an“, informiert die Geschäftsführerin.
Im Gastronomiebereich werden 24 Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt werden. Daneben sind 15 bis 20 Köchen und Servicekräften und Hauswirtschaftler dort beschäftigt. „Weitere Köche und Servicekräfte werden noch gebraucht“, so Carolin Reulecke. Die meisten der neuen Arbeitsplätze im Pferdesportzentrum entstehen in der Gastronomie, insgesamt werden es wohl knapp 50 neue Jobs sein, die hier geschaffen werden.
Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderung ihr Leben nicht mehr an vorhandene Strukturen anpassen müssen. Vielmehr ist die Gesellschaft aufgerufen, Strukturen zu schaffen, die es jedem Menschen – auch den Menschen mit Behinderung – ermöglichen, von Anfang an ein wertvoller Teil der Gesellschaft zu sein.
Inklusionsbetriebe wie das Pferdesportzentrum bringen neue Perspektiven für die Mitarbeitenden und Gäste mit sich und eröffnen so viele neue Möglichkeiten für eine offene und vielfältige Arbeitswelt. Durch den Besuch solcher Gastronomiebetriebe kann man dazu beitragen, eine inklusive Gesellschaft zu fördern und gleichzeitig leckere Gerichte genießen.
Ein Beispiel, dass die Qualität dieses Konzeptes bereits seit vielen Jahren beweist, ist das Restaurant „Miara“ der Lammetal GmbH in Hildesheim. Hier arbeiten Menschen mit Behinderungen und bieten ihren Gästen ein einzigartiges kulinarisches Erlebnis. Das Restaurant erfreut sich großer Beliebtheit.

Reittherapie und Inklusion im Pferdesport
Die Pferde oder Ponys gehen oder traben an einer etwa 20 Meter langen Longe im Kreis. Die neuen Reithallen in Lamspringe sind auch deshalb so groß dimensioniert, weil Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen und so besteht die Möglichkeit der Aufteilung. Die Tiere sind allesamt gut ausgebildet.
Ein Wermutstropfen: Die Reittherapie wird nicht von den Leistungsträgern übernommen, die Familien müssen die Stunden selbst bezahlen. „Aber das Interesse ist da“, weiß die Lammetal-Geschäftsführerin.
Menschen mit Behinderungen erfahren bei der Reittherapie Vertrauen, gerade auch von den Pferden. Sie werden getragen, die Tiere reagieren auf die Reitenden. Dazu kommt, dass die Reiterinnen und Reiter Verantwortungsgefühl lernen, weil sie Verwantwortung für die Tiere übernehmen müssen. Kombiniert werden diese Aspekte mit dem Faktoren Sport und Spaß.
Sport ist auch ein Türöffner für das Verhältnis von Kindern mit Handicap zu Altersgenossen ohne Behinderung. Über Bewegung und Sport können Hemmschwellen abgebaut werden. Sport hilft, ein Klima der Integration zu schaffen.
Durch die Bewegungen des Pferdes werden viele körperliche Prozesse angeregt - unter anderem werden Muskulatur, Gleichgewichtssinn, Koordination und Haltung verbessert. Zudem unterstützt die Kontaktaufnahme mit dem Pferd die emotionale Entwicklung, Selbstbewusstsein und soziale Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Barrierefreiheit
Inklusion in der Reittherapie bedeutet, sämtliche Barrieren abzubauen, um allen Interessierten den Zugang zu ermöglichen. Das Pferdesportzentrum Lammetal ist mit seinen Anlagen und Angeboten barrierefrei gestaltet. Speziell ausgebildetes Personal ist zur Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen vorhanden und individuelle Therapiepläne sind auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen zugeschnitten. Durch die Förderung von Inklusion in der Reittherapie wird also nicht nur die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Pferdesport unterstützt, sondern auch ein Umfeld geschaffen, in dem Vielfalt geschätzt und gefördert wird. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Möglichkeit haben, sich bestmöglich zu entwickeln und zu entfalten.

Kooperationen
Im Pferdesportzentrum der Lammetal GmbH ist zudem geplant, mit Ärzten und Fachverbänden der Eingliederungshilfe zusammenzuarbeiten. Auch eine Kooperation mit den verschiedenen Fachverbänden des Reitsports und den Special Olympics ist geplant. hst
Mehr Informationen unter: www.lammetal.net.
