Gala-Konzert

Große Kontraste beim Preisträgerkonzert der Hildesheimer Jazztime

Hildesheim - Beim zweiten Gala-Abend der Hildesheimer Jazztime standen die Preisträger des HI-Five-Jazz-Award auf der Bühne. Dabei waren die Unterschiede groß.

Das Jakob Manz Projekt mit Saxophonist Jakob Manz, Pianist Hannes Stollsteimer, Bassist Frieder Klein und Schlagzeuger Paul Albrecht beim Gala-Konzert der Jazztime. Foto: Norbert Mierzowsky

Hildesheim - Gemessen an der herausragenden Qualität dessen, was das Publikum am zweiten Gala-Abend im Stadttheater geboten bekam, wird es in den kommenden Jahren nicht einfacher werden, Preisträger für den HI-Five-Jazz-Award zu finden. Zum zweiten Mal wurde der vom Hildesheimer Rotaryclub ins Leben gerufene Preis ausgelobt, und die Resonanz aus Musikerkreisen war fantastisch, es gab drei Mal so viele Bewerbungen wie bei der Premiere im vergangenen Jahr, teilt Rotary-Sprecher Werner Greve vor dem Konzertbeginn mit.

Insgesamt 60 Einsendungen hatte die Jury gesichtet und gewichtet, bis die beiden Sieger feststanden. Das Maik-Krahl-Quartett bekam den Förderpreis, der Hauptpreis ging an das Jakob Manz Project, und beide Bands standen jetzt bei der Jazztime nacheinander auf der Bühne des großen Hauses.

Jazz-Herzen schlagen höher

Es war ein Abend der Kontraste, der jedes Jazzer-Herz höher schlagen ließ. Der Trompeter Maik Krahl machte mit seinem Quartett den Anfang. Und was für einen. Sein Ton, sein Spiel war streckenweise so, als hätte er ein Flügelhorn: rund, samtig, weich wie eine Wohlfühldecke. Geschickt variierte er zwischen unmenschlich langen und komplexen Läufen und schönen Melodiebögen und Themen.

Als Sahnehäubchen kam auch Elektronik ins Spiel: Bei einem Stück setzte er einen Harmonizer ein, ein Effektgerät, das ihn alleine mehrstimmig spielen ließ, bei einem anderen gestaltete er das Intro alleine mit Hall, Echo und Loopstation so, dass eine wabernde Klanglandschaft dabei herauskam und wandelte dabei auf den Spuren von Randy Brecker oder Nils Petter Molvaer.

Pianist Constantin Krahmer, Bassist Jakob Kühnemann und Schlagzeuger Fabian Rösch komplettieren das Quartett und sorgten dafür, dass die Menschen vor der Bühne großartigen, modernen, zeitgenössischen Jazz zu hören bekamen, der aus all seinen Wurzeln schöpft und mit irrwitzigen Tempowechseln innerhalb der Nummern zu einem pulsierenden Organismus wurde.

Einer anderen Facette des Jazz hat sich das Jakob Manz Project verschrieben: Die Träger des Hauptpreises leben und atmen den Geist der Fusion der ausgehenden 80er- und beginnenden 90er-Jahre und transferieren ihn ins Heute. Saxophonist und Namensgeber Manz ist ein Energiebündel, das die Bühne auslotet. Virtuos, funky, funkensprühend.

Musikalische Duelle auf der Bühne

Grandios waren auch die Solopassagen, in denen er sich erst mit Schlagzeuger Paul Albrecht, später mit Pianist und Keyboarder Hannes Stollsteimer musikalisch duellierte. Da wurden teilweise Erinnerungen an Candy Dulfer wach. Bassist Frieder Klein sorgte für tieffrequenten Groove und tolle Akzente.

Besonders spannend an der Musik des Jakob Manz Projects ist die, positiv gemeint, vordergründige Gefälligkeit. Unter der Oberfläche zeigen sich Komplexität und Raffinesse. Die dynamische Bandbreite reicht von gefühlvoll-balladesk bis Vollgas-Funk. Das riss zum Schluss die Menschen aus den Sitzen.

Perfekter Sound

Ein Lob gebührt dem Mann am Mischpult: Der Sound an diesem Abend war einfach nur perfekt. Und wenn man aus einem solchen Abend mit dem Gefühl geht, es sei alles viel zu kurz gewesen, war die Musik eben perfekt. Oder die Jazztime-Veranstalter müssen den Acts im kommenden Jahr mehr Zeit einräumen.

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