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Großbrand in Diekholzen: Zwei Gebäude ehemaliger Lungenklinik ausgebrannt – Feuerwehr kämpft gegen Ausbreitung der Flammen

Diekholzen - Ein Großaufgebot von Feuerwehrleuten ist am Dienstagabend auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik in Diekholzen im Einsatz. So ist die Lage gegen Mitternacht. (mit Video)

Einsatz in Diekholzen: Die seit Jahren leerstehende ehemalige Lungenklinik brennt lichterloh. Die Arbeiten dauern bis in die Nacht hinein. Foto: Chris Gossmann

Diekholzen - Zwei Gebäude der ehemaligen Lungenklinik in Diekholzen stehen am späten Dienstagabend in Flammen. Ein Großaufgebot der Feuerwehr hat alle Hände voll zu tun, um ein Übergreifen der Flammen auf weitere Häuser des früheren Klinikgeländes oder auf den nahen Waldrand zu verhindern.

Im Einsatz sind vier Löschzüge, zwei aus der Gemeinde Diekholzen und zwei weitere aus dem Stadtgebiet von Bad Salzdetfurth. Um 21.33 Uhr ging der Alarm ein, gegen 23 Uhr ist das Feuer zumindest so weit eingedämmt, dass die Gefahr einer weiteren Ausbreitung gebannt erscheint. Doch die Löscharbeiten werden wohl noch bis weit in die Nacht dauern.

Feuer bricht in früherer Privatstation aus

Die Klinikgebäude stehen leer, seit die Lungenklinik im Herbst 2018 in einen Anbau des Helios Klinikums in Hildesheim umzog. Das Feuer brach nun in einem Gebäude aus, das vom Haupteingang aus gesehen im hinteren Teil des Geländes liegt: in der früheren Privatstation der Klinik. Von dort wehte der Wind die Flammen auf das ehemalige Haus Hildesheim hinüber, das am Ende der Nacht auch komplett ausgebrannt sein dürfte.

Eigentlich will die Gemeinde die alten Klinikgebäude für ein soziales Wohnprojekt nutzen, die Heimstatt Röderhof hat Interesse. Die Gemeinde kaufte das Gelände nach dem Helios-Umzug per Vorkaufsrecht und plant mittlerweile seit gut fünf Jahren eine Nachnutzung des gesamten Bahnbergs durch Wohnbebauung.

Erst war ein Abriss der meisten alten Häuser und eine Reihe von Neubauten geplant, doch im Laufe der vergangenen Jahre musste die Gemeinde die Pläne immer weiter abspecken – vor allem aus Naturschutzgründen. So rückte eine Nutzung der bestehendenn Gebäude immer mehr in den Fokus – und nun funkt das Feuer dazwischen, das die Gemeinde erneut zum Umdenken zwingt.

Gemeindebürgermeister Bludau meldet den Brand als Erster

Der Feuerschein war am späten Abend bis Söhre zu sehen. Von dort fuhr Gemeindebürgermeister Matthias Bludau auf Diekholzen zu, als sich der Brand noch auf eine einzelne Flammensäule beschränkte. Er kam gerade von einer Sitzung, verständigte selbst die Feuerwehr und öffnete für die Einsatzkräfte das schwere Stahltor zum Klinikgelände. Das hätte die Feuerwehr sonst erst noch aufbrechen müssen.

Die Brandschützer legten dann Schlauchleitungen in verschiedene Richtungen, leiteten Wasser aus Hydranten am Friedhof, am NP-Markt und am Seniorenheim zum Brandort. Dort richteten sie den Wasserstrahl auch aus dem Korb der Drehleiter von oben auf die Flammen. Schließlich bauten sie auch noch eine Wasserversorgung von der Beuster auf.

Detektoren geben Alarm

In der Vergangenheit hielten sich immer mal wieder Unbefugte auf dem Gelände auf, wie Bürgermeister Bludau berichtet. Daher stellte die Verwaltung in mehreren Gebäuden sogenannte Spexoren auf, auch in den beiden vom Brand betroffenen Häusern. Dabei handelt es sich um mobile Alarmgeräte mit Bewegungsmeldern, die auch auf Erschütterungen reagieren. Wenn der Detektor etwas wahrnimmt, schickt er automatisch ein entsprechendes Signal auf die Smartphone von Bludau, Ordnungsamtsleiter Benjamin Möhle und einem weiteren Mitarbeiter der Gemeinde.

Nach einem Alarmsignal schaut in der Regel einer der drei Empfänger nach dem Rechten. „Wir sind hier nachts schon zigmal gewesen“, berichtet der Bürgermeister. „Meist haben wir aber nichts gefunden.“ Manchmal war vielleicht nur eine vorbeihuschende Maus der Auslöser. Auch am Dienstagabend gab es kurz vor Ausbruch des Feuers einen Alarm auf das Handy: War vielleicht jemand in dem Haus? Wurde das Feuer gelegt? Das müssen nun die weiteren Ermittlungen der Polizei klären.

Ein technischer Defekt ist nach Einschätzung Bludaus jedenfalls äußerst unwahrscheinlich. Denn: „In beiden Häusern gibt es keine Stromkabel mehr“, erklärt er, „die Leitungen sind längst abgeklemmt.“ Heizanlagen mit entsprechenden Brennstoffen gibt es ebenfalls nicht. „Die Häuser sind komplett ausgeräumt, besenrein“, sagt Bludau. „Was sollte sich da von selbst entzünden?“

Von Julia Haller und Thomas Wedig

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