German Property Group

Immobilien-Krimi mit 56-Millionen-Euro-Schaden könnte in Hildesheim vor Gericht kommen

Hildesheim - Nach langen und komplizierten Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Hannover den früheren Geschäftsführer des Immobilienunternehmens German Property Group angeklagt. Der Vorwurf lautet: geschäftsmäßiger Betrug in mehr als zwei Dutzend Fällen. Der Prozess könnte in Hildesheim vor Gericht kommen.

Seit Jahren ungenutzt: Das Firmengebäude von Dolphin Trust, später die German Property Group, an der Straße In den Kolkwiesen in Langenhagen steht leer. Foto: Antje Bismark

Hildesheim - Wer mit Charles Smethurst Geschäfte machte, hat nicht selten sein Vermögen verloren. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Hannover den früheren Geschäftsführer der German Property Group aus Langenhagen angeklagt. Die Ermittler werfen dem Briten geschäftsmäßigen Betrug in 27 Fällen vor, „wovon in 22 Fällen jeweils ein Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeigeführt wurde“, wie die Staatsanwaltschaft in Hannover mitteilte. Die Ermittler gehen von einem Schaden von insgesamt 56 Millionen Euro aus.

Smethurst soll sich vor der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Hildesheim verantworten. Die Kammer muss noch entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird.

Handel mit alten Immobilien

Das Immobilienunternehmen handelte bis zu seiner Insolvenz mit alten Immobilien. In ganz Deutschland wurden baufällige Gebäude gekauft. Privaten Geldgebern überwiegend aus Großbritannien, Irland und Asien wurden Renditen versprochen, wenn sie in die jeweilige Tochtergesellschaft der Gruppe investieren. Das Geld floss zwar, doch möglicherweise wurde es in zahlreichen Fällen nie investiert. Etliche der Immobilien rotten seit Jahren weiter vor sich hin, eine soll angeblich nie existiert haben.

Laut Anklage begannen die Probleme im Jahr 2015. Durch stark steigende Kosten und Verzögerungen bei Bauprojekten kam es zu ersten Liquiditätsengpässen. Verbindlichkeiten konnte German Property nur noch durch Aufnahme neuer Darlehen begleichen. Smethurst beauftragte externe Berater mit der Sanierung der Firmengruppe. Doch die Überschuldung stieg weiter stark an.

German Property täuschte Investoren

Die Ermittler gehen davon aus, dass Smethurst spätestens Mitte 2018 erkannte, dass die Sanierung gescheitert war. Statt aber Insolvenz zu beantragen, sammelte er bei Investoren weiterhin Geld ein. Tausende Kapitalgeber weltweit täuschte er dabei über die Solvenz der German Property Group, so die Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen waren kompliziert. Das Firmengeflecht der Gruppe war riesig. Mehr als 100 Tochtergesellschaften umfasste es nach Angaben des damaligen vorläufigen Insolvenzverwalters Gerrit Hölzle von der Bremer Wirtschaftskanzlei Görg. Das System ist von Singapur aus zum Platzen gebracht worden. Dort fungierte ein Vermittlungsbüro als Vertragspartner der Langenhagener. 2019 wurden die Asiaten misstrauisch.

von Karl Doeleke

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