Kleidung aus zweiter Hand

Großer Mode-Einkaufstag in Alfeld: Bei gleich zwei Events können Frauen nachhaltig shoppen

Alfeld - Nachhaltige Mode liegt im Trend: Am 18. April finden in Alfeld zwei Second-Hand-Veranstaltungen statt. Die VHS organisiert eine Kleidertauschbörse, die Alma-Frauen den Modemarkt „Gönn Dir“ im Autohaus Dreyer. Was steckt dahinter? Was gilt es zu beachten?

Im Tausch-Pop-up-Store haben im vergangenen Jahr Bettina Schröter (links) und Brigitte Neudecker aus Hannover nach neuen Mode-Schätzen gesucht. Die beiden Frauen teilen dasselbe Hobby – sie steuern Tauschbörsen an und sind regelmäßig auch in Alfeld vertreten. Foto: Mellanie Caglar

Alfeld - Viele Kleidungsstücke werden nur selten getragen, obwohl sie noch in sehr gutem Zustand sind. Eine gute Möglichkeit, um ihnen ein zweites Leben zu schenken, sind Tauschbörsen und Second-Hand-Märkte. Solche Angebote gibt es auch in Alfeld – und sie sind beliebt. Überwiegend Frauen suchen dabei nach neuen, modischen Schätzen für den heimischen Kleiderschrank. Ein ganz besonders guter Tag dafür ist der 18. April: An diesem Tag nämlich findet zuerst von 13 bis 17 Uhr die Kleidertauschbörse der VHS in der Schwerdfeger-Aula (Antonianger 6) statt, dann folgt von 17 bis 21 Uhr der Modemarkt „Gönn Dir“ der Alma-Frauen im Autohaus Dreyer (Limmerburg 3).

Tauschwillige kommen aus dem ganzen Landkreis

Die VHS-Tauschbörsen – ins Leben gerufen von Mitarbeiterin Mathilde Pernot – gibt es inzwischen in Alfeld und Sarstedt. Die Tauschwilligen kommen aus der jeweiligen Stadt, aber auch aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus, um auf Gleichgesinnte zu treffen, zu stöbern und zu tauschen. „Die Kleidertauschbörse verbindet mehrere Vorteile miteinander: Besucherinnen können ihre gut erhaltene Kleidung weitergeben und gleichzeitig neue Lieblingsstücke entdecken – ganz ohne Geld auszugeben. Außerdem macht das Stöbern in entspannter Atmosphäre Spaß und bietet die Möglichkeit, nachhaltig zu konsumieren und sich mit anderen auszutauschen“, sagt Pernot.

Die Idee hinter der Aktion sei es, nachhaltigen Konsum zu fördern und Kleidung länger im Umlauf zu halten. „Durch das Tauschen von Kleidungsstücken bekommen sie ein zweites Leben, Ressourcen werden geschont und gleichzeitig entsteht ein gemeinschaftliches Erlebnis“, betont Pernot. Ein Gegenentwurf zur Fast-Fashion-Industrie, die dazu führe, dass Kleidung sehr schnell produziert und ebenso schnell wieder entsorgt werde. Das belaste die Umwelt durch hohen Ressourcenverbrauch,  große Mengen an Textilmüll und oft auch problematische Produktionsbedingungen.

Im vergangenen Jahr stand Pernot über mehrere Wochen hinweg in einem Tausch-Pop-up-Store in der Alfelder City, den sogar Besucherinnen aus Hannover ansteuerten. Die Miete für den Store trugen die VHS, das Forum Alfeld Aktiv und Modedesignerin Alisa Köhring aus Brunkensen (diese Redaktion berichtete). Eine Wiederholung des Stores ist derzeit aber nicht geplant, teilt Pernot auf Anfrage mit.

Für jedes Stück gibt es ein anderes

Sie und ihr Helfer-Team stehen am Samstag, 18. April, wieder in der Schwerdfeger-Aula der VHS bereit. Wer Kleidung abgibt, zahlt 2,50 Euro Eintritt, ansonsten werden fünf Euro fällig. Mitgebracht werden können Mode für Frauen, Männer und Kinder, Schuhe, Schmuck, Accessoires und Taschen. Unter- und Bettwäsche, Bademode sowie verschmutzte, beschädigte und unangenehm riechende Kleidung sind tabu. Maximal 20 Teile nimmt die VHS pro Person an.

Für jedes abgegebene Stück gibt es einen Punkt. Die Tauschwilligen können dann genauso viele neue Kleidungsstücke auswählen, wie sie Punkte haben. Zusätzliche Stücke kosten jeweils zwei Euro. „Die Kleidung, die nach der Börse übrig bleibt, wird an regionale gemeinnützige Organisationen gespendet – zum Beispiel an den Guten Hirten oder das Sozialkaufhaus. So wird sichergestellt, dass die Kleidung weiterhin sinnvoll genutzt wird und Menschen in der Region davon profitieren“, erklärt Pernot. Wer am Börsentag nicht am Eingang in der Warteschlange stehen möchte, kann bereits ab dem 6. April seine Kleidung in der VHS-Geschäftsstelle abgeben. Das ist montags bis freitags zwischen 8 und 14 Uhr möglich.

Markt für hochwertige Mode, nicht Flohmarkt

Wer nach der Tauschbörse noch nicht genug hat von neuer alter Kleidung, kann beim Modemarkt der Alma-Frauen um 17 Uhr im Autohaus Dreyer nahtlos weiterstöbern. Das Konzept ist dort aber ein anderes, wie Mitorganisatorin Ina Lechel (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Alfeld) im Gespräch mit der Redaktion erklärt. Sie hofft, dass sich die beiden Veranstaltungen am selben Tag nicht das Wasser abgraben, sondern sich im Gegenteil ergänzen. Denn beim Format „Gönn Dir“ wechseln die Kleidungsstücke nicht durch Tauschen die Besitzerin, sondern durch Kaufen.

Ganz bewusst möchte Ina Lechel das Event nicht als Flohmarkt verstanden wissen, weil dieser Begriff zu starke Assoziationen mit Billig-Schnäppchen und Grabbelkiste wecke: „Bei uns ist das etwas gehobener: Es gibt viele hochwertige Sachen aus guten Stoffen, die dann auch zu einem vernünftigen Preis verkauft werden“, erklärt sie. Für die Kundinnen, die Lechel stets schon weit vorab nach dem nächsten Termin fragen, kein Problem: „Wir haben Kundschaft, die bewusst denkt“, berichtet sie. Die Haltung hinter der Teilnahme sei meist diese: „Mein Kleiderschrank ist voll mit Teilen, die ich vielleicht nicht getragen habe. Jemand anderes freut sich aber vielleicht darüber, so ein Stück für relativ kleines Geld zu bekommen.“ Von Größe XS an bis zu großen Größen werden Kleidung, Schmuck, Schuhe, Taschen und weitere Accessoires zu finden sein. Was Marken und Preise angeht, ist die Bandbreite groß.

Und nicht zuletzt steht bei den Alma-Frauen auch ein integrativer Gedanke hinter der Veranstaltung: „Wir binden Frauen mit Migrationshintergrund in die Veranstaltung mit ein, um ihnen unsere Kultur näherzubringen: In diesem Fall, dass es nichts Negatives ist, gebrauchte Kleidung zu tragen“, sagt Lechel.

Anmeldung für „Gönn Dir“-Markt ist noch möglich

Wer selbst Kleidung verkaufen möchte, muss eine Standgebühr von vier Euro pro Meter Standfläche entrichten sowie zusätzlich eine Spende für das gemeinsame Fingerfood-Büfett. Anmeldungen sind bis zum 10. April möglich. Dazu muss der Preis für die gewünschten Standmeter im Voraus auf das Konto der Alma-Frauen überwiesen werden. Die Organisatorinnen bitten für Anmeldung und weitere Infos um eine E-Mail an alma-frauen@gmx.de. Die Standfläche umfasst auch Platz für eine eigene Kleiderstange; die Standtiefe beträgt 1,60 Meter. Tische, Stühle und Kleiderstangen müssen die Teilnehmerinnen selbst mitbringen. Der Aufbau beginnt am Veranstaltungstag bereits ab 14.30 Uhr.

Eine Cocktailbar bietet Cocktails, Wein, alkoholfreie Getränke sowie Kaffee an. Außerdem stehen Umkleidekabinen, Spiegel und Toiletten zur Verfügung, sodass die Kleidungsstücke direkt anprobiert werden können. Wichtig ist den Veranstalterinnen ein reibungsloser Ablauf rund um das Gebäude: Der Parkplatz am Autohaus steht ausschließlich zum Be- und Entladen zur Verfügung und darf nicht zum Parken genutzt werden. Auch das Parken auf den angrenzenden Grünstreifen ist nicht erlaubt.

Von Mellanie Caglar und Nico Schwappacher

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